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HSV - Köln : Ermittlungen gegen Alpay und Stockwerfer

  • Aktualisiert am

Van Buyten bringt Laas aus der Gefahrenzone Bild: REUTERS

Der DFB ermittelt sowohl gegen den Kölner Profi Özalan Alpay wegen eines ungeahndeten Ellenbogenchecks als auch gegen den Kölner Fan, der den Hamburger Profi Alexander Laas mit einem Trommelstock verletzte.

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          Daß der Hamburger SV nach dem 3:1 gegen den 1. FC Köln seinen Platz als erster Bayern-Verfolger gefestigt hat, und die Trainerdiskussion Rheinländer weitergeht, interessierte nach dem denkwürdigen Bundesligaspiel in der AOL-Arena niemanden mehr.

          Der Türke Özalan Alpay stand nach einer nicht geahndeten Tätlichkeit beim 1:3 ebenso im Brennpunkt wie die Trommelstockattacke eines Kölner Fans, der HSV-Spieler Alexander Laas verletzte.

          Die Trainerdiskussion um Uwe Rapolder, für dessen Arbeitsplatz das Nachholspiel am Dienstag beim MSV Duisburg entscheidend sein kann, geriet unter dem Eindruck der Ereignisse fast in den Hintergrund.

          „Grobe Unsportlichkeit“

          Wie DFB-Mediendirektor Harald Stenger am Sonntag bestätigte, hat DFB-Chefankläger Horst Hilpert Anklage gegen Alpay wegen eines nicht geahndeten Ellbogen-Checks gegen HSV-Profi Guy Demel erhoben. Zudem hat der Verein den Abwehrspieler für Duisburg aus dem Kader verbannt und arbeitsrechtlich belangt. „Wir sind beim Fußball und nicht auf einem Kriegsschauplatz“, fand Rapolder klare Worte für den erneuten Ausfall seines Spielers, der schon beim WM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz massiv in der Kritik stand.

          „Wenn ich die Szene so wahrgenommen hätte, hätte ich sie als grobe Unsportlichkeit werten müssen“, betonte Schiedsrichter Jochen Drees, der am Montag beim DFB aussagen wird. FC-Manager Andreas Rettig führte nach einem Gespräch mit Alpay an, daß der 32jährige nach den Vorkommnissen in der Türkei unter einem „ungeheuren Druck stehe“. „Er ist nicht der rustikale Bursche, für den er immer gehalten wird“, sagte Rettig in der DSF-Sendung „Doppelpass“. Er sei provoziert worden.

          „Eine Steigerungsform von Druck gibt es nicht

          Die Atmosphäre in der AOL-Arena wurde zusätzlich angeheizt durch den folgenschweren Wurf eines Trommelstocks aus dem Kölner Fanblock nach Benjamin Lauths 2:0 (54.). „Wir werden dafür bestraft werden“, sagte Rettig, der zusammen mit dem DFB ein Stadionverbot für den festgenommenen Übeltäter aussprechen wird. Dieser hatte sich dem Fan-Beauftragten des Vereins anvertraut. „Der DFB ermittelt sowohl gegen den HSV wegen möglicher Vernachlässigung der Aufsichtspflicht als auch gegen den 1. FC Köln wegen möglicher Mithaftung“, so Stenger.

          Nach neun Partien ohne Erfolgserlebnis steht Rapolder mit den Rheinländern erstmals auf einem Abstiegsplatz. „Ich tue das Beste, was ich kann. Natürlich kenne ich das Geschäft, aber ich mache mir keine Gedanken“, betonte Rapolder. Rettig wollte sich nicht klar äußern: „Der Druck ist so, wie er ist, eine Steigerungsform von Druck gibt es nicht.“

          Ganz unbeschwert und bescheiden kann dagegen HSV-Coach Thomas Doll seinen Weg weiter gehen: „Wir werden jetzt nicht größenwahnsinnig und sagen, wir jagen die Bayern.“

          „Das war wieder ein Charaktertest“

          Zum Erfolgsgeheimnis des HSV gehört, auch bei Rückschlägen und Spielerausfällen die von Doll vorgegebene Taktik mit Nachdruck weiterzuverfolgen. So wurden die Norddeutschen in der Tumult-Szene zwar doppelt bestraft, denn in der Behandlungspause des blutenden Laas markierte der frühere Hamburger Björn Schlicke den Anschlußtreffer. Doch die Kölner Auflösungserscheinungen um den indisponierten Lukas Podolski begünstigten den Erfolg der Hanseaten, die vom überragenden Sergej Barbarez geführt wurden. Mit Torvorlagen für Thimothee Atouba (43.) und Lauth sowie seinem eigenen Treffer zum 3:1 (73.) lieferte der Bosnier beste Argumente für einen neuen Vertrag.

          „Das war wieder ein Charaktertest, wenn man nach zehn Minuten van der Vaart verliert, dann noch die Trommelstockattacke, Hut ab vor der Leistung“, sagte HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann. Unter Schmerzen hatte Spielmacher Rafael van der Vaart mit einer Knöchelblessur das Feld verlassen und muß am Montag zur Kernspin-Tomographie. Eine Ultraschall-Untersuchung am Sonntag gab noch keine Klarheit. Doll: „Wir hoffen auf einen Einsatz gegen Hertha am Samstag. Denn mehr Ausfälle können wir nicht verkraften. Wir pfeifen aus dem letzten Loch.“

          Zwei Tage trainingsfrei sollen die durch eine Grippe geschwächten und nach dem 30. Pflichtspiel ausgelaugten Profis für den Jahres-Endspurt motivieren. „Wir wollen uns in der Spitzengruppe festbeißen“, ließ sich Doll entlocken. Zur Vereinsphilosophie paßt auch, daß das Abspielen des alten HSV-Meisterlieds in der AOL-Arena ab sofort verboten wurde, um die Euphorie nicht unnötig anzuheizen.

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