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Interview : Marko Rehmer: „Ich will den Engländern wieder weglaufen“

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Marko Rehmer: „Nationalmannschaft macht Spaß” Bild: dpa

Sein Wechsel zu Arsenal London ist geplatzt, nun will es Marko Rehmer den Engländern im Länderspiel zeigen. Das FAZ.NET-Gespräch.

          Gut gelaunt betritt Marko Rehmer die Holzterrasse des Gasthauses „Huber“ in Ambach: „In Berlin regnet es schon. Also bin ich doch froh, dass ich hier bin.“ Sein Blick schweift auf den Starnberger See. Ein bisschen Lektüre hat er mitgebracht - und eine erstaunliche Offenheit.

          Oliver Kahn spricht von der Konzentration, die die Mannschaft von ersten Tag an zeigt. Denken Sie seit Dienstag an nichts anderes als das Länderspiel am Samstag gegen England?

          Marko Rehmer: Nein, so ist das bei mir nicht. Ich spüre ehrlich gesagt noch keine besondere Anspannung. Bei mir kommt das am Freitagabend, so dass ich mich vor dem Schlafengehen sehr konzentriere. Und dann merke ich das am Spieltag. Jetzt bin ich ganz `relaxed`.

          Als Sie als Spätstarter in die Nationalelf kamen, herrschte viel Unruhe. Sie haben die völlig verkorkste EM miterlebt.

          Ich kam vergangenen Sommer mit viel Freude dahin und mit viel Frust zurück. Ich war unmittelbar danach fix und fertig. Wir sind gegen Portugal ausgeschieden und ich habe dann mit meiner Frau Daniela sogar in Portugal an der Algarve Urlaub gemacht. Handy aus, abschalten. In einer Kneipe von Luis Figo, den ich sogar gesehen habe, habe ich die entscheidenden Europameisterschaftsspiele gesehen. Ein komisches Gefühl. Es hat gedauert, das zu verarbeiten.

          Was hat sich seitdem verändert?

          Eine Menge. Das Klima in der Mannschaft, das Drumherum: Es macht einfach wieder Spaß, man reist gerne zur Nationalelf. Und viel macht der Trainer aus. Rudi Völler oder Erich Ribbeck - das ist schon ein Unterschied. Als neuer Spieler habe ich damals die Missstände gar nicht so mitbekommen.

          Was zeichnet Rudi Völler aus?

          Ein Trainer spielt für mich eine große Rolle, Frank Pagelsdorf war ja auch der Grund, dass ich zu Hansa Rostock ging. Wie ein Trainer die Mannschaft führt, welche Ansprache er hält, ist sehr wichtig. Dabei spielt Michael Skibbe bei der Nationalelf eine oft unterschätzte Rolle. Er spricht bei der Videoschulung, er ist beim Training für taktische Dinge zuständig. Er und Rudi Völler haben einfach ein gutes Verhältnis und arbeiten zusammen. Das kennst man aus der Bundesliga so gar nicht.

          Woran spüren Sie die besondere Bedeutung des Länderspiels?

          Es ging im Training ganz schön zur Sache. Man setzt sich auch intensiv mit dem Gegner auseinander. Ich will ihnen wieder weglaufen, die Bälle ablaufen wie im Hinspiel. Ich telefoniere täglich mit Nick Barmby, meinem möglichen Gegenspieler. Nein, im Ernst, ich schaue schon ganz genau hin, wenn wir das Videostudium machen. Und ich merke die Bedeutung des Spiels daran, dass ich so viele Kartenwünsche erfüllen musste.

          Von wem?

          Meine Mutter Anetta, meine Frau Daniela, meine Schwiegereltern und Freunde von mir - sie werden alle nach München kommen. Das ist immer schön und eine besondere Unterstützung.

          Die Mannschaft wird total abgeschottet. Dürfen Sie überhaupt das Quartier verlassen?

          Ganz so schlimm ist es ja nicht. Wir dürfen schon mal rausfahren. Aber ich halte die Entscheidung für richtig, da es wichtig ist, dass man seine Ruhe hat.

          Zu Jahresanfang gab es um Ihre Person einigen Wirbel. Ausgerechnet ein Wechsel in die englische Premier League stand im Raum.

          Ja, es waren sogar konkrete Verhandlungen mit Arsenal London, ich hatte großes Interesse. Ich habe mich ja auch im Januar mit Arsene Wenger getroffen, denn ich hatte bis zum 15. März eine Ausstiegsklausel, den Verein für 16 Millionen Mark verlassen zu können. Dass es dann nicht geklappt hat, lag daran, dass zum einen Trainer Wenger seinen Vertrag nicht über 2002 verlängert hat. Und dass ich jetzt als Spieler mit 29 Jahren durch die neuen Wechselbestimmungen in zwei Jahren ablösefrei bin.

          Also werden Sie der Bundesliga mit 2003 den Rücken kehren?

          Ich bin zwar in Berlin geboren und spiele in Berlin, aber deshalb ist der Zwang nicht so groß, dass ich hier nicht weggehe. Das kann ich mir schon gut vorstellen. Andererseits sehe ich bei Hertha BSC eine gute Perspektive und kann mir hier auch vorstellen, nach der Karriere etwas im Verein zu machen. Lose Gespräche über eine Vertragsverlängerung gab es schon. Nur an Berlin auf ewig festgebunden bin ich nicht.

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