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Interview : „Demirel war sensationell“

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Albas Volltreffer beim Pokalfinale: Mithat Demirel Bild: AP

Basketball-Bundestrainer Henrik Dettmann über den Pokalsieg von Alba Berlin, die bevorstehenden Play-offs in der Liga und die Perspektive der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Schweden.

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          Am Sonntag gewann Alba Berlin durch ein 82:80 gegen RheinEnergie Köln den deutschen Basketball-Pokal. Nationalspieler Mithat Demirel erzielte den entscheidenden Korb in der Schlußsekunde der Partie.

          Herr Dettmann, es gab am Wochenende in Berlin zahlreiche Stimmen, die sagten, der neue Pokalsieger Alba Berlin und der Finalgegner RheinEnergie Köln würden auch das Meisterschaftsfinale im Juni bestreiten. Teilen Sie diese Sicht?

          Dettmann: Es gibt starke Argumente, die dafür sprechen. Köln besitzt die vielleicht beste Bank der Liga, und Berlin ist sehr erfahren in entscheidenden Momenten. Daß Alba einen 2:21 Rückstand im Pokalfinale aufholt, spricht für den Charakter des Teams. Zu den Anwärtern auf den Titel zähle ich auch noch die Telekom Baskets Bonn - wobei es für die Bonner schwierig werden dürfte. Sie verfügen nur über eine kleine Rotation mit sieben Spielern. Da haben Köln und Berlin wesentlich mehr personelle Alternativen.

          Bundestrainer Dettmann

          Die Entscheidung im Pokalfinale fiel in allerletzter Sekunde. Nachdem der Berliner Spielmacher Mithat Demirel den Ball zum 82:80 in den Korb geworfen hatte, blieb den Kölnern keine Chance mehr zur Gegenwehr. Die Zeit war abgelaufen. Können Sie sich an ein ähnlich dramatisches Spiel erinnern?

          Dettmann: So etwas ist selten im Basketball. Die letzte Aktion von Alba Berlin war sensationell. Allerdings kann ich mich auch an ein Spiel erinnern, in dem ein wichtiger Wurf kurz vor Schluß nicht ins Ziel traf. Das war im Halbfinale der Weltmeisterschaft 2002 gegen Argentinien. Da hatte Mithat Demirel ebenfalls den letzten Wurf genommen und Verantwortung übernommen - so wie ich mir das gewünscht hatte. Aber man kann nicht immer treffen. Wir gingen als Verlierer vom Feld.

          Ist der geglückte Wurf im Pokalfinale mit dieser Vorgeschichte nicht umso höher zu bewerten? Daß jemand die Entscheidung sucht, obwohl er bei einem großen Turnier schlechte Erfahrungen gemacht hat?

          Dettmann: Mithat Demirel ist ein mutiger Spieler, der nicht resigniert. Er steht wieder auf, wenn ihm etwas mißlungen ist. Er will Verantwortung tragen, und im Sport bedeutet das, auch ein Risiko in Kauf zu nehmen.

          Es waren nur noch 4,6 Sekunden zu spielen, als Demirel zum Kölner Korb sprintete. Gibt es für solche Spielzüge präzise Absprachen oder ergeben die sich spontan aus der Situation?

          Dettmann: Letzte Spielzüge sind keine Zufallsprodukte. Wenn nur noch wenig Zeit bleibt, gibt es eine einfache Regel: Die schnellen Spieler müssen den Ball bekommen, auf sie müssen die Systeme abgestimmt werden.

          Das Ende des Pokalfinales wirkte wie eine Inszenierung. Wie ein Western, mit einem großen Show-down. Wie beurteilen Sie insgesamt das Niveau der Partie?

          Dettmann: Wenn wir über das Niveau von Basketballspielen reden wollen, bräuchten wir eine Flasche Rotwein und vier Stunden Zeit. Das ist ein sehr komplexes Thema. Um es kurz zu machen: Das Niveau war gut, das Spiel hat die Zuschauer großartig unterhalten.

          Wie sehen Sie als Bundestrainer die Leistungen der Nationalspieler während des Pokal-Wochenendes?

          Dettmann: Natürlich ist mir Mithat Demirel sehr positiv aufgefallen. Es freut mich, daß er gegen einen solch erfahrenen Regisseur wie Sasa Obradovic mithalten konnte. Außerdem hat Demirel glänzend verteidigt. Er hat den gefährlichen Kölner Flügelspieler Clint-Cotis Harrisson bewacht, obwohl der einen Kopf größer ist als er. Demirel hat durch seine Schnelligkeit viel kompensieren können.

          Wenn die Meisterschaft im Juni entschieden ist - wie geht es dann weiter mit der Nationalmannschaft?

          Dettmann: Wir werden uns kurz treffen, für zwei Tage. Dann machen wir Pause, die Spieler müssen sich erholen, denn der Sommer wird hart. Im September spielen wir die Europameisterschaft in Schweden. Das ist unser nächster großer Wettkampf. Vor zwei Jahren in der Türkei sind wir Vierter geworden - mal gucken, ob wir nicht unser Spiel verbessern können.

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