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Übertragung der Handball-WM : Zu teuer für die ganze Wahrheit

  • -Aktualisiert am

Im Fokus: Die deutschen Handball-Nationalspieler vor dem Testspiel gegen Österreich am Montag. Bild: dpa

Ein Sponsor überträgt die Handball-WM live im Internet. Interesse an einer kritischen Darstellung kann er nicht haben. Doch ist das bei für viel Geld eingekauftem Live-Sport im Fernsehen überhaupt anders?

          Ist das keine gute Nachricht? Die Spiele der deutschen Handball-Nationalmannschaft während der WM in Frankreich werden für den Zuschauer kostenlos übertragen. Vor zwei Jahren musste der Handball-Fan Kunde des Bezahlsenders Sky sein, wenn er die Würfe seiner Lieblinge verfolgen wollte. Insofern hat sich die Bildschirmpräsenz auf WM-Niveau entwickelt, vom Minderheiten- zu einem potentiellen Massenpublikum. Zehn Millionen und mehr Fans könnte eine erfolgreiche deutsche Equipe vor den Fernseh-Bildschirm locken, sagen wir im Halbfinale. Gut, dass die Handballfreunde zumindest im Internet teilhaben können am Live-Erlebnis dieses urdeutschen Spiels. Das ist ein Fortschritt.

          Trotzdem gibt es ein großes Gezeter. Weil das Turnier in Deutschland allein auf der Internetplattform der Deutschen Kredit Bank (DKB) zu sehen sein wird, dem Sponsor das Deutschen Handballbundes. Das Institut hat sich offenbar nicht danach gedrängt und füllt die entstandene Lücke erst im letzten Moment, weiß aber die Risiken und Vorteile der Selbstvermarktung wohl zu schätzen: Wer unter den Millionen Fans Handball (hoffentlich) der Extraklasse sehen möchte, muss heute also nicht mehr zu ARD und ZDF gehen, sondern zur Bank.

          Präsentation, Begleitung, Würdigung

          Dem Verband Deutscher Sportjournalisten ist das ein Dorn im Auge. Die Präsentation, Begleitung und Würdigung sollte schließlich Journalisten vorbehalten sein, Frauen und Männer, die den Sport um des Sports willen beobachten und eine WM entsprechend kompetent würdigen, als gute oder eben auch mal schlechte. Wie aber kann man diese Unabhängigkeit von einem Kommentator verlangen, dessen Auftraggeber – in diesem Fall – den Handball vor allem als Werbe-Instrument betrachtet und seine Investitionen intern so rechtfertigt?

          Ein Sponsor wie die DKB kann – bei allem Respekt – kein Interesse an einer kritischen Darstellung haben. Das wäre geschäftsschädigend. Der gute Rat des geschätzten Vizepräsidenten im Deutschen Handballbund, Hanning, Kritiker der DKB-Lösung mögen den Psychiater aufsuchen, erscheint etwas unüberlegt. Oder hat Hanning gleich das ganze Bild gesehen und auf die Doppelmoral angespielt? Haben denn Sportanbieter des Profi-Fernsehens, die irrsinnige Summen für den Fußball oder Formel-1-Rennen zahlen, eine von purem Journalismus durchsetzte Agenda?

          Erleben wir bei ARD, ZDF, RTL oder Sky eine tiefgreifende kritische Beleuchtung eines Sport-Produktes im Moment der Übertragung, wenn es für fette Einschaltquoten oder zur Gewinnmaximierung eingekauft wurde? Das einzuklagen ist genauso naiv wie die Forderung ehemaliger Handballstars, in Zukunft dürfte der „schnöde Mammon“ beim Rechteverkauf nicht mehr im Vordergrund stehen. Live-Sport im Fernsehen ist im Zweifel zu attraktiv und zu teuer für die ganze Wahrheit. Es gilt die Show-Devise: Immer lächeln.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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