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Interview : „Fußball liefert den besten Content“

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Bayer-Manager Wolfgang Holzhäuser: „Kosten senken” Bild: dpa

Das FAZ.NET-Gespräch mit Wolfgang Holzhäuser, Finanzmanager bei Bayer Leverkusen, über Steuervorwürfe, Schwarzgelder und arbeitslose Profis.

          Die Fußball-Bundesliga steht vor ihrer 40. Saison - und es scheint eine der schwierigsten ihrer Geschichte zu werden.

          So schwierig, dass auch ein finanziell gesunder Klub wie Bayer Leverkusen gewisse Maßnahmen ergreifen muss. Als erster Spitzenverein der Liga hat der Vizemeister auf die Mindereinnahmen aus dem neuen Fernsehvertrag reagiert. Manager Reiner Calmund hat erklärt, dass Bayer die bislang üblichen Erfolgsprämien um 20 Prozent zu kürzen gedenke.

          FAZ.NET sprach mit Calmunds Kollege Wolfgang Holzhäuser, Finanzmanager bei Bayer und Aufsichtsrat der Deutschen Fußball-Liga (DFL), über Schwarzgelder, Steuervorwürfe, arbeitslose Profis und Perspektiven der Vereine in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten.

          Herr Holzhäuser, Bayer Leverkusen ist in Verbindung mit Christoph Daum und Jens Nowotny unter Verdacht geraten, Schwarzgelder zu zahlen und damit auch Steuern zu hinterziehen. Droht damit der nächste Bundesligaskandal?

          Zum Thema Daum brauche ich wenig zu sagen, zumal die Protagonisten, die das gesagt haben sollen, öffentlich zurückgerudert sind. Zum Thema Nowotny ist auch nicht viel zu sagen, wir haben mit der Staatsanwaltschaft Kontakt aufgenommen und dabei erfahren, dass auf Grund einer anonymen Anzeige von wem auch immer, die Staatsanwaltschaft von Amts wegen verpflichtet ist, zu ermitteln, beziehungsweise nachzuforschen. Die Staatsanwaltschaft hat uns bestätigt, dass die Nachforschungen sich nicht auf Bayer 04 Leverkusen beziehen und auch kein Ermittlungsverfahren im Gange ist. Bayer 04 Leverkusen hat damit gar nichts zu tun, sämtliche Zahlungen im Zusammenhang mit Nowotny sind ordnungsgemäß bei uns verbucht und versteuert worden.

          Die bisherige Boom-Branche Fußball beklagt zum ersten Mal arbeitslose Spieler in großer Zahl. Wie bewerten Sie das neue Phänomen?

          Arbeitslose Fußballer gibt es, solange ich denken kann. Ob es mehr arbeitslose Fußballer derzeit gibt als in der Vergangenheit, kann ich nicht beurteilen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass jeder Spieler, der keinen Vertrag hat, als arbeitsloser Fußballer im klassischen Sinne bezeichnet wird. Vielleicht warten ja einige Fußballer darauf, das Angebote von anderen Vereinen zu einem späteren Zeitpunkt kommen. Ein früherer Spieler von uns, ohne Vertrag und ablösefrei, hat mir ganz klar gesagt: Ich warte und bekomme schon einen Vertrag.

          Aber die Einnahmen der Bundesligaklubs sinken, wo soll das Geld herkommen?

          Das Problem ist, dass von der Erträgen der Bundesliga und der 2. Liga 20 bis 30 Prozent pro Verein fehlen, und wenn Erträge in dieser Größenordnung von heute auf morgen wegfallen, fängt man sie nicht auf, indem man die Kosten von heute auf morgen reduziert, das ist nicht möglich. Wenn es uns nicht gelingt, die Erträge wieder zu erhöhen, wird man mittelfristig den Kostenbereich anpassen müssen. Also bei neu abgeschlossenen oder modifizierten Verträgen und den Spielprämien kürzen. Dann wird das zwei bis drei Jahre dauern, bis sich das wieder normalisiert hat.

          Wo sehen Sie die neuen Ertragsquellen?

          Ich sehe sicherlich im globalen Sponsoring noch Reserven. Die reine Trikotwerbung ist sicherlich ausgereizt. Zukünftigen Partner wird man neben Trikotwerbung auch andere Dinge mit anbieten müssen. Man wird auch ein Business to Business-Verhältnis entwickeln müssen. Wir liefern Leistung, Event und Geschäfte. Auf der anderen Seite wird dafür bezahlt, dass man mit uns Werbung machen kann. Da müssen wir bei den Angeboten für die Sponsoren ein bisschen Kreativität walten lassen.

          Welche Entwicklung für den Fußball erwarten Sie auf dem Fernsehmarkt?

          Ich bin überzeugt, dass sich die Preise für das bewegte Bild im Fernsehen mittelfristig wieder anheben werden. Ob und inwieweit das die so genannten neuen Rechte, ob Internet, mobil oder UMTS betrifft, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich weiss nur eins: Die Telekommunikationsgesellschaften haben für die UMTS-Lizenzen ein irres Geld ausgegeben, und wenn sie das Geld nicht abschreiben wollen, werden sie das Thema anpacken müssen. Und wenn man UMTS vernünftig anpacken will, dann wird man Content brauchen. Und Fußball liefern den besten Content, den man sich vorstellen kann für ein derartiges Massenprodukt. Deshalb glaube ich, dass die Telekommunikations-Konzerne sicherlich, um Content zu bekommen, das eine oder andere zukünftig mehr zahlen werden. Nur, wie sich das weiter entwickelt, und wann sich das entwickelt, das kann ich heute nicht sagen.

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