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Interview : „Leichtathletik-EM - eine Steilvorlage für Olympia“

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OK-Chef Helmut Digel: „EM ein großer Erfolg” Bild: dpa

Im Gespräch mit FAZ.NET freut sich der OK-Chef der Leichtathletik-EM, Helmut Digel, über Stimmung, hohe TV-Quoten und positive Effekte für die deutsche Olympiabewerbung.

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          Nur das Wetter spielte nicht mit. Ansonsten war die Leichtathletik-EM in München geprägt von guten Wettkämpfen und exzellenter Stimmung. „Wir wollten Leichtathletik als Erlebnis präsentieren“, sagt Helmut Digel, der Organisations-Chef: „Das ist gelungen.“

          Im Gespräch mit FAZ.NET freut sich Digel über TV-Quoten und positive Effekte für die deutsche Olympia-Bewerbung. Der Vizepräsident des Weltverbandes IAAF, lange Jahre auch Chef des deutschen Leichtathletik-Verbandes, zieht zufrieden Bilanz nach spektakulären Titelkämpfen.

          Herr Digel, wo ist nach diesen ebenso stimmungsvollen wie verregneten Tagen von München der vielzitierte Staub auf der Leichtathletik geblieben?

          Ich habe den Staub nie gesehen. Großereignisse in der Leichtathletik waren immer erfolgreich. Und wir haben nach Stuttgart 1986 und `93 einmal mehr gezeigt, dass Leichtathletik in Deutschland exzellent organisiert werden kann. Nur wenn man von Großereignissen auf den Alltag schließt, dann wird es problematisch. Es ist für uns ein großer Erfolg, dass die zum Teil sehr fragwürdigen Prognosen nicht eingetroffen sind.

          Was sagen Sie zum Abschneiden der deutschen Athleten?

          Unsere Athleten haben gezeigt, dass sie voll konkurrenzfähig sind und vorne mitmischen können. Es gibt sicherlich Täler, wo sie nicht so erfolgreich sind, aber das gab es schon immer. Und es gibt Disziplinen, wo die Deutschen Spitze sind, wie im Stabhochspringen.

          Wo sehen Sie die deutschen Leichtathleten im historischen Vergleich?

          Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) war früher nicht erfolgreicher als heute. Im Gegenteil. Wir waren in den 80er Jahren lange nicht so gut. Und wer die Entwicklung betrachtet, wird sehen, dass wir auch nach der Wiedervereinigung nicht erfolgreicher waren. 1993 bei der WM in Stuttgart gewann der DLV vier Medaillen, `95 in Göteborg war es auch nicht doll, `97 in Athen schon besser. 1999 in Sevilla waren wir dann so erfolgreich wie nie und dazwischen die EM in Budapest war auch sehr gut. Hier sind wir jetzt auch erfolgreich, wenn auch nicht ganz so stark wie in Budapest oder Sevilla. Aber das ist bestimmt keine Krise.

          Wo sehen Sie dann die Probleme der Leichtathletik?

          Wo es eine Krise gibt, ist in der Organisation von Veranstaltungen außerhalb von EM und WM. Die Meetings können zum großen Teil finanziell nicht mehr getragen werden, aber dort sind auch viele Organisationsfehler gemacht worden. Die Budgets haben nicht gestimmt.

          Was muss getan werden?

          Es muss vieles auf den Prüfstand gebracht werden. In vielen Fällen sind Preisgelder gezahlt worden für wenige Athleten, die nicht sinnvoll waren. Aber man muss die Ökonomie von Veranstaltungen im Auge behalten. Wenn Meetings gekonnt sind, dann tragen sie sich auch.

          Dazu braucht man auch das entsprechende Publikum.

          Man muss die Zuschauer mit gekonnter Moderation einzubinden. Da springt dann der Funke über. Wenn man alles beim Alten lässt, darf man sich nicht wundern, wenn das Publikum überaltert. Unser wichtigstes Ziel in München war, die Zuschauer zurück in die Stadien zu holen.

          Wie haben Sie das bei der EM geschafft?

          Wir haben eine sehr gute Promotion gemacht. Wir hatten zwölf Athleten vertraglich gebunden, wie Jonathan Edwards und Florian Schwarthoff, die wir als Botschafter eingesetzt haben. Man muss investieren, dann kann man gewinnen. Wer nur anbietet und glaubt, die Leute kommen, der hat ein Problem. Der Zuschauer heute hat ein gewisses Anspruchsdenken, er will sich unterhalten fühlen. Dazu gehört eine gekonnte Präsentation. Und wenn wir Zuschauer ins Stadion holen, haben wir sie auch vor den Bildschirm. Und wenn viele vor dem Bildschirm sitzen, sind die Sponsoren zufrieden. Das ist die Logik.

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