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Internationaler Fußball : Spieler ohne Grenzen

Wohin geht sein Blick? Adnan Januzaj könnte für Belgien, Albanien, Kroatien oder England auflaufen Bild: AFP

In der modernen mobilen Welt verschwimmen die Begriffe von Herkunft, Heimat, Nation. Fußballspieler mit Migrationshintergrund wie Adnan Januzaj haben die Wahl, für welche Nationalelf sie auflaufen.

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          Für welches Land ein Spieler spielt, ist heute nicht mehr so einfach zu sagen. In der modernen mobilen Welt mit ihren Migrantenströmen verschwimmen die Begriffe von Herkunft, Heimat, Nationalität. Kinder der Gastarbeiter, die einst nach Deutschland kamen, sind längst so frei, sich für das Land ihrer Geburt zu entscheiden, wie es Mesut Özil oder Ilkay Gündogan taten.

          Mancher Fußballer wiederum kommt selbst als Gastarbeiter in ein Land und beschließt, für dessen Nationalteam zu spielen, wie es nun Diego Costa tat, der erfolgreichste Torjäger der neuen Saison. Der Brasilianer, der mit zehn Toren Atlético Madrid zu acht Siegen in acht Spielen schoss, hat erklärt, nicht für sein Heimatland bei der WM 2014 spielen zu wollen, sondern für Spanien, für das er laut Fifa-Regeln nach fünf Jahren ununterbrochenen Aufenthalts spielberechtigt ist.

          Diese noch recht übersichtlichen Entscheidungsmuster, die Wahl zwischen zwei Ländern, zwischen alter und neuer Heimat, dürften bald durch eine verwirrende Zahl neuer Varianten erweitert werden. Das ist vor allem eine Folge der Flüchtlingsströme durch die Balkankriege der neunziger Jahre. Die Kinder der Flüchtlinge, in Mitteleuropa geboren oder zumindest dort aufgewachsen und ausgebildet, kommen nun auf den Spielermarkt – nicht nur den Markt der Klubs, auch den der Nationen.

          Manchester United hat sich die Dienstes des Talents Adnan Januzaj nicht lange gesichert - nun kann er sich seinen Arbeitgeber aussuchen
          Manchester United hat sich die Dienstes des Talents Adnan Januzaj nicht lange gesichert - nun kann er sich seinen Arbeitgeber aussuchen : Bild: REUTERS

          Als am Samstag Manchester United 2:1 in Sunderland gewann, machte ein neuer Name in ganz Fußball-Europa die Runde – der eines Achtzehnjährigen, der beim ersten Einsatz in der Startelf des Meisters gleich zwei Tore schoss. Ganz Fußball-Europa, das ist im Falle von Adnan Januzaj wörtlich zu nehmen. Der hoch begabte Angreifer hat eine Vita, die ihn zum Prototypen eines neuen Profi-Typen machen könnte – dem Fußballer einer Zeit, die nicht mehr von Nationen, sondern Migrationen bestimmt wird.

          Die Möglichkeit, etwas aus seinem Leben zu machen

          So wie der moderne Kicker seinen Verein gut wählen muss, muss der postmoderne Kicker ebenso weitsichtig entscheiden, welche Nation seiner Karriere gut tut. Als Sohn kosovarischer Eltern in Brüssel geboren und aufgewachsen, hat Januzaj die Voraussetzungen, für mindestens sechs Länder zu spielen. Nach Berechnung des Fachmagazins „Kicker“ sogar für elf: acht Balkanstaaten, die Türkei (Geburtsland der Mutter), Belgien – und England, sofern er dort noch fünf Jahre bleibt. Englands Nationaltrainer Roy Hodgson zeigte schon Interesse, ebenso wie die Kollegen aus Albanien, Kroatien und Belgien. Aber Januzaj will sich noch nicht entscheiden.

          Warum auch? Weil Manchester nicht vorsorgte, hat der Jungstar nur einen Vertrag bis Saisonende – und damit alle Aussichten auf lukrative Angebote. Schon wird vom Interesse anderer europäischer Top-Klubs berichtet. Und so besitzt Adnan Januzaj nicht nur, wie jeder 18-Jährige, viele Möglichkeiten, aus seinem Leben etwas zu machen. Er hat noch zwei mehr: sich den besten Arbeitgeber und die beste Nation auszusuchen.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

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