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Im Gespräch: Sebastian Vettel : „Ich bin einer aus der Kurve“

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Nicht Ferrari, sondern Eintracht: Rot wie ein Frankfurter Trikot ist die Fußball-Lieblingsfarbe von Sebastian Vettel. Bild: picture alliance / dpa

Der aus Heppenheim stammende Formel-1-Weltmeister spricht über seine Liebe zum Frankfurter Fußball, über das, was er dort lernen kann, und seinen Platz im Stadion.

          Sie sind einer der berühmtesten Fans der Frankfurter Eintracht. Warum schlägt Ihr Herz ausgerechnet für diesen Verein?

          Ausgerechnet? Außer der Eintracht gibt es ja keinen hessischen Verein, der in der Bundesliga spielt, das Team ist seit Jahren das erfolgreichste in der Umgebung. Wenn ich als kleiner Junge ein Spiel in der Bundesliga sehen wollte, dann bin ich nach Frankfurt gefahren, das sind ja nur etwa sechzig Kilometer von Heppenheim aus. Als ich das erste Spiel gesehen habe, hieß die Arena noch Waldstadion. Ich war dreizehn oder vierzehn Jahre alt. Aber ehrlich gesagt: Es kann keine besondere Partie gewesen sein, denn sie ist mir nicht in Erinnerung geblieben. Damals hatte ich zumeist andere Dinge im Kopf, ich bin Rennen gefahren, ich hatte schon als Junge viel um die Ohren. Aber die Leidenschaft für die Eintracht ist seitdem nur noch größer geworden.

          Ende des vergangenen Jahres sind Sie zum Ehrenmitglied ernannt worden. Welche Privilegien hat man dann?

          Ich muss keinen Mitgliedsbeitrag zahlen, das ist das eine. Als der Verein diese Entscheidung getroffen hat, habe ich mich sehr geehrt gefühlt. Denn wenn ich die Eintracht sehe, dann bin ich kein Formel-1-Weltmeister, dann bin ich einfach nur Fußball-Fan. Ich fühle mich nicht als irgendetwas Besonderes, ich bin einer aus der Kurve. Ich habe nicht darauf gepocht, dass ich zum Ehrenmitglied gemacht werde.

          Es heißt, Sie sollen mit Perücke ins Stadion gehen, um nicht erkannt zu werden. Stimmt das?

          Nein, ich verstecke mich nicht.

          Sie stellen sich direkt auf die Fantribüne, nicht in den abgeschirmten Bereich der Reichen und Wichtigen?

          Nein, da sieht man doch nicht richtig, und man bekommt von der wunderbaren Stimmung überhaupt nichts mit. Dabei gehört diese Atmosphäre dazu zu einem schönen Stadionerlebnis. Wem das nichts bedeutet, der kann sich die Spiele genauso gut im Fernsehen anschauen. Ich stehe da mit meinen Kumpels, hole mir in der Halbzeit eine Bratwurst, manchmal trinke ich auch einen Apfelwein, ich feuere an und genieße das. Diese Erlebnisse sind wichtig für mich, ich kann richtig abschalten und einfach nur Fan sein. Wenn die Leute nach Fotos und Autogrammen fragen, erkläre ich ihnen, dass ich privat da bin. Das ist nicht leicht, aber die meisten verstehen es. Das Problem ist einfach: Wenn ich einmal anfange und mich fotografieren lasse und Unterschriften gebe, wann soll ich dann damit aufhören? Vielleicht ist das Spiel dann schon vorbei.

          Welche Partie haben Sie zuletzt gesehen?

          Letztes Jahr in der Hinrunde gegen Borussia Dortmund. Wir haben 3:3 gespielt, und die Art und Weise, wie die Mannschaft aufgetreten ist, wie sie gekämpft und an sich geglaubt hat, das hat mich sehr beeindruckt.

          Und was ist, wenn Sie irgendwo auf dieser Welt ein Rennen fahren?

          Dann ist es nicht so einfach, irgendetwas zu sehen. Wir fahren oft an Orte, wo es keine Bilder von Spielen der Eintracht gibt. Hinzu kommt die Zeitverschiebung. Trotzdem versuche ich immer relativ schnell an Informationen zu kommen.

          Können Sie etwas lernen vom Fußball?

          Es gibt mehr Parallelen, als sich die meisten vorstellen. Ich bin zwar allein auf Strecke, aber im Hintergrund arbeiten Hunderte von Mitarbeitern für das Team. Die Formel 1 ist ein Mannschaftssport, genau wie der Fußball. Ich schaue öfter, wie in anderen Sportarten trainiert wird, manche Übungen übernehme ich dann für mein eigenes Training. Jetzt sagt vielleicht der eine oder andere: Was für ein Schwachsinn, der Mann fährt Auto, was will er denn da irgendwelche Zickzackübungen auf dem Rasen machen? Mir hilft es. Und die Arbeit als Formel-1-Fahrer ist eben komplexer, als viele denken.

          An Ihre Siege in der Formel 1 haben sich viele längst gewöhnt. Dass die Eintracht wieder zu den Besten der Liga zählt, ist eine Überraschung. Was ist möglich für den Verein in der kommenden Saison?

          Ich habe sehr genau verfolgt, wie sich Trainer Armin Veh und Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender der Eintracht) zu diesem Thema geäußert haben: Man darf nicht vergessen, welche Ziele man sich Anfang der vergangenen Saison gesetzt hatte. Es ging um den Klassenverbleib und um nichts anderes. Dass der Weg erst im Europapokal zu Ende gegangen ist, gleicht einer Sensation für die Eintracht. Wenn es genauso läuft, wäre es eine weitere Sensation. Wenn wir uns unter den ersten zehn halten können, wäre das phantastisch. Aber wir dürfen auf keinen Fall absteigen. Und das wird schwer genug. Die Bundesliga ist extrem ausgeglichen, ausgeglichener als jede andere Liga in Europa, ausgeglichener als die Formel1. Wenn wir da mitmischen können, bin ich zufrieden.

          Das Gespräch führte Michael Wittershagen.

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