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HSV in der Krise : Abhängig vom treuen Milliardär

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Die Abhängigkeit des HSV von Kühne ist enorm. Er ist der einzige Kandidat für eine strategische Partnerschaft. Er ist der einzige, der mehrfach und glaubwürdig versichert hat, sofort mit einem Anteilskauf in Höhe von 25 Millionen Euro oder mehr einzusteigen, sollte die Ausgliederung der Profiabteilung kommen. Benötigt wird eine Dreiviertelmehrheit der Mitglieder. Weil einige Aufsichtsräte und viele Fans aus grundsätzlichen Erwägungen („kein Ausverkauf des Klubs“) gegen die Ausgliederung sind, dürfte es am 25. Mai sehr eng werden mit der benötigten Majorität. Sollte „HSVplus“ scheitern, es also weder den Einstieg des Investors Kühne noch den Bürgen Kühne geben, halten es Insider für wahrscheinlich, dass der HSV keine Lizenz für die erste oder zweite Liga erhält. Die DFL hätte keine Gnade mit dem Bundesliga-Dinosaurier. Hamburg würde dann sogar in Liga vier abstürzen.

Klaus-Michael Kühne wäre im Falle der Umwandlung eng mit dem Klub verbunden. Als die Initiative jüngst ihr Schattenkabinett benannte und die Mitglieder des Aufsichtsrates der HSV AG vorstellte, war Karl Gernandt darunter. Der schlanke 51-Jährige mit der Brille nennt sich Delegierter des Verwaltungsrates beim Mutterunternehmen Kühne + Nagel. Er ist Kühnes rechte Hand. Er wäre derjenige, der den Kontakt zu weiteren strategischen Partnern aufnehmen könnte. Insider meinen, dass der HSV rasch 80 Millionen Euro einsammeln müsste, um wirtschaftlich handlungsfähig zu werden und eine schlagkräftige Mannschaft aufzustellen.

Sein Einstieg wäre keine feindliche Übernahme

Gernandt hatte einen stimmigen Auftritt bei der HSV-Mitgliederversammlung im Januar, als er sagte: „In den Verhandlungen zwischen dem HSV und Herrn Kühne war immer der HSV der große Gewinner. Herr Kühnes Engagement folgt keiner Profitorientierung, sondern geschieht für den HSV.“ Mit Gernandt als Ohr am Gleis für Kühne wüsste der Milliardär genau, was mit seinen Millionen geschieht – auch wenn die Räte das operative Geschäft natürlich nur überwachen sollen. Aber eine feindliche Übernahme wäre Kühnes Einstieg nicht. Im Gegenteil – ihn zu verlieren, würfe den HSV noch viel weiter zurück. Insofern, und hier sei das Unwort des Jahres 2010 gestattet, ist Klaus-Michael Kühnes Engagement beim HSV alternativlos. Es hätte beim neuen Rat auch ziemlich sicher ein Ende mit den ewigen Zerwürfnissen und Entscheidungen auf der Basis persönlicher Vorteile. Gernandt sagt: „Niemand im Aufsichtsrat darf Aufgaben mit privaten Zielsetzungen verknüpfen. Wir wollen für lautlose, professionelle Arbeit stehen.“

Der Rat steht, der erste Investor ist bereit, doch wer wäre der Chef fürs Operative? Nach Holger Hieronymus’ Absage gibt es nur einen Kandidaten für den Vorstand der HSV Fußball AG: Dietmar Beiersdorfer. Ein Mann ganz nach dem Geschmack Klaus-Michael Kühnes. Der hat schon signalisiert, für Beiersdorfer zu sein. Doch der ehemalige HSV-Sportchef ist derzeit an Zenit St. Petersburg gebunden. Aktuell kämpft er als dortiger Sportchef um die russische Meisterschaft. Petersburg führt unter dem neuen Coach André Villas-Boas die Tabelle an. „Meine Konzentration gilt allein Zenit“, sagte Beiersdorfer dieser Zeitung bei einem der häufigen Hamburg-Besuche vor vier Wochen: Frau und Tochter wohnen hier.

Bis 2015 läuft sein Vertrag in der Zaren-Stadt; Geld ist dort im Überfluss vorhanden. So fragt mancher, warum sich Beiersdorfer den HSV antun sollte. Eine Anfrage gab es auch an Nationalmannschaft-Manager Oliver Bierhoff. Er war schon oft an der Elbe im Gespräch. Und wer weiß, sollte die DFB-Elf in Brasilien baden gehen, könnte der Job beim HSV für Bierhoff interessant sein. Von ihm würde Kühne auch sicher nicht als „Drittliga-Manager“ sprechen.

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