https://www.faz.net/-gtl-374z

Hintergrund : Guillain-Barré: Heimtückische Krankheit

  • -Aktualisiert am

Am Guillain-Barr-Syndrom erkrankt: Markus Babbel Bild: dpa

Was ist das für eine Krankheit, an der der Fußball-Profi Markus Babbel erkrankt ist?

          2 Min.

          Meist geht es ganz schlagartig los: Mit Rücken- und Gliederschmerzen, strumpfförmigen Kribbeln und Brennen in den Füßen. Doch Missempfindungen spielen die kleinere, Lähmungen die größere Rolle.

          Von den Beinen symmetrisch aufwärts steigend können auch die Muskeln am gesamten Rumpf ihren Dienst versagen. Bis hoch zum Kopf kann das entzündliche Guillain-Barré-Syndrom sich ausbreiten, Hirnnerven befallen und für Gesichtslähmungen sorgen.

          Unberechenbare Krankheit

          Besonders heikel wird es allerdings, wenn bei schweren Verläufen Arme und Beine gelähmt werden sowie die Atemmuskulatur aussetzt. Fünf bis zehn Prozent der am Guillain-Barré-Syndrom Erkrankten sterben an Atemlähmung, Herzrhythmusstörungen oder Lungenembolien infolge des langen Liegens.

          Mit Rückenschmerzen beginnt die Krankheit
          Mit Rückenschmerzen beginnt die Krankheit : Bild: laif

          Die Krankheit ist unberechenbar und aufgrund dieser drohenden Gefahren kommen viele betroffene Patienten zur Überwachung unverzüglich auf die Intensivstation. Unter oberster Beobachtung steht hierbei die Lunge für den Fall, dass eine künstliche Beatmung notwendig werden sollte.

          Drei Viertel der Fälle mit gutem Ausgang

          In drei Viertel der Fälle hat es einen guten Ausgang, die Symptome bilden sich vollständig zurück und zwar in umgekehrter Reihenfolge, in der sie aufgetreten sind. Rückfälle sind selten. Die Ursachen des Guillain-Barré-Syndroms liegen auch für Mediziner noch reichlich im Dunkeln.

          Man vermutet eine Immunreaktion, die das Leiden verursacht. Ziel der überschießenden Körperabwehrattacke sind dabei die peripheren Nerven, also jene außerhalb des Gehirns und Rückenmarks, die zu den Muskeln ziehen. Im Anschluss an Infektionen oder Impfungen werden Antikörper gebildet, die sich auf die Hüllschichten der Nerven stürzen. Normalerweise ist es gerade diese Umhüllung, die so genannte Myelinschicht, die extrem schnelle Reizleitung der Nerven ermöglicht.

          Ein Infekt geht voraus

          Durch die Immunattacke beim Guillain-Barré-Syndrom entzündet sich die Isolierschicht, wird teilweise zerstört und die Leitung bricht ab. Zu den Infekten, an die sich anschließend das Syndrom entwickeln kann, gehören beispielsweise Grippe, Gürtelrose oder HIV.

          Bei Markus Babbel ging ein Pfeiffersches Drüsenfieber als Auslöser voraus. Ebenso tritt die Krankheit bisweilen aber auch nach Impfungen auf oder in besondere Stresssituationen, nach Operationen dem Syndrom vorangehen oder in der Schwangerschaft. Der richtigen Diagnose auf die Spur kommen Ärzte, indem ihnen die typischen Verläufe auffallen, symmetrische Lähmungen, fehlende Reflexe und spezielle Veränderungen im Nervenwasser, welches man per Lumbalpunktion gewinnt.

          Meisten Patienten genesen vollständig

          Misst man nach, wie schnell die Nerven noch motorische Impulse leiten, ist diese Geschwindigkeit deutlich herabgesetzt. Im akuten Stadium hilft oft eine sogenannte Plasmapherese, sprich Blutwäsche, die schädigende Antikörper abfischt. Auch hochdosierte Immunglobuline kommen zum Einsatz. Die erstmals 1859 beschriebene Krankheit ist relativ selten, zwei von 100.000 Einwohner erkranken jährlich.

          Dabei gibt es zwei Erkrankungsgipfel: Einmal zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr, dann noch mal zwischen 50 und 60. Männer sind insgesamt häufiger betroffen. Obwohl die meisten sind wieder völlig erholen, kann es bis dahin ein langer Weg sein, mit intensiver Krankengymnastik und stationärer Rehabilitation. Insgesamt ist allerdings tatsächlich die Prognose sehr gut und die meisten Patienten genesen vollständig.

          Weitere Themen

          Söder als Kanzlerkandidat für die CSU Video-Seite öffnen

          Einstimmige Wahl : Söder als Kanzlerkandidat für die CSU

          Das CSU-Präsidium hat sich am Montag einstimmig für CSU-Chef Markus Söder als Kanzlerkandidat der Union ausgesprochen. Es gebe in der CSU die Überzeugung, dass Söder der am besten geeignete Kandidat der Union sei, sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume.

          Topmeldungen

          Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes gehen am Abend kurz vor Beginn der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie durch die Innenstadt von Hannover.

          Einheitliche Corona-Regeln : Wann kommt die bundesweite Notbremse?

          Das Kabinett hat die bundesweite Notbremse beschlossen. Bis das Gesetz durch das Parlament kommt, dauert es aber noch. Denn die Opposition will nicht, dass die Beratungsfrist verkürzt wird.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.