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: Höhenflug nach Dauertief

  • Aktualisiert am

Osaka. Danny Ecker hat die Bronzemedaille gewonnen. Björn Otto war am dichtesten am Gewinn der Weltmeisterschaft dran. Doch die flottesten Sprüche kamen nach dem Stabhochspringen bei der WM in Osaka von Tim Lobinger.

          3 Min.

          Von Michael Reinsch

          Osaka. Danny Ecker hat die Bronzemedaille gewonnen. Björn Otto war am dichtesten am Gewinn der Weltmeisterschaft dran. Doch die flottesten Sprüche kamen nach dem Stabhochspringen bei der WM in Osaka von Tim Lobinger. "Sonst heißt es ja immer: Hosen voll und Hände leer", resümierte der Hochtöner der deutschen Leichtathletik den Wettbewerb, den der amerikanische Hallenweltmeister Brad Walker mit einem Sprung über 5,86 Meter vor dem Franzosen Romain Mesnil (gleiche Höhe im zweiten Versuch) gewann. "Wenn drei Deutsche 5,81 Meter springen und am Ende drei Fehlversuche entscheiden, kommen wir erstens nicht mit leeren Händen wieder und haben zweitens gezeigt, dass bei den nächsten Ereignissen mit uns zu rechnen ist. Wir haben die anderen Nationen geschockt mit unserem Mannschaftsergebnis", befand Lobinger. "Leider hört ein solcher Wettbewerb immer mit drei Fehlversuchen auf", sagte, wesentlich ruhiger, der Medaillengewinner Danny Ecker. "Ich bin froh, dass der Bann endlich gebrochen ist. Dies ist der größte Erfolg meiner Karriere."

          Ecker spielte darauf an, dass die deutschen Stabhochspringer seit Jahren in der Weltklasse springen, aber bei Weltmeisterschaften, die es seit 1983 gibt, noch nie eine Medaille gewonnen haben. Er steigerte sich in nur drei Versuchen bis 5,81 Meter, riss dann 5,86 Meter und versuchte sich danach zweimal erfolglos an 5,91 Metern. Hätte er die Höhe, die er in diesem Jahr schon um zwei Zentimeter übertroffen hat, überflogen - er wäre nun Weltmeister.

          Acht Springer meisterten 5,81 Meter, Björn Otto allerdings erst im zweiten Versuch. Deshalb ließ er die 5,86 Meter aus. Dreimal lief Otto anschließend bei 5,91 Meter an, ein geglückter Sprung hätte ihm den WM-Titel eingebracht. Beim dritten Versuch streifte er die Latte nur leicht mit der Kniescheibe aus der Halterung. Letztlich blieb aber nur der fünfte Platz. Verpokert? "Ob ich Achter oder Fünfter werde, ist egal", sagte Otto aufgeräumt. "Ich wollte eine Medaille. 5,91 hatte ich drin; schade, dass es nicht gepasst hat." Lobinger benötigte drei Versuche für 5,81 Meter, riss die 5,8 Meter dreimal und wurde damit Achter. Viele Springer hatten mit den wechselnden Windverhältnissen im Wettbewerb zu kämpfen, oft ging ihr Anlauf deshalb nicht mehr auf, oder es kam zu technischen Fehlern - die Springer liefen durch oder brachen ihre Versuche ab.

          "Normalerweise bin ich ja ein fairer Wettkampftyp", sagte Ecker nach dem Wettbewerb. "Aber als Björn seine letzten Versuche hatte, habe ich gehofft, dass er nicht rüberkommt. Er hatte einen so guten Sprung über 5,81 Meter gehabt, dass ich wirklich Sorge hatte, dass er es schaffen würde." Bis Samstag war Andrej Tiwontschik der letzte deutsche Stabhochspringer gewesen, der bei einer wichtigen Meisterschaft eine Medaille gewonnen hatte: Bronze bei den Olympischen Spielen von Atlanta 1996.

          Das Hoch dieses Wochenendes und das Tief, das Danny Ecker in den vergangenen Jahren erlebte, liegen offenbar in den Genen des Stabhochspringers begründet. Seine Mutter ist Heide Rosendahl, Olympiasiegerin von München 1972 im Weitsprung und mit der Sprintstaffel. Sein Vater ist der einstige Basketballprofi John Ecker. In Osaka erläuterte Danny Ecker, warum er vor sechs Jahren, als er bereits sechs Meter hoch gesprungen war, plötzlich an einer komplizierten Fußverletzung litt, die ihn erst schmerzlich behinderte, sich dann chronisch entzündete und schließlich operiert werden musste. Bis heute hat er mit einer leichten Behinderung im rechten Sprunggelenk zu kämpfen. "Von 2001 bis 2005 hatte ich nur Krisen", sagte er. Das lag am Basketball, dem Sport seines Vaters. Während seiner Bundeswehrzeit in Köln 1998 nutzte Ecker den Dienst als Hallenwart in einer Sportfördergruppe zum Training. Stundenlang haute er vor lauter Langeweile an manchen Tagen Dunkings in den Korb. Weil der Absprungfuß zu schmerzen begann, bandagierte er ihn fest, um die Schmerzen nicht zu spüren. "Das hat nicht wirklich gutgetan", sagte er im Rückblick. Nach der Operation und weiteren gesundheitlichen Rückschlägen, darunter einer Schulteroperation, habe es Jahre gedauert, bis er auch mental aus diesem Tief heraus gewesen sei.

          Danny Ecker kann als 30 Jahre alter Familienvater damit leben, immer noch als Sohn gesehen zu werden. "Ich bin stolz auf das, was meine Mutter geleistet hat", sagte er. "Auch wenn ich an ihre Erfolge nicht anknüpfen kann." Schon früh haben die Eltern Danny Ecker täglich zum Sport gefahren. Mit neun Jahren unternahm der Junge die ersten großen Sprünge. Weil es so kleine Stäbe nicht gab, benutzte er damals eine Hochsprunglatte. Erst mit siebzehn Jahren, nach einem Amerika-Aufenthalt, gab Danny Ecker den Basketball zugunsten der Leichtathletik auf. "Die Leidenschaft hat nie nachgelassen", gestand er in Osaka. "Auch Dunkings mache ich noch gern." Aber: "Dosiert."

          Von Michael Reinsch

          Osaka. Danny Ecker hat die Bronzemedaille gewonnen. Björn Otto war am dichtesten am Gewinn der Weltmeisterschaft dran. Doch die flottesten Sprüche kamen nach dem Stabhochspringen bei der WM in Osaka von Tim Lobinger. "Sonst heißt es ja immer: Hosen voll und Hände leer", resümierte der Hochtöner der deutschen Leichtathletik den Wettbewerb, den der amerikanische Hallenweltmeister Brad Walker mit einem Sprung über 5,86 Meter vor dem Franzosen Romain Mesnil (gleiche Höhe im zweiten Versuch) gewann. "Wenn drei Deutsche 5,81 Meter springen und am Ende drei Fehlversuche entscheiden, kommen wir erstens nicht mit leeren Händen wieder und haben zweitens gezeigt, dass bei den nächsten Ereignissen mit uns zu rechnen ist. Wir haben die anderen Nationen geschockt mit unserem Mannschaftsergebnis", befand Lobinger. "Leider hört ein solcher Wettbewerb immer mit drei Fehlversuchen auf", sagte, wesentlich ruhiger, der Medaillengewinner Danny Ecker. "Ich bin froh, dass der Bann endlich gebrochen ist. Dies ist der größte Erfolg meiner Karriere."

          Ecker spielte darauf an, dass die deutschen Stabhochspringer seit Jahren in der Weltklasse springen, aber bei Weltmeisterschaften, die es seit 1983 gibt, noch nie eine Medaille gewonnen haben. Er steigerte sich in nur drei Versuchen bis 5,81 Meter, riss dann 5,86 Meter und versuchte sich danach zweimal erfolglos an 5,91 Metern. Hätte er die Höhe, die er in diesem Jahr schon um zwei Zentimeter übertroffen hat, überflogen - er wäre nun Weltmeister.

          Acht Springer meisterten 5,81 Meter, Björn Otto allerdings erst im zweiten Versuch. Deshalb ließ er die 5,86 Meter aus. Dreimal lief Otto anschließend bei 5,91 Meter an, ein geglückter Sprung hätte ihm den WM-Titel eingebracht. Beim dritten Versuch streifte er die Latte nur leicht mit der Kniescheibe aus der Halterung. Letztlich blieb aber nur der fünfte Platz. Verpokert? "Ob ich Achter oder Fünfter werde, ist egal", sagte Otto aufgeräumt. "Ich wollte eine Medaille. 5,91 hatte ich drin; schade, dass es nicht gepasst hat." Lobinger benötigte drei Versuche für 5,81 Meter, riss die 5,8 Meter dreimal und wurde damit Achter. Viele Springer hatten mit den wechselnden Windverhältnissen im Wettbewerb zu kämpfen, oft ging ihr Anlauf deshalb nicht mehr auf, oder es kam zu technischen Fehlern - die Springer liefen durch oder brachen ihre Versuche ab.

          "Normalerweise bin ich ja ein fairer Wettkampftyp", sagte Ecker nach dem Wettbewerb. "Aber als Björn seine letzten Versuche hatte, habe ich gehofft, dass er nicht rüberkommt. Er hatte einen so guten Sprung über 5,81 Meter gehabt, dass ich wirklich Sorge hatte, dass er es schaffen würde." Bis Samstag war Andrej Tiwontschik der letzte deutsche Stabhochspringer gewesen, der bei einer wichtigen Meisterschaft eine Medaille gewonnen hatte: Bronze bei den Olympischen Spielen von Atlanta 1996.

          Das Hoch dieses Wochenendes und das Tief, das Danny Ecker in den vergangenen Jahren erlebte, liegen offenbar in den Genen des Stabhochspringers begründet. Seine Mutter ist Heide Rosendahl, Olympiasiegerin von München 1972 im Weitsprung und mit der Sprintstaffel. Sein Vater ist der einstige Basketballprofi John Ecker. In Osaka erläuterte Danny Ecker, warum er vor sechs Jahren, als er bereits sechs Meter hoch gesprungen war, plötzlich an einer komplizierten Fußverletzung litt, die ihn erst schmerzlich behinderte, sich dann chronisch entzündete und schließlich operiert werden musste. Bis heute hat er mit einer leichten Behinderung im rechten Sprunggelenk zu kämpfen. "Von 2001 bis 2005 hatte ich nur Krisen", sagte er. Das lag am Basketball, dem Sport seines Vaters. Während seiner Bundeswehrzeit in Köln 1998 nutzte Ecker den Dienst als Hallenwart in einer Sportfördergruppe zum Training. Stundenlang haute er vor lauter Langeweile an manchen Tagen Dunkings in den Korb. Weil der Absprungfuß zu schmerzen begann, bandagierte er ihn fest, um die Schmerzen nicht zu spüren. "Das hat nicht wirklich gutgetan", sagte er im Rückblick. Nach der Operation und weiteren gesundheitlichen Rückschlägen, darunter einer Schulteroperation, habe es Jahre gedauert, bis er auch mental aus diesem Tief heraus gewesen sei.

          Danny Ecker kann als 30 Jahre alter Familienvater damit leben, immer noch als Sohn gesehen zu werden. "Ich bin stolz auf das, was meine Mutter geleistet hat", sagte er. "Auch wenn ich an ihre Erfolge nicht anknüpfen kann." Schon früh haben die Eltern Danny Ecker täglich zum Sport gefahren. Mit neun Jahren unternahm der Junge die ersten großen Sprünge. Weil es so kleine Stäbe nicht gab, benutzte er damals eine Hochsprunglatte. Erst mit siebzehn Jahren, nach einem Amerika-Aufenthalt, gab Danny Ecker den Basketball zugunsten der Leichtathletik auf. "Die Leidenschaft hat nie nachgelassen", gestand er in Osaka. "Auch Dunkings mache ich noch gern." Aber: "Dosiert."

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