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Interview : Ernährungsexperte rät: Hören Sie auf ihren Körper

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Manager sollten nur leichtverdauliches essen Bild: Andreas Koerner / STOCK4B

„Bester Ratgeber für gesundes Verhalten ist der eigene Körper“ sagt Ernährungsexperte Gunter Frank im Interview mit FAZ.NET.

          Dr. Gunter Frank ist Leiter der Heidelberger Health Service Group - einem Beratungsunternehmen, das sich auf medizinische Dienstleistungen für Menschen in leitenden Positionen spezialisiert hat.

          FAZ.NET sprach mit ihm über seine Erfahrungswerte im Bereich der Gesundheits- und Ernährungsregeln für Führungskräfte.

          Wie sollten sich Manager ernähren?

          Die Empfehlung einer allgemeinen gesundheitsfördernden Ernährungsweise ist etwa so plausibel wie die Empfehlung einer allgemein gesunden Schuhgröße.

          Entgegen allen geltenden Gesundheitsregeln empfehlen Sie den Lesern Ihres Buchs „Gesundheitscheck für Führungskräfte“, wenn sie morgens lieber länger schlafen statt zu joggen und zum Frühstück Rühreier mit Speck dem gesunden Müsli vorziehen, dieser inneren Stimme zu folgen. Warum?

          Generell kommt man nach sorgfältigem Studium der wissenschaftlichen Datenlage zu dem eindeutigen Ergebnis, dass die meisten Gesundheitsempfehlungen auf voreiligen Schlussfolgerungen beruhen und nicht auf überzeugenden Nachweisen. Besonders trifft dies für den Themenkomplex einer gesunden Ernährung zu. Alle großangelegten Studien zur „richtigen“ Ernährung, darunter die bekannte „Nurses Health Study“, zeigen chaotische Ergebnisse.

          Zum Beispiel?

          Bei dieser Studie ergab sich, dass die Krankenschwestern, die die meisten Frühstückseier verzehrten, das niedrigste Cholesterin haben, also der Stoffwechsel sich völlig kontrovers zur gängigen Lehrmeinung verhält. Ich denke, dass sich die konfuse Datenlage erhellen würde, wenn man einen alten, leider vergessenen Gedanken der empirischen Medizin wieder aufgreifen würde: der lautet schlicht und einfach, dass die Menschen verschieden sind und verschieden reagieren. Der beste Ratgeber für eine gesunde Verhaltensweise ist die eigene Körperrückmeldung.

          Dann hat also der „Bauch“ tatsächlich immer recht?

          Es geht darum, die eigenen Körpersignale richtig zu deuten. Wenn ich nach einem Vollwertsalat Blähungen bekomme, dann war er eben nicht gut für mich. Und wenn ich mich nach Sauerkraut und Rippchen pudelwohl fühle und nicht müde bin, dann war das in dieser Situation für mich die gesunde Ernährung. Das Problem ist, dass wir diesen inneren Ratgeber durch Expertenmeinungen regelrecht abtrainiert bekommen haben, die aber wie gesagt einer Überprüfung nicht standhalten.

          Aber die häufige Lust auf Süßes zum Beispiel ist doch auch ein Körpersignal und bestimmt nicht gesund?

          Wenn man Lust auf Schokolade oder Kaffee bekommt, obwohl man sich danach nicht wohl fühlt, hängt das ganz einfach damit zusammen, dass der Körper die stimmungsaufhellenden Stoffe dieser Nahrungsmittel braucht, um auf Touren zu kommen. Ein möglicher Grund für diese Bedarfsmeldung könnte Lichtmangel sein. Wenn es so ist, dann lassen die Gelüste auf Süßes oder auf milde Drogen wie Kaffee wieder nach, sobald man regelmäßig an die frische Luft geht. Insofern ist auch das Bild vom „inneren Schweinehund“, den man angeblich unbedingt bekämpfen soll, schief, denn der sagt mir einfach, was ich brauche. Wie ich es bekomme, entscheide ich selbst.

          Viele Führungskräfte ernähren sich ausgesprochen mangelhaft: zu wenig Zeit, zu große Abstände zwischen den Mahlzeiten, hastiges Fastfood-Schlingen. „Richtige“ Mahlzeiten, zum Beispiel Geschäftsessen, werden aber oft nicht vertragen.

          Ein Geschäftsessen ist im Allgemeinen eine Stresssituation. Stress schaltet den Verdauungsapparat quasi ab, und das Mahl liegt wie Blei im Magen. Deshalb sollte man bei solchen Treffen nur Leichtverdauliches essen, wie Suppen oder gut Durchgekochtes. Im Übrigen gilt: eine kleine Meditation vor dem Essen - wie früher das Tischgebet - hilft, die Verdauung in einen guten Funktionszustand zu bringen. Und was dann am besten auf den Tisch soll, damit man leistungsfähig bleibt, sollte man nicht anhand von Nährwerttabellen entscheiden, denn Lebensmittel sind mehr als die Summe der einzelnen Inhaltsstoffe.

          Kann man den Nährwert von Nahrung nicht messen?

          Durch Kochprozesse, Backvorgänge oder auch neue moderne Verfahrenstechniken werden Lebensmittel verändert. Diese Tabellen sind völlig sinnlos, wenn man weiß, dass ein geprüfter Stoff durch den Backvorgang in Dutzende verschiedene Metabolite getrennt wird, die dann völlig eigene chemische Wirkungen haben. Durch Vollwerternährung gelangen teilweise Pflanzengifte ungekocht in den Darm, die dann Verdauungsenzyme blockieren. Wozu also vorher die Nährwerte messen, wenn sie dann im Verdauungstrakt gar nicht aufgenommen werden können?

          Ein anderes Zitat aus Ihrem Buch lautet: „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Führungskräfte einem höheren Krankheitsrisiko ausgesetzt sind als andere Bevölkerungsgruppen.“ Müssen Manager nicht viel größeren Anforderungen genügen als andere Berufstätige und sind dadurch auch gesundheitlich mehr gefährdet?

          Die Datenlage hierzu ist spärlich, aber es zeigt sich doch eindeutig, dass Führungskräfte nicht organisch kränker sind als andere Bevölkerungsgruppen. Der Herzinfarkt als klassische Managerkrankheit ist ein Mythos. Trotzdem bestätigen auch unsere Umfragen immer wieder, dass Führungskräfte als gesundheitlich besonders gefährdet gelten. Die Befindungsstörungen, über die Führungskräfte auffallend häufig klagen, liegen nach meinen Erfahrungen tatsächlich oberhalb der Beschwerdeskala anderer Bevölkerungsgruppen. Häufig führen diese Beschwerden zu Verlust von Lebensqualität und damit auch zu einem Verlust von Leistungsmotivation. Ich sehe derzeit keine wirklich effektiven Konzepte, dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Führungskräfte fühlen sich oft verheizt - und nicht selten resultiert daraus ein Burn-out.

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