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Interview : Benjamin Auer: „Meyer wollte mich nie wirklich haben“

  • Aktualisiert am

Benjamin Auer: Personalpolitik auf meinem Rücken ausgetragen Bild: dpa

Benjamin Auer kritisiert nach seinem Wechsel zu Mainz 05 Gladbachs Trainer Hans Meyer im FAZ.NET-Interview scharf.

          Das monatelange Hickhack um Benjamin Auer ist vorbei. Der FSV Mainz 05 hat den bei Borussia Mönchengladbachs Trainer Hans Meyer schlecht gelittenen U-21-Nationalstürmer in die zweite Liga geholt.

          Dort soll der Mittelstürmer Spielpraxis sammeln und kann beweisen, dass Meyer ihn unterschätzt hat. Der Drei-Jahres-Vertrag des 21-Jährigen in Mainz beinhaltet Optionen, auch im Falle eines Nichtaufstiegs des FSV vorzeitig ins Oberhaus zurückkehren zu können.

          Herr Auer, nach Ihrer Rückkehr vom U-21-Qualifikationsspiel in Litauen gehen Sie auf Torejagd für Mainz 05. Ist die zweite Liga ein Rückschritt für Sie?

          Nein, ich bin froh, dass es mit dem FSV Mainz geklappt hat. Ich hatte Erstliga-Angebote, aber meine Gespräche mit FSV-Trainer Jürgen Klopp haben mich bestärkt, diesen Schritt zu tun. Die Chemie zwischen ihm und mir stimmt. Das ist entscheidend.

          In Gladbach war das mit Trainer Hans Meyer ganz anders. Warum eigentlich?

          Ich kann das nicht beantworten. Als ich vom KSC nach Gladbach ging, war ich mit 19 zu jung und wohl zu naiv. Ich habe mich damals nur mit Sportdirektor Christian Hochstätter unterhalten, nicht aber mit Trainer Meyer. Der wollte mich offenbar nie wirklich haben. Dies nicht herauszufiltern, war mein Fehler.

          Aber Meyer sagte in einem Interview, Sie hätten durchaus die Chance bekommen, sich in Gladbach durchzusetzen. Den Vorwurf, er hätte Sie - das vermeintlich große deutsche Stürmertalent kaputt gemacht - weist er entschieden zurück.

          Dieses Interview ist mir auch ins Auge gesprungen. Was er da so von sich gegeben hat, entbehrt weitestgehend den Fakten. Er wollte mir offensichtlich jetzt noch den schwarzen Peter in der ganzen Angelegenheit zuschieben. Wahr ist: Ich hatte nie seine Rückendeckung, nie sein Vertrauen. Und wir haben auch so gut wie nie persönlich miteinander gesprochen. Diese Male kann man an einer Hand abzählen. Meine Bezugsperson war Christian Hochstätter. Meyer dagegen hat sich mir meistens über die Medien mitgeteilt, und es dann so stehen lassen. Das ist keine Art.

          Was meinen Sie konkret?

          Er hat mal in einem Interview gesagt, man müsse mich zunächst einmal zur Demut erziehen. Ich habe durch meine Eltern eine sehr gute Erziehung erfahren. Da brauche ich derlei Erziehungsmaßnahmen nicht noch zusätzlich.

          Stimmt es, dass er Ihnen vor versammelter Mannschaft angeraten hat, im Rahmen Ihrer Länderspielreisen mit der U-21 mal den DFB-Psychologen zu konsultieren?

          Ja, solche Dinge gab es häufiger. Er sagte mir einmal, Hochstätter halte viel von mir, was er denke, spiele dagegen eine untergeordnete Rolle, und dass er meine Chancen, mich in der Bundesliga durchzusetzen, auf höchstens 65 Prozent schätze. Vertrauen durch den Trainer sieht anders aus. Ganz zu schweigen von meinem andauernden Tribünendasein und Auswechslungen in der Oberligaelf Borussias. Ob Ballack, Deisler, Metzelder oder Kehl ohne Rückendeckung des Trainers es wohl geschafft hätten? Sicher nicht. Sportdirektor und Trainer haben in Gladbach anscheinend Personalpolitik auf meinem Rücken ausgetragen.

          Meyer sagt aber, er habe Ihnen klar zu verstehen gegeben, dass Sie der Mann nach, oder gar neben Stammstürmer Arie van Lent seien.

          Ach ja? Darum hat Borussia, als der Arie sich verletzte, auch mit Bobic und Marschall verhandelt und letztlich den Dänen Skouba geholt. Dass man noch einen neuen Stürmer holen würde, hat man mir von Vereinsseite sogar noch während der Vertragsgespräche mit mir bestätigt. Warum also sollte ich meinen Vertrag verlängern? Ich bin sicher: Christian Hochstätter an meiner Stelle hätte nicht anders gehandelt.

          Aber das Gladbacher Vertragsangebot war, wie Herr Meyer berichtet, finanziell durchaus lukrativ.

          Dass solche Vertragsinhalte überhaupt an die Öffentlichkeit gezogen werden, ist doch bezeichnend und nach all den Geschehnissen im Vorfeld ein zusätzlicher Vertrauensbruch. Wochenlang wurde über meine Vertragssituation öffentlich diskutiert und spekuliert, und das lag sicher nicht an meinen Beratern. Nein, mein Abschied aus Gladbach ist für alle Beteiligten das Beste. Nun möchte ich in Mainz oben mitspielen.

          Zu geringeren Bezügen?

          Das ist nicht relevant. Spielpraxis ist wichtiger vor allem in Hinblick auf die WM 2006. Und über meine Vertragsinhalte sage ich nach den jüngsten Erfahrungen ohnehin nichts mehr.

          Was wünschen Sie rückblickend Herrn Meyer?

          Ich wünsche Borussia, Sportdirektor Hochstätter, der Mannschaft mit all ihren vielen guten Typen und den tollen Fans am Bökelberg viel Erfolg und alles Gute.

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