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Hintergrund : Die Skandal-Chronik der Düsseldorfer EG

  • -Aktualisiert am

          3 Min.

          Im Sommer 1998 hatten sich die Wege der beiden altehrwürdigen Klubs Kölner Haie und Düsseldorfer EG - beide mit ruhmreicher Vergangenheit - nicht nur sportlich getrennt. Während die Haie auch wirtschaftlich zum Klassenprimus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) avancierten, mutierte der achtmalige deutsche Meister aus Düsseldorf zum zweitklassigen Skandalverein. Schulden in zweistelliger Millionenhöhe, Management nach Gutsherrenart, schwarze Kassen. Das Image des einstigen Ligakrösus DEG lag ruiniert danieder.

          Noch in den neunziger Jahren hatte das Schlaraffenland im deutschen Eishockey seine feste Adresse an der Düsseldorfer Brehmstraße. Legendär war die Heimat der DEG für ihr weltbestes, da amüsant-schlagfertiges und zahlreiches Publikum. Über 10.000 Besucher als Heimspiel-Durchschnitt. Berühmt-berüchtigt waren auch die von Ex-Präsident Josef Klüh erfolgreichen Abwerbstrategien. So lockte Klüh Kölner Kultspieler wie Dieter Hegen oder Gerd Truntschka mit fetten Gehaltsschecks in die Landeshauptstadt. Hochdotierte wie heißgeliebte Stars bescherten den Fans Champagnerlaune und der anscheinend im Geld schwimmenden DEG allein zwischen den Jahren 1990 bis 1996 fünf Deutsche Meistertitel. Die Düsseldorfer waren damit der bundesweit erfolgreichste Klub.

          Schulden in zweistelliger Millionenhöhe

          Doch die DEG hatte sich finanziell verhoben. Der wirtschaftliche Kollaps war die Folge. 1998 zog sich der Verein auf Geheiß von Rainer Gossmann zurück. Der langjährige DEG-Schatzmeister und heutige Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) wollte den Traditionsklub als Zugpferd vor den Wagen einer neuen Liga spannen, die der DEL Konkurrenz machen sollte. Außerdem wollte die DEG ihren inzwischen auf elf Millionen Mark angewachsenen Schuldenberg durch den Wechsel der Spielklasse abbauen. „Damals sahen wir einen Sinn darin, in der neuen 1. Bundesliga zu spielen“, bestätigte Ex-DEG-Manager Rolf van Hauten. Der neue Vorstand um Präsident Ben Zamek wollte das, „weil diese Liga stark mit deutschen Spielern besetzt war.“ Doch der Plan scheiterte grandios. Der DEB verkaufte den Titel „1. Bundesliga“ an die DEL und plötzlich war das Interesse erloschen. Fernsehen, Sponsoren und Zuschauer wandten sich nicht der Zweitklassigkeit, sondern der DEL zu. In Düsseldorf musste man zähneknirschend erkennen: eine Rückkehr in die vielkritisierte Ausländer-Liga DEL ist unumgänglich.

          Zwei Jahre fristete der einstige Renommierklub in der zweiten Liga unter Konkurrenten wie Bietigheim-Bissingen oder Nordhorn sein Dasein, bis der Aufstieg in die DEL gelang. Nach der Erstliga-Abstinenz und der Tilgung der Schulden von 24 auf drei Millionen Mark machte die DEG zunächst wieder sportlich auf sich aufmerksam. Die mit knappen Investitionen zusammengestellte Eishockeymannschaft spielt seit Saisonbeginn unter Trainer Gerhard Brunner eine ordentliche Rolle in der DEL und sorgte mit unerwarteten Siegen über Mannheim, München und Köln für Furore.

          Doch Ende vergangenen Jahres kam das nächste Skandal. Kaum zurück in der höchsten Klasse, wurde die große DEG erschüttert von einem Steuerskandal um geschätzte acht Millionen Mark. Zwar war die neue GmbH und ihr Vorstand davon nicht rechtlich betroffen, doch auch die mittelbare Wirkung kann verheerend sein, weiß Präsident Zamek: „Unser kleines wachsendes Pflänzchen wurde brutal zerstört. “

          Klüh mit Selbstanzeige

          Die Staatsanwaltschaft Bochum vernahm sowohl den einstigen DEG-Schatzmeister Gossmann, als auch andere Anfang der neunziger Jahre maßgebliche Funktionäre. Organisationsleiter Hans Peter Sültenfuß wurde ebenso zur Rede gestellt wie auch der sportliche Leiter Rolf van Hauten und Ex-Präsident Josef Klüh. Dieser stellte wie nach dem Konkurs von 1998 Selbstanzeige und gestand öffentlich, es habe schwarze Kassen gegeben sowie Sonderzahlungen an Spieler, und herein gekommen sei das Geld über falsch abgerechnete Eintrittskarten. Mit diesem Eingeständnis hat Klüh den von Steuerfahndern ins Rollen gebrachten Stein zu einer Lawine ausgeweitet. Sie riss schließlich DEG-Urgesteine van Hauten und Sültenfuß in den Abgrund. Beide wurden ihrer Ämter enthoben. Klüh werde nach eigener Aussage für Verfehlungen und den damit einhergehenden Strafen mit seinem Privatvermögen gerade stehen.

          Der mit dem finanziell soliden Neuaufbau betraute Geschäftsführer Elmar Schmellenkamp betrachtet diese Geschehnisse als „letzten Reinigungsprozess.“ Und damit als Chance für den Neubeginn ohne Altlasten. Investoren erhörten dies zur rechten Zeit, denn die DEG drückten Unterdeckungen des Etats. „Es ist einzig und allein unseren regionalen Sponsoren zu verdanken, dass wir inzwischen wieder Wind unter den Flügeln haben“, betont Schmellenkamp. Ganz unprätentiös sorgte die Kamps AG für die Fortsetzung des Spielbetriebes, indem sie als neuer Hauptsponsor der DEG einsprang.

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