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Handballer im WM-Modus : Ochsen im Tunnel

  • -Aktualisiert am

Torwart Andreas Wolff (r) und Hendrik Pekeler: Stützen der deutschen Ochsen-Abwehr Bild: dpa

Arbeiten, während fast alle anderen freihaben – die deutschen Handballer bereiten sich zwischen den Jahren auf die WM vor. Die Meisten machen das gerne – denn sie haben Großes vor.

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          Eine geballte Ladung Vorfreude sprach aus Andreas Wolff. „Die Bundesliga ist erstmal abgehakt, ich bin topfit und kann jetzt voll in den WM-Modus umschalten“, sagte der Torwart des THW Kiel nach dem 31:28-Sieg seiner Mannschaft gegen die Rhein-Neckar Löwen. Er selbst hatte nur einen kleinen Anteil an diesem 19. Erfolg nacheinander, nimmt man Bundesliga, DHB-Pokal und EHF-Cup zusammen: Genau einmal durfte der Keeper ins Gehäuse und wehrte mit der linken Hand einen Siebenmeter ab. Ein Urschrei folgte auf diese Parade – der 198 Zentimeter lange Torwart mit dem rötlichen Rauschebart lässt seinen Emotionen gern freien Lauf.

          Selten darf er das beim THW Kiel tun; auch deswegen wird der gebürtige Euskirchener den deutschen Handball-Rekordmeister nach dann drei Jahren Richtung Kielce verlassen. Trainer-Urgestein Alfred Gislason setzt auf den ruhigen Dänen Niklas Landin. Wolff war trotz seines Sekundeneinsatzes wegen der bevorstehenden Weltmeisterschaft bester Laune. Der Torwart, dessen Stern beim EM-Triumph der Deutschen in Polen vor knapp drei Jahren aufging, setzt sich höchste Ziele und will erst Weltmeister und dann deutscher Meister werden.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Mit den letzten Spielen der Liga am Tag nach Weihnachten war das Bundesliga-Kapitel 2018 abgeschlossen. Die deutschen Nationalspieler der Rhein-Neckar Löwen, Patrick Groetzki, Jannik Kohlbacher und Steffen Fäth, steuerten ein Hamburger Hotel an, ehe es am Freitagmorgen nach Barsinghausen ging. Dort trafen sie Wolff, Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler vom THW wieder. In Niedersachsen hat Bundestrainer Christian Prokop seine Nationalspieler zu einem Kurzlehrgang bis Sonntag versammelt.

          Arbeiten, während fast alle anderen freihaben – dem konnte Rechtsaußen Groetzki wenig abgewinnen: „Es ist schon hart und bitter, wie gedrängt die Termine jetzt kommen. Aber ich freue mich trotzdem auf die Nationalmannschaft.“

          Nach kurzer Silvesterpause treffen sich die DHB-Elitespieler gleich im neuen Jahr wieder, weil in Hamburg ein Medientag am 3. Januar ansteht und dann Testspiele gegen Tschechien in Hannover am Freitag und gegen Argentinien in Kiel am Sonntag folgen. Von jetzt an gilt, was die Vereinstrainer Alfred Gislason (Kiel) und Nikolaj Jacobsen (Löwen) beinahe wortgleich sagten: „Hoffentlich bekommen wir alle Spieler unverletzt von der WM zurück.“ Allzu oft schon sind Meisterschaften entschieden worden, weil die Klubs ihre Profis nach der harten Belastung einer WM oder EM mit Spielen an jedem zweiten Tag malad begrüßten.

          Gibt die Richtung vor: Bundestrainer Prokop

          Die Kieler wie Pekeler schoben das Thema Überbelastung und die Facette, die eigene Familie an Feiertagen kaum zu sehen, zur Seite und ließen Vorfreude auf die Handballmesse in Deutschland und Dänemark zu. „Für mich geht jetzt die unmittelbare Vorbereitung los. Ich freue mich riesig auf das Turnier, und wir wollen jetzt einen Tunnelblick entwickeln“, sagte Pekeler, der neben seinem Teamkollegen Wiencek und mit Finn Lemke aus Melsungen die „Ochsenabwehr“ bilden soll, die Deutschland tragen soll.

          Der Kieler Defensivblock plus Lemke ist Prokops Maschinenraum. Aus einer starken Abwehr heraus soll das Nationalteam sein variables Spiel aufziehen. Dass Wolff in Kiel keine Rolle spielte, dürfte für seine Einsätze im Nationaltrikot unerheblich sein. Prokop hat ihn zur Nummer eins im deutschen Tor erkoren. Seine mutigen, offensiven Sätze zum bevorstehenden großen Turnier lassen darauf schließen, dass Wolff den Bundestrainer nicht enttäuschen will. Es tut ihm gut, so viel Vertrauen zu bekommen.

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