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Deutsches Handball-WM-Aus : Nicht schon bis 2024 schauen

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Bundestrainer Alfred Gislason soll auf dem deutschen Handball-Team einen Champion formen. Bild: EPA

Wenn im Handball Titel vergeben werden, schauen die Deutschen wie auch in diesem Jahr zu. Das ist seit dem EM-Sieg 2016 so. Es ist am Bundestrainer, aus dem Team einen Champion zu formen. Dabei hilft es, im Hier und Jetzt zu bleiben.

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          Am Verhandlungstisch hat die aktuelle Führung des Deutschen Handballbundes (DHB) um Präsident Andreas Michelmann ihre Stärken: WM 2019, EM 2024, WM 2027 – alles in Deutschland. Nicht umsonst hat der DHB die laufende Dekade zum „Jahrzehnt des Handballs“ ausgerufen. Schade nur, dass die Turnier-Offensive nicht von Erfolgen auf der Platte untermauert ist. Auch bei der Weltmeisterschaft in Ägypten hält der Trend an, dass die Deutschen nur zuschauen, wenn der Titel vergeben wird. Das ist seit dem EM-Triumph 2016 so.

          Handball-WM 2021

          Der Verband hat den Spielern einen Rahmen verschafft, der stimmungsvolle Höhepunkte in heimischen Hallen alle paar Jahre verspricht. Zudem sollen oder sollten Teams entstehen, die getragen vom Heimvorteil aussichtsreich um den Titel kämpfen. Doch organisches Wachstum im Profisport ist schwierig bis unmöglich. Wer darauf wartet, dass irgendwann das perfekte Team gewachsen ist, kommt nie ans Ziel – Verletzungen oder Unvorhergesehenes wie jetzt die Corona-Pandemie erschweren jede noch so detaillierte Planung.

          Es scheint eine typisch deutsche Denke zu sein, die aktuelle Qualität mit der fehlenden, aber doch vorhandenen zu addieren und daraus für kommende Veranstaltungen Großes abzuleiten. Im laufenden Turnier geht das so: Die ganz gute Offensive ergänzt um die daheimgebliebenen Innenblocker Pekeler und Wiencek gleich freie Fahrt in die Medaillenspiele.

          Solche Gedankenspiele sind naheliegend, gerade für den Bundestrainer. Sie verschleiern aber auch die nächste verpasste Chance. Denn im Kern scheitert Deutschland seit 2017 an zwei Dingen: fehlender Cleverness, mangelnder Qualität in engen Situationen, die den Handball ausmachen. Die individuelle Überlegenheit der anderen ist nicht auf Dauer durch Teamgeist und Motivation wettzumachen.

          Es gibt ein Grundinteresse am Handball, das jedes Jahr im Januar Millionen von Fernsehzuschauern einschalten lässt. Das hilft dem Verband bei der Vermarktung enorm. Doch eingefleischte Fans und Gelegenheits-Anhänger, die vor allem den Nervenkitzel der letzten Sekunden lieben, erleben seit Jahren eine Nationalmannschaft, die aus den immer gleichen Gründen Medaillen verpasst. Es ist an Bundestrainer Gislason, aus dem nach der WM wieder breiter werdenden Kader mit mehr Trainingszeit einen möglichen Champion zu machen. Dabei hilft es, im Hier und Jetzt zu bleiben – und nicht bis 2024 zu schauen.

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