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Hansa Rostock : Der Trainer bleibt unumstritten, erstmal

  • -Aktualisiert am

Au Backe: Friedhelm Funkel unter Druck Bild: dpa

Friedhelm Funkel fühlt sich in Rostock an den MSV Duisburg erinnert. Die Erwartungen der Funktionäre wachsen schneller als das Niveau der Spieler.

          2 Min.

          In dieser Woche tagte der Vorstand des FC Hansa Rostock. „Reine Routinesitzung", sagt Vizepräsident Rainer Jarohs und beeilt sich hinzu zu fügen: „Es ging nicht um den Trainer." Das ist schwer zu glauben. Auch Übungsleiter Friedhelm Funkel ist längst argwöhnisch: „Von den nächsten vier Spielen sollten wir zwei oder drei gewinnen, sonst wird es bei uns erst richtig unruhig."

          Der Bundesligist findet sich vor der Partie am Samstag in Freiburg auf einem Abstiegsrang wieder, ist im Pokal in der ersten Runde beim Regionalligaklub Osnabrück gescheitert. Es rumort. Die Fanklubs attackieren in einem offenen Brief die Profis („Wofür seid Ihr eigentlich auf dem Platz? Um Eure Auflaufprämie abzuholen?"), von Krisensitzungen, einem Rapport beim Vorstand für Funkel ist die Rede, der seinerseits mehrmals Straftraining angesetzt hat. Es scheint, als verfalle der Verein in Hektik. „Wenn wir so weiter machen", befürchtet Kapitän René Rydlewicz, „dann steigen wir ab."

          Funkels Trainingspläne kontrolliert

          Nun hat der Routinier seine Aussage hauptsächlich auf den sportlichen Bereich bezogen. Doch die jüngsten Zwischenfälle lassen den Schluss zu, dass Hansa bei stürmischem Wellengang eine alten Tugenden über Bord geworfen hat: In den letzten drei Jahren verlor der Klub nie die Nerven, so gelang stets die Rettung. Zweimal in letzter Minute. „Die Ruhe hat uns stark gemacht, darauf müssen wir uns besinnen", sagt Jarohs, wohl wissend, dass zuletzt in dieser Hinsicht einiges schief lief.

          Er selbst stellte die Bundesligatauglichkeit des Teams öffentlich in Frage. Unrühmlicher Höhepunkt war die Posse um Vorstandschef Manfred Wimmer, der angeblich Funkels Trainingspläne kontrolliert hat. Von falscher Interpretation eines Zitates ist nun die Rede. Doch der Fußball-Lehrer („Meine Situation ist alles andere als leicht") vermutet eine gezielte Kampagne. Jahros sagt: „Der ein oder andere bei uns ist eben etwas unruhiger als früher." Früher, da hatte Hansa noch keine für 55 Millionen Mark modernisierte Arena.

          Hansa verliert gegen Titelanwärter

          Wimmer beklagt: „Unsere Leistungen entsprechen nicht dem Umfeld." Dieses neue Umfeld, befürchtet Funkel, hat die Erwartungen ins Unermessliche wachsen lassen. Nicht nur bei den Fans, die mit Sprechchören („Fußball statt Funkel!") den „erfolgsorientierten Zweckfußball, aus einer gesunden Defensive heraus" (Funkel über seine Taktik) kritisieren und bereits den Rauswurf des Trainers fordern. Viele haben vergessen, wie es war, als Hansa schön spielte - und in Schönheit fast gestorben wäre. „So mancher hier denkt, dass sich das Leistungsnivau der Mannschaft gleich dem wunderbaren Stadion anpasst", sagt Funkel mit leiser Stimme: „Ich will nicht verneinen, dass einige in diesem Stadion kurzfristig Uefa-Cup-Spiele sehen wollen."

          Dabei bleibt auch die Tatsache unbeachtet, dass Hansa bisher in der Liga nur gegen Titelanwärter (Leverkusen, Dortmund, Schalke) verloren hat und seine drei Punkte dort holte, wo man es erwartete: In St. Pauli. „Ich will nur, dass man etwas Geduld hat", sagt Funkel, „mich beunruhigt, dass in der heutigen Zeit Vereinsführungen sich schnell nicht mehr dazu bekennen, was ursprünglich die Ziele waren."

          Funkel unumstritten, ersteinmal

          Funkels Déjà-vu-Erlebnis. Seinen frühreren Arbeitgeber MSV Duisburg führte er bis ins DFB-Pokalfinale und den Uefa-Cup, dann stimmten die eigenen Aufsichtsräte auf der Tribüne „Funkel raus!"-Rufe an. „So weit ist es in Rostock noch nicht", sagt er, „man hat mir das Vertrauen ausgesprochen. Aber der MSV ist das warnende Beispiel für übertriebene Erwartungen von Verantwortlichen. Da geht der Schuss schnell nach hinten los". Duisburg steht in Liga zwei auf einem Abstiegsplatz. Nach Funkel ging es dort nur bergab.

          Auch an der Ostsee bläst dem Trainer nun der Wind rauher ins Gesicht. Von Verlängerung seines bis 2002 datierten Vertrages ist derzeit keine Rede, und der Vorstand setzt ihn unter Druck. Er wolle „kein Gerede" mehr, sondern Punkte, hat Wimmer gesagt. „Auch Funkel wird nur am Erfolg gemessen", betont Jarohs: „Der Trainer bleibt erstmal unumstritten." Erstmal unumstritten. Funkel weiß, wie er solche Sätze zu deuten hat.

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