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Interview : Beck kritisiert Telekom-Engagement bei Bayern

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Kirch-Krise kann Profi-Fußball nicht gefährden: Kurt Beck Bild: dpa

„Wettbewerbsverzerrung“ - so nennt Ministerpräsident Kurt Beck im Interview mit FAZ.NET den Einstieg der Deutschen Telekom beim FC Bayern.

          Auf mächtige Verstimmung ist bei Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Vorsitzender der Medien-Kommission der Bundesländer, der millionenschwere Einstieg der Deutschen Telekom beim deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München gestoßen.

          Der SPD-Politiker, der selbst bekennender Fan des 1. FC Kaiserslautern ist, hält die Aufwendungen in einem Gespräch mit der FAZ.NET für Wettbewerbsverzerrung und für unverantwortlich. In der letzten Woche hatten Bayern München und die Telekom einen Vertrag geschlossen, der dem Champions-League-Sieger bis 2008 geschätzt rund 120 Millionen Euro einbringen soll. Die Auswirkungen der derzeitige Krise beim Münchner Medien-Konzern von Leo Kirch und die befürchteten Einbußen im Fußball sieht Beck nicht als existenzbedrohend für den Profi-Sport an.

          Wird die Krise im Medien-Haus von Leo Kirch die deutsche Fußball-Landschaft verändern?

          Das ist derzeit noch lange nicht abzusehen. Man muss erst einmal abwarten, ob es einen Insolvenzantrag geben wird. Aber selbst wenn es einen geben wird, ist es noch nicht sicher, ob sich die Krise auf den Fußball auswirkt. Es gibt einen Vertrag, und es ist ja immer möglich, dass ein anderer potenter Bieter in diesen Vertrag einsteigen wird.

          Wird sich denn das Preis-Niveau jetzt nach unten verändern, wie es sich erstmals durch den neuen Vertrag für die Länderspiele abzeichnet, die dem Deutschen Fußball-Bund weniger Geld einbringen soll?

          Wenn ein anderer Mitbieter auftaucht, um am Markt mitzubieten, kann es sein, dass es sogar noch einmal zu einer Anfachung der Preise kommt. Dann wird sich zeigen, ob die derzeitigen Preise zu hoch sind. Aber selbst wenn die Einnahmen etwas sinken werden, geht die Welt für den Fußball nicht unter.

          Nicht nur viele Politiker befürchten den Einstieg von Rupert Murdoch in den deutschen TV-Markt. Ist diese Szenario wirklich so Angst einflössend?

          Man muss solche Dinge wie um Murdoch auf jeden Fall im Auge behalten. Schlecht ist aber eigentlich nur, wenn jemand sich ein Monopol sichern und bestimmen kann, was auf dem Markt passiert.

          Ist denn die derzeitige Entwicklung auf dem TV-Sektor und die Sorgen um die Einkünfte für den Fußball existenzbedrohend?

          Das glaube ich nicht. Was mich in der letzten Zeit vielmehr ganz deutlich stört, ist der Einstieg der Deutschen Telekom in dieser gigantischen Form bei Bayern München. Das ist nicht nur eine Wettbewerbs-Verzerrung, sondern die Telekom hat ja als immer noch ein Art von öffentlich-rechtlicher Firma eine besondere Verantwortung gegenüber den Besitzern und den Aktien-Inhabern. Ich habe nichts gegen Bayern München, aber es ist von Telekom weitgehend unverantwortlich, eine solche Summe aufzubringen.

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