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WM-Spiel vor der Absage : Spielen sie oder spielen sie nicht?

Vorfreude oder Angst vor der Infektion? Gemischte Gefühle bei Deutschlands Handball-Nationalmannschaft Bild: Reuters

Nach weiteren Coronafällen beim Gegner steht das nächste WM-Spiel der deutschen Handballer auf der Kippe. Es sei denn, Kap Verde treibt noch einen Spieler auf. Für eine gute Idee scheint das niemand zu halten.

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          Die Stimmungslage im deutschen Team war uneinheitlich. Am Freitagabend, nach dem lockeren 43:14-Auftaktsieg in die Handball-Weltmeisterschaft gegen Uruguay, hatte Johannes Bitter im Hinblick auf das zweite Gruppenspiel gegen Kap Verde an diesem Sonntag die Begriffe „fahrlässig“ und „verantwortungslos“ verwendet. Er hoffe, dass die Partie nicht stattfinden werde, sagte der Torhüter.

          Am Samstagmorgen behauptete Linksaußen Marcel Schiller bei der Videokonferenz des Deutschen Handballbundes (DHB): „Ich glaube, wir wollen alle spielen. Wir sind hier, um das Turnier so gut wie möglich zu gestalten.“

          Handball-WM 2021

          Nicht erst seit Samstag allerdings gestaltet sich diese WM ausgesprochen unvorteilhaft, jedenfalls was den Nachrichtenfluss und die entsprechende Lage zum Thema Corona angeht. Am Nachmittag meldete der Internationale Handballverband (IHF), dass zwei weitere Spieler der Kapverden positiv getestet worden seien – zusätzlich zu den sieben, die es vor der Abreise nach Ägypten erwischt hatte, und den vier, die nach der Ankunft hinzukamen.

          Weil das dezimierte Team des Inselstaats damit nurmehr aus neun Spielern besteht, wird mit einer Absage der Partie gegen Deutschland gerechnet; in diesem Falle würde das Spiel 10:0 für die DHB-Auswahl gewertet. Laut Reglement braucht es zehn Spieler. „Das Spiel ist kaum zu verwirklichen“, sagte Sportvorstand Axel Kromer. Zwar könnte Kap Verde auf Spieler aus dem erweiterten Kader zurückgreifen, diese müssten aber einen negativen PCR-Test vorweisen, der maximal 72 Stunden alt ist, und in Ägypten ein weiteres Mal negativ getestet werden.

          Für eine gute Idee scheint das niemand zu halten. „Momentan ist es eine klare Empfehlung an die Mannschaft, dass sie jetzt nicht irgendwelche Versuche machen sollten, die noch fehlenden Personen aus dem erweiterten Kader hierher zu holen“, sagte Kromer. Die Entscheidung über eine Absage soll an diesem Sonntag bei einem Treffen um 10 Uhr fallen.

          Laut IHF seien die beiden Spieler nach Angaben des Verbands von Kap Verde bereits Anfang Januar positiv getestet worden, vor dem Abflug nach Ägypten aber negativ. Sollten die jüngsten Tests falschpositiv sein, wäre es für das Spiel gegen Deutschland dennoch zu spät. Um wieder spielberechtigt zu sein, müssten sie zwei negative Testergebnisse mit einem Abstand von mindestens 48 Stunden vorweisen. So viel zum Reglement, das die IHF in ihrer Mitteilung detailliert beschrieb.

          Was sich darin nicht findet, ist eine Antwort auf die Frage, wie sich die ungarischen Spieler fühlen dürften, die am Freitagabend noch gegen Kap Verde antreten mussten (34:27). Im Übrigen waren die Spieler Kap Verdes am Freitag nach einer negativen Testrunde ins gemeinsame Teamhotel des Spielorts Gizeh eingezogen, in dem auch die deutsche Mannschaft residiert. Zuvor waren sie, auch auf Drängen des DHB, in ein anderes Hotel verwiesen worden. Immerhin: Begegnet sei man sich in der weitläufigen Anlage noch nicht, sagte Kromer.

          Handball-WM 2021

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