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Skispringen : Hannawald stürzt und "springt um Gold"

  • Aktualisiert am

Sorgte für Schrecksekunde: Sven Hannawald Bild: ap

Im Probedurchgang noch gestürzt, absolvierte Sven Hannawald mit der zweitbesten Weite die Qualifikation für das Springen von der Großchance.

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          Erst stürzte Sven Hannawald bei dem Versuch, die Trainingsbestweite zu stehen, dann flog er in der Qualifikation nervenstark auf Rang zwei.

          Der Silbermedaillengewinner von der Normalschanze untermauerte vor 20.000 begeisterten Fans seine Goldambitionen für das olympische Großschanzenspringen am Mittwoch mit einem 122-Meter-Flug.

          "Harter Hund" gut gelaunt

          Mit 119,1 Punkten lag er 1,7 Zähler hinter Adam Malysz, der auf 123,5 Meter geflogen war. Der mit einem lädierten Knie belastete Martin Schmitt wird dagegen zum Problemfall. In der Qualifikation reichte es mit 113 Metern nur zu Position 28.

          „Ich bin halt ein harter Hund, der Sturz hat mich nicht beeinträchtigt“, erzählte ein gut gelaunter Hannawald, "Ich hatte noch ein bisschen das Krafttraining von gestern in den Knochen. Für den Wettbewerb bin ich sehr zuversichtlich.“

          Teamarzt gibt schnell Entwarnung

          Bei der Landung seines 123,5-m-Fluges im Training hatte „Hanni“ die Ski verkantet und rodelte auf seinem Hinterteil den Hang runter. Unten nahm ihn sofort Teamarzt Ernst Jakob in Empfang. „Alles okay, Sven ist halt sehr angespannt“, gab Jakob Entwarnung

          Dann stapfte der Sieger der Vierschanzentournee wieder an den Anlauf und flog trotz einer erneut wackligen Landung ebenso wie der Slowene Robert Kranjec auf Rang zwei. Michael Uhrmann aus Rastbüchl (119 Meter/111,2 Punkte) überzeugte als Elfter ebenfalls, der Oberhofer Stephan Hocke (113, 5/100,8) flog wie schon in der Qualifikation hinterher.

          "Sven springt um Gold"

          Trotz des glimpflich verlaufenen Sturzes ist Reinhard Heß von Hannawald überzeugt: „Ich habe noch kleine Fehler bei ihm gesehen, aber zweifellos springt Sven um Gold. Die Schanze liegt ihm.“ Selbst der sonst so zurückhaltende Bundestrainer glaubt, dass die einmalige deutsche Siegesserie auf der Großschanze halten könnte. Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften gewannen seine Flieger alle vier möglichen Goldmedaillen im Einzel und Team.

          Allerdings ist der an allen Titeln beteiligte Martin Schmitt nicht topfit und bekommt ständig „Ultraschall, Elektrotherapie und Massagen“(Jakob). „Ich wollte heute unbedingt springen, aber das Knie zwickt halt. Ich taste mich ran, obwohl eine Medaille ganz schwer wird. Aber Sven hat wirklich alle Chancen, er ist in einer Superform“, sagt Schmitt und reichte die Verantwortung an seinen Teamkollegen weiter.

          Druck von Hannawald nehmen

          Der will von Gold aber nicht reden und ist angeblich mit Podiumsplätzen zufrieden: „Für einen Sieg muss wirklich alles stimmen. Und die Rechnereien, dass ich nach Silber auf der Normalschanze eigentlich Gold auf der Großschanze gewinnen müsste, sind ohnehin Quatsch.“ Im Kampf um den ersten deutschen Einzel-Olympiasieg im Skispringen seit Jens Weißflog 1994 vertraut Hannawald auf sein bewährtes Material, mit dem er den historischen Tournee-Sieg und Olympiasilber schaffte.

          Heß versucht derweil, dem sensiblen Athleten den Druck zu nehmen: „Was jetzt kommt, ist Zubrot. Was Sven geleistet hat, schaffen andere in 70 Jahren nicht.“ Hannawald hat in diesem Winter als erster Skispringer der Geschichte alle vier Konkurrenzen bei der Vierschanzentournee gewonnen, ist zweimal Team-Weltmeister, amtierender Skiflug-Weltmeister und zweimal Olympiazweiter.

          Olympiagold würde seine Karriere genauso abrunden wie die von Schmitt. Der spekuliert wegen seines Wackelknies aber eher auf das Teamspringen am kommenden Montag auf der Großschanze: „Das dürfte mein Hauptwettkampf werden.“ Laut Dr. Jakob hat er „besonders in der Anfahrtposition und bei der Landung nach weiten Flügen Probleme“.

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