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Holland geschlagen : Tschechen wollen Stars gegen Deutschland schonen

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Trotz guter Leistung droht van Nistelrooy und den Holländern das Aus Bild: REUTERS

Ohne Pavel Nedved und einige andere Spitzenspieler wird Tschechien gegen Deutschland antreten. Für die Tschechen ist die Partie nach dem grandiosen 3:2-Sieg gegen die entsetzten Holländer bedeutungslos.

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          Die Last-Minute-Experten aus Tschechien haben in einem Fußball-Fest der Extraklasse vorzeitig das Ticket für das EM-Viertelfinale gebucht und die Niederlande fast schon auf die Heimreise geschickt. Gegen Deutschland kann Trainer Karel Brückner im letzten Gruppenspiel am Mittwoch seinen besten Spielern nun sogar Sonderurlaub geben, was bei den nach der 2:3 (2:1)-Niederlage ohnehin am Boden zerstörten „Oranje“-Profis schlimmste Befürchtungen weckt.

          „Ich fühle mich hundeelend und kaputt. Ich bin unglaublich wütend. Ich hoffe sehr, daß die Tschechen gegen Deutschland ihre Pflicht erfüllen“, sagte Niederlandes Topstürmer Ruud van Nistelrooy nach der packenden Partie am Samstagabend in Aveiro. Allerdings kündigte
          Brückner am Sonntag in Sintra bereits den Verzicht auf seinen Mittelfeldstar an. „Pavel Nedved wird nicht spielen. Er braucht eine Pause“, sagte Brückner, der das Spiel gegen die DFB-Elf aber „nicht auf die leichte Schulter“ nehmen will.

          „Stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein“

          Während die hoch gehandelten Niederländer nach Wladimir Smicers spätem Tor (88.) gedemütigt vom Platz schlichen, tollten und tanzten die als Gruppensieger feststehenden Tschechen ausgelassen auf dem Rasen des Estadio Municipal. Wie beim 2:1 über Lettland hatten sie nicht nur wieder kurz vor Schluß den Sieg eingefahren, sondern sogar einen 0:2-Rückstand wettgemacht. Dortmunds Jan Koller wollte „am liebsten die Welt umarmen“, sein BVB-Kollege Tomas Rosicky fühlte sich „im Fußball-Himmel“, und der sonst so grimmige Brückner zeigte sich von einer bislang kaum bekannten Seite: Er lächelte verschmitzt.

          Jan Koller feiert Tschechiens Sieg

          In dem für Tribünen-Gast Lothar Matthäus „mit Abstand besten Spiel der EM“ hatte der Europameisterschaftszweite von 1996 gegen lange ebenfalls mutig angreifende Niederländer eine Demonstration in Sachen Offensiv-Fußball gezeigt. Nun sind die Tschechen nicht mehr nur Geheimfavorit auf den Titel in Portugal, sondern wandeln zielstrebig auf den Spuren ihrer großen Vorbilder - der EM-Sieger von 1976 um Panenka, Nehoda & Co. „Das ist schon jetzt der größte Erfolg meiner Karriere. So ein Spiel habe ich noch nicht erlebt. Ich bin stolz, ein Teil dieser Mannschaft zu sein“, sagte Rosicky. An den Turniersieg will er aber noch nicht denken: „Wir träumen noch nicht vom Finale.“

          Tschechen mit B-Team gegen Deutschland

          Und Koller verriet das Erfolgsgeheimnis: „Wir haben Herz und eine tolle Moral.“ Die Tschechen hatten sich durch die frühen Gegentreffer von Wilfred Bouma (4.) und van Nistelrooy (19.) nicht verunsichern lassen und im Gegensatz zu den plötzlich zaudernden Niederländern auch nach den Treffern durch Koller (23.) und Milan Baros (70.) weiter auf Sieg gespielt.

          Unbegründet sind die Sorgen der Niederländer nicht, daß sich die Tschechen in Ruhe auf ihr Viertelfinale am kommenden Sonntag vorbereiten wollen und zuvor am Mittwoch in Lissabon gegen das DFB-Team nur eine B-Auswahl aufbieten. Neben Tomas Galasek, der bei einer weiteren Gelben Karte im Viertelfinale gesperrt wäre, sind Koller, Rosicky und Karel Poborsky Kandidaten für die Bank. Rosicky: „Ich bin ganz schön müde. Der Trainer wird uns bestimmt eine Pause gönnen.“

          „Dummer Dick“

          Sollte die deutsche Elf gegen Tschechien in Lissabon gewinnen, hätten die Niederlande keine Chance mehr, gegen Lettland das Viertelfinale zu erreichen und müßte erstmals seit 1980 bei einer EM schon nach der Vorrunde abreisen. Auch in Italien hatten sie damals gegen Deutschland und die Tschechoslowakei den Kürzeren gezogen.

          Obwohl das Aus noch nicht perfekt ist, steht der Sündenbock schon fest. „Dummer Dick“ und „Angsthase Advocaat“ hießen die Schlagzeilen in den Medien am Sonntag - und neben den Dauerkritikern Johan Cruyff („Wir haben Unheil über uns selbst gebracht“) und Youri Mulder hatten auch die Fans ihre Meinung über den unter massiven Druck stehenden Coach kund getan. Mit einem gellenden Pfeifkonzert quittierten sie nach einer Stunde die Auswechslung des überragenden Arjen Robben.

          Ohne den Jungstar aus Eindhoven verlor „Oranje“ seinen Offensivgeist und schließlich das Spiel. „Vielleicht war es ein Fehler, ihn herauszunehmen“, mußte der bei der Pressekonferenz sichtlich erschütterte und gegen die Tränen kämpfende Advocaat eingestehen.

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