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Deutschland in WM-Hauptrunde : Mit der Hilfe des achten Manns

Weltmeister! Im Februar 2007 stemmen Bundestrainer Heiner Brand (links) und seine Spieler in Köln die Trophäe. Bild: dpa

Zurück am Ort des WM-Triumphs von 2007: Die deutschen Handballer ziehen nach Köln um und freuen sich auf den achten Mann. Doch bei den anstehenden Hauptrunden-Spielen kommt es noch auf etwas anderes an.

  • -Aktualisiert am

          Die Erwartungen an die Leistung des achten Mannes sind schon formuliert. „Wir lassen uns in Köln einfach vom Publikum tragen“, hat Kapitän Uwe Gensheimer gesagt. Daraus spricht die Vorstellung, dass die 19.000 Fans dort noch mehr motivierenden Lärm machen werden als die 15.000 in Berlin. Ausdrücklich ist es erwünscht beim deutschen Handballteam und seinem Trainer Christian Prokop, die Unterstützung von den Rängen aufzunehmen und in eine breite Brust auf dem Feld umzuwandeln.

          Handball-WM 2019

          Neben einem kühlen Kopf (der gegen Russland und Frankreich fehlte) und dem richtigen Coaching von der Bank wird animierende Heimspiel-Atmosphäre auch nötig sein, um die nächsten drei Spiele zu gewinnen. Dass das neben der sport-typischen Überhöhung des jeweils nächsten Gegners ein schwieriges Unterfangen wird, war Prokop noch am Donnerstagabend nach dem abschließenden 31:23 gegen Serbien in Berlin anzumerken. Vorrunde mit acht Punkten als ungeschlagener Gruppenzweiter hinter Frankreich beendet, drei Punkte mitgenommen in die Hauptrunde nach Köln – schnell wandte sich Prokop den nächsten Gegnern zu.

          Es beginnt an diesem Samstag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und in der ARD) mit dem Spiel gegen Island. Die gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern hob Prokop beim Gegner hervor; er nannte natürlich Anführer Aron Palmarsson vom FC Barcelona, bis Sommer 2015 beim THW Kiel am Ball. Trainer Gudmundur Gudmundsson, bekannt aus seiner Zeit bei den Rhein-Neckar Löwen und als Coach der Dänen beim Gewinn der Goldmedaille in Rio 2014, setzt Palmarsson als Halbrechten ein, nicht als Spielmacher. Die Regie vertraut er sehr jungen Spielern an. Einer von ihnen, Haukur Thrastarson, ist erst 17 Jahre alt.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          „Jung“ war auch ein Wort, das Prokop zu den Isländern einfiel. Im Sinne von: Sie laufen viel. Tatsächlich ist das Tempospiel nach Ballgewinnen ihre Waffe, wobei die Deutschen selbst austrainiert wirken, und die Isländer in ihrer Vorrundengruppe mit Niederlagen gegen Spanien und Kroatien nicht besonders furchteinflößend auftraten. Seit dem dritten Platz bei der EM 2010 haben die Isländer nicht mehr viel gerissen und sind auch deshalb im Neuaufbau. In München waren es mühsame Pflichtsiege gegen Bahrein und Japan, ehe sie in ihrem kleinen Gruppenfinale Mazedonien schlugen.

          Abschied aus Berlin: Die deutsche Mannschaft freut sich bei der Handball-WM nach Super-Stimmung in der Vorrunde auf den Spielort Köln.

          Island in der Hauptrunde – das erinnert manchen unweigerlich an 2007. Damals schlossen die späteren Weltmeister die Phase vor den K.o.-Spielen mit einem 33:28 gegen die Männer von der Vulkaninsel ab. Die Partien gegen Slowenien, Tunesien, Frankreich und eben Island in Halle/Westfalen und Dortmund setzten die Deutschen unter Heiner Brand seinerzeit erst aufs rechte Gleis. Mit einem ganz anderen Gefühl als jetzt waren sie in die zweite Runde der Heim-WM gestartet, denn die Last des 25:27 aus der Vorrunde gegen Polen wurde als schwer empfunden. Dann aber befreite sich Deutschland am 24. Januar 2007 durch ein 35:29 gegen Slowenien mit neun Treffern von Pascal Hens; der Protest der slowenischen Seite gegen einseitige Pfiffe der Schiedsrichter verhallte.

          Brands Team war jetzt im Tunnel. Sieben Tore warfen Hens und Christian Zeitz beim folgenden 35:28 gegen Tunesien. Zwei Tage später folgte die Gala des Torwarts Henning Fritz – 29:26 gegen Frankreich. Michael Kraus schlüpfte für den verletzten Markus Baur in die Rolle des Spielmachers und warf zudem sieben Tore. Durch den Sieg gegen die Isländer holten sich die Deutschen den letzten Schliff für das Viertelfinale gegen Spanien. Alles eitel Sonnenschein also damals? Nicht ganz. Abwehrmann Oliver Roggisch, die deutsche Dichtung neben dem reaktivierten Christian Schwarzer, foulte zu viel und zu offensichtlich, war oft schnell mit zwei Zwei-Minuten-Strafen vorbelastet. Brand forderte mehr Cleverness. Wenn Deutschland jetzt in Köln wieder bei einer Heim-WM antritt, kann Roggisch als Teammanager daran erinnern, wie die letzten drei Partien der DHB-Auswahl vor zwölf Jahren verliefen. Siege gegen Spanien, Frankreich und Polen vor enthemmtem Publikum: Deutschland war Weltmeister.

          Island, Kroatien und Spanien heißen nun die Gegner. Gerade was Cleverness und Konzentration angeht, werden Kroaten und Spanier Prokops Team einem extremen Belastungstest unterziehen. Mit beiden Teams hatten die Deutschen in den vergangenen 15 Jahren ihre Schwierigkeiten. Die Kroaten mit balkanischer Gewitztheit und traditionell guten Torhütern, die Spanier mit sehr viel Härte, gutem Kreisspiel und langen Angriffszügen: Deutschland wird das benötigen, was Prokop angesprochen hat: „Wir brauchen einen guten Mix aus Leuten, die emotional pushen und welchen, die kühlen Kopf bewahren. Da haben wir eine gute Mischung.“ Wirklich? Man wird sehen. Aller Voraussicht nach wird das DHB-Team drei Siege oder wenigstens fünf Punkte benötigen, um ins heiß ersehnte Halbfinale von Herning am 25. Januar zu kommen.

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