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Im Gespräch: Eintracht-Vorstand Hellmann : „Angriff nach oben“

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Kaum hatte der DFB jüngst sein Urteil gefällt und die Eintracht für die Ausschreitungen in Leverkusen noch einmal nur mit einer Geldstrafe und nicht mit dem befürchteten „Geisterspiel“ bestraft, schlugen Randalierer beim Test in Luxemburg zu. Haben Sie Angst, dass die Unbelehrbaren unter den Fans auch im Europapokal ihrem schlechten Ruf gerecht werden?

Ich bin Realist. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass in Frankfurt in Teilen unserer Fangruppierungen seit Ende der neunziger Jahre ein Leitbild entstanden ist, dass zur Stimmung im Stadion Pyrotechnik gehört. Ich halte das für ein falsches Leitbild, das aber nicht von heute auf morgen ein Ende finden wird. Der eigentliche Erfolg nach den Ausschreitungen in Leverkusen ist für mich der, dass die breite Masse jetzt auch erklärt, dass sie keine bengalischen Fackeln und Feuerwerkskörper in den Kurven mehr will. Selbst in der Hardcore-Szene gibt es entsprechende Tendenzen, die mir zeigen, dass wir das Problem in den Griff bekommen können. Was die Europa League angeht, wage ich aber keine Prognosen. Ich denke, es wird nicht zuletzt von dem Gegner und den Rahmenbedingungen abhängen, ob es zu Vorfällen kommt. Aber ich hoffe, es werden schöne und friedliche Abende, an die wir uns lange mit Freude erinnern  werden.   

Erste Prüfung bestanden: Kapitän Schwegler (rechts) und Kollegen setzten sich gegen den FV Illertissen im Pokal durch

Werden  künftig Geldstrafen, ob vom DFB oder der Uefa ausgesprochen, auf Eintrittspreise umgelegt, so wie es Hannover 96 praktiziert? 

Die Frage ist doch immer, was man mit den Strafen erreichen will und kann. Ich bevorzuge eine direkte Täteransprache. Wir haben es geschafft, einen durchgehenden Kommunikationskanal von der Spitze des Klubs bis an die Basis zu legen. Wir sind nach Jahren des Schweigens und der Konfrontation in Gesprächen. Das ist ein großer Fortschritt. Natürlich hat mir nicht gefallen, was da zuletzt in Differdingen passiert ist, das wollen wir nicht, da müssen wir präventiv noch mehr einwirken…

…mit Unterstützung der Polizei?

Ich denke nicht, dass die Polizei uns da helfen kann und sehe den Klub in der Verantwortung. Was das Modell in Hannover angeht, bin ich wie bei allen Kollektivstrafen skeptisch. Wenn wir die Täter ausgrenzen wollen, dann dürfen wir nicht die breite Masse mit in die Haftung nehmen. Den einzelnen Tätern wenden wir uns verstärkt zu. Ich halte auch die individuelle vereinsinterne Sanktionierung mit Einschränkungen für das geeignetere Mittel als Stadionverbote. Wir setzen daher weiter auf einen eigenen Ordnungsdienst auch auswärts und künftig eine eigene Videoüberwachung, die wir in der nun beginnenden Saison starten werden. 

Die Ergebnisse  aus der Vorbereitung lassen sich positiv interpretieren. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in diese Saison?

Es gibt ja die alte Grundregel: Die zweite Saison nach dem Aufstieg ist die schwerere. Also sind wir gewarnt. Bei uns kommt hinzu, dass die vergangene Runde unglaublich erfolgreich war und es irrsinnig schwierig wird, dieses Ergebnis zu wiederholen oder gar zu toppen. 

Warum?

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