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Interview Charles Friedek : „Der Mensch zählt überhaupt nicht“

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Konzentriert und nachdenklich: Dreispringer Charles Friedek Bild: dpa

Der Dreispringer belegte bei der EM in München den zweiten Platz. FAZ.NET näherte sich dem Menschen Charles Friedek im Interview.

          3 Min.

          1999 war Charles Friedek Weltmeister in Sevilla, kurz vor den Olympischen Spielen von Sydney verletzte er sich, wurde nur Zwölfter und fiel in ein Loch. Nun belegte er den zweiten Platz bei der Leichtathletik-EM in München.

          „Mit der Silbermedaille lässt sich's weiterleben“, sagte der selbstkritische Athlet, der „das Ablaufen der Schonfrist“ schon befürchtete und eine gewisse Genugtuung allen gegenüber verspürte, „die mich abgeschrieben hatten.“ FAZ.NET traf den Dreispringer Charles Friedek und näherte sich dem Menschen.

          Sie haben Silber gewonnen. Was bedeutet das für Sie?

          Die Medaille ist wichtig für mich, meinen Verein, meinen Ausrüster. Es wurde Zeit, meine Sponsoren mal wieder zu befriedigen. Jemand muss ja meine Miete zahlen. Mit der Silbermedaille kann ich leben. Sie lässt mich die nächsten zwei Jahre in Ruhe weiter machen.

          „Ich möchte gesünder springen”: Charles Friedek

          Mit welchem Gefühl sind Sie in die EM gegangen?

          Drei Wochen vor dem Wettkampf war ich sehr nervös. Kurz davor sehr zuversichtlich, ein Tag vorher total wacklig. Und als ich im Stadion war, dachte ich: Okay, das ist es jetzt. Ich war insgesamt gut drauf. Aber es kann immer sein, dass er direkt vorher kippt und wackelt. Dann kommen die Zweifel. Hoffentlich hab ich keinen Gegenwind, hoffentlich trete ich nicht über, wenn mir ein guter Sprung gelingt, hoffentlich falle ich nicht die Treppe runter. Hoffentlich kriege ich hin, was ich mir vorgenommen habe. All die negativen Gedanken versuche ich im Wettkampf durch positive zu ersetzen. Dann sage ich mir: „Du kommst gleich jubelnd aus der Grube.“

          Es gab es viel Jubel um deutsche Athleten. Hat Sie das beflügelt oder gehemmt?

          Als das so langsam losging, freut man sich mit den anderen. Dann habe ich die 400 m Hürden mit Heike Meissner gesehen und dachte „Wow.“ Und dann kam mir die Grit Breuer entgegen, und hatte gerade Silber gewonnen. Da dachte ich: „Ich will auch so ein Ding.“ Man will natürlich immer gewinnen aber gestern kam der Gedanke: „Charles, jetzt musst Du auch.“

          Sind Sie im nachhinein zufrieden?

          So wie's ausging, ist es super. Aber ich konnte noch nicht umsetzen, was ich im Training gelernt hatte. Die neue Technik bietet ganz andere Perspektiven, aber ich habe die Brechstange rausgeholt und es hat gereicht.

          Um was geht es bei der neuen Technik?

          Beim Dreisprung geht es letztlich darum, den Balken konsequent zu überlaufen, die Anlaufgeschwindigkeit in den Sprung zu übertragen. Dazu kommt dann noch ein Doppelarmzug beim letzten Sprung, um die Verwringungen in Hüfte und Schulter auszugleichen. Wenn das gelingt, trifft man den Sprung besser. Es funktioniert wunderbar im Training. Andere können das auch im Wettkampf: Olsson (der neue Europameister) überläuft sehr konsequent den Balken. Edwards (der Olympiasieger) eigentlich auch. Dann weiß man Bescheid.

          Sie hatten in den letzten zwei Jahren eine schlechte Phase. Wie haben Sie die überwunden?

          Was mich rausgezogen hat aus dem Tief? Das konnte nur ich selber sein. Oder meine Freundin, die sich das Geheule anhören musste. Wenn der Körper nicht funktioniert, dann geht das Mentale auch nach unten. Ich hoffe für die nächsten Jahre, dass es stabiler wird, und dass ich leistungsmäßig besser werde.

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