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Handball-Kommentar : Das Projekt Hipness

Bislang herrscht noch eher eine Klatschpappen-Atmosphäre, doch das soll sich nun ändern: Der deutsche Handball will wieder hip werden. Bild: dpa

Handball soll in Deutschland wieder cool werden, soll die Jugend begeistern. Die nun anstehende Weltmeisterschaft könnte dabei helfen. Doch dem Sport fehlt noch etwas, das keine Werbeagentur liefern kann.

          Diesmal soll es ein richtig großer Sprung werden. Über die Grenzen des Spielfelds, aus den Hallen hinaus – und mitten hinein in die Sport- und Konsumwelt der nächsten Generation, gerade in den Metropolen. Der deutsche Handball ist auf einer Mission bei dieser Weltmeisterschaft, die am Donnerstag mit dem Spiel der Nationalmannschaft gegen Korea beginnt. Und die lautet: hip werden. Nur wie?

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Am Befund lässt sich nichts deuteln: Der Fußball? Meilenweit entfernt, Galaxien sogar, wie das Bob Hanning sagt, der Anschieber und Macher des deutschen Handballs. Und dann? Kommt längst der Basketball mit seiner viel diverseren Kultur, einer Mischung aus Styles, hochattraktiv für ein junges Publikum, und zwar quer durch alle Schichten und Nationalitäten. Der dazu noch einen unschätzbaren Vorsprung hat, seine hohe Präsenz in der virtuellen Welt, dem Kosmos der E-Games, die man zwar nicht für Sport halten muss, für diesen aber bei der Bindung der nächsten Generation von gewaltiger Bedeutung ist.

          Der Handball, diese immer noch traditionell angehauchte, in der deutschen Regionalität verwurzelte Sportart, droht in den Mahlstrom zu geraten. Zumindest, wenn man im großen Maßstab denkt, so wie Hanning das tut. An vielen Standorten sieht alles ganz organisch und gesund aus. In Flensburg etwa kann man sich vor Nachwuchs kaum retten. In der Nische lebt der Handball gut.

          Das aber soll nun nicht mehr genügen, deshalb der Sprung in die Metropolen, die größten Städte und Arenen: Berlin, München, Köln, Hamburg. Deshalb auch ein fesches Design, für das die Spezialisten von Jung von Matt ins Boot geholt wurden. Man könnte fast sagen: Die Handballer, diese bisweilen urwüchsigen Kerle mit ihren Bärten, haben sich mit anderen Bärten zusammengetan – den smarten aus der Welt der Agenturen. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein, bislang jedenfalls verströmen die Länderspiele unter deutschen Dächern immer noch einen dröhnenden, eher monotonen Klatschpappen-Charme.

          Sicher ist: Die Arenen werden voll sein in diesem Januar. Fast im letzten Moment kam auch noch der Fernsehdeal mit den öffentlich-rechtlichen Sendern zustande, ein längerfristiger sogar, der dafür sorgen dürfte, dass Handball auch dann, wenn die WM vorbei ist, nicht von der Bildfläche verschwindet. Die Frage aber ist, ob damit mehr erreicht wird als ein gesetzteres Publikum.

          Was der Handball in jedem Fall braucht, ist noch etwas anderes: Das sind Erfolge und Typen, die den besonderen Thrill dieser Sportart, die einen packen kann wie kaum eine andere, verkörpern und nach außen tragen. Mag sein, dass diese Erkenntnis ebenfalls einen Bart hat, so war es schließlich schon anno 2007 beim WM-Gewinn, der dem Handball plötzlich Kult-Status bescherte. Am Mechanismus aber wird sich auch bei dieser WM 2.0 nichts geändert haben. Vermutlich hat er sich – so ist nun einmal das Gesetz der digitalen Aufmerksamkeit – sogar verschärft.

          Handball-WM 2019

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