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Spiel gegen Kap Verde abgesagt : Handball-WM in der Grauzone

Bereits in der zweiten Turnierphase: Uwe Gensheimer und die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der WM in Ägypten Bild: dpa

Das zweite deutsche WM-Spiel wird abgesagt. Der Gegner Kap Verde hat nach mehreren Coronafällen nicht mehr genügend Spieler zur Verfügung. Das Turnier bleibt auf Kante genäht – und muss weiter gehen.

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          Statt gegen Kap Verde um Weltmeisterschaftspunkte zu spielen, wurde für Sonntagabend, 18.00 Uhr, ein Training angesetzt. Am geordneten Tagesablauf sollte sich für die deutschen Nationalspieler nichts ändern. Inwieweit sich das für die Gefühlslage bei der Delegation des Deutschen Handballbundes (DHB) sagen ließ, ist eine andere Frage. Für den Augenblick wurden aus Ägypten Botschaften des Aufatmens transportiert, nachdem feststand, dass die Partie infolge der Corona-Fälle beim Gegner abgesagt worden war.

          Handball-WM 2021

          „Wir waren ein Stück weit erleichtert“, sagte Kapitän Uwe Gensheimer. DHB-Vizepräsident Bob Hanning nannte es die „einzig richtige Entscheidung, um Druck aus der Situation zu nehmen“. Sportvorstand Axel Kromer zeigte sich „froh“, dass nun Ruhe und Klarheit eingekehrt seien. Zur Gesamtsituation fügte Kromer hinzu: „Man wird immer eine Grauzone haben, wo man sagt, das Risiko ist so größer oder kleiner.“ Sicher könne man sagen, dass das Risiko so „ganz klar kleiner ist, als wenn wir gegen Kap Verde gespielt hätten“.

          Das Spielfeld dieser WM ist in Sachen Corona weiterhin der Graubereich. Daran änderte auch die säuberliche Abarbeitung des eigenen Corona-Protokolls durch den Internationalen Handballverband (IHF) nichts. Der legte am Sonntagmittag in einer Schrittfolge dar, wie in der Causa Kap Verde verfahren worden sei. Erstens seien zwei positiv getestete Spieler nicht spielberechtigt. Zweitens benötige es ein Minimum von zehn Spielern, um antreten zu können.

          Drittens seien bei Kap Verde nun nur noch neun Spieler verfügbar, auch wenn einer der positiv getesteten nun ein negatives Resultat vorweisen könne – um wieder eingreifen zu dürfen, brauchte er einen zweiten negativen Test mit einem Abstand von 48 Stunden. Viertens werde das Spiel deshalb mit 10:0 für die DHB-Auswahl gewertet, was sie nach dem 43:14 am Freitag gegen Uruguay schon in die Hauptrunde beförderte. Die Möglichkeit, dass Kap Verde rechtzeitig zu Sonntagabend Spieler aus dem erweiterten Kader einfliegen lässt, musste nicht mehr behandelt werden, weil der Verband des Inselstaats von sich aus darauf verzichtet hatte.

          Keine Garantien

          Gepasst allerdings hätte eine solche Last-Minute-Aktion schon zu dieser WM, bei der einiges auf Kante genäht ist, um die Austragung inmitten der Pandemie möglich zu machen, irgendwie. Ein negativer Test eines Nachrückers vor der Abreise, einer bei der Ankunft in Ägypten, schwupps wäre der Weg in die Blase frei, was nun eben zum finalen Gruppenspiel am Dienstag gegen Uruguay passieren soll. Ein Sieg Kap Verdes, und die Mannschaft stünde ebenfalls in der Hauptrunde – nach einem größeren Corona-Ausbruch vorher und erst vier und dann noch einmal zwei positiven Tests in Ägypten selbst. Zur Frage, ob da nicht ein Ausschluss geboten gewesen wäre, sagte DHB-Vorstand Kromer, dass zwar gefühlsmäßig einiges dafür spreche. Aber: „Wir haben ein Reglement. Und wenn da drin steht, dass diese Möglichkeiten bestehen, muss man das Reglement erst einmal einhalten.“

          Ob sich auch das Virus derart reglementieren lässt? Das Team Kap Verdes hatte schließlich am Freitag gegen Ungarn antreten dürfen, die jüngsten beiden Positivtests wurden erst danach bekannt. Was das für das Infektionsrisiko bedeutet, ist eine Frage, für die sich zuerst die Ungarn, aber auch die Deutschen interessiert haben dürften, die am Dienstag gegen Ungarn spielen. Kromer gab diesbezüglich Entwarnung. Die CT-Werte der positiv getesteten Spieler seien „so hoch gewesen, dass wir eigentlich keine Angst haben mussten vor einer Infektion“, und auch die Ungarn könnten sich „sehr sicher fühlen, sich nicht infiziert zu haben“.

          Der CT-Wert ist ein Indikator für die Viruslast des Infizierten und damit auch für dessen Infektiosität. Eine Garantie aber ist das nicht, das liegt in der Natur der Sache, also des Virus, und am konkreten Testprozess. Schwer vorstellbar, dass ein Gesundheitsamt hierzulande das Team Kap Verdes und wohl auch Ungarns nicht unter Quarantäne gestellt hätte.

          Beim deutschen Team richtete sich der Blick unterdessen nach vorn. Mit Blick auf Kap Verde sagte Johannes Bitter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Das fand ich von Anfang an schwierig, dass die hier anreisen durften, nach der Historie.“ Aber so seien die Regularien gewesen, und nun hätten diese ja für die Absage gesorgt: „Von daher greift das.“ Zum uneinheitlichen Bild, das die Deutschen vor der Absage abgegeben hatten, sagte Bitter: „Alle hatten Sorgen“, der eine habe es vielleicht „ein bisschen anders ausgedrückt“ als der andere, mancher habe sich vielleicht auch „nicht getraut, alles zu sagen“, aber: „Ich glaube schon, dass wir in der Mannschaft eine ziemlich eindeutige, klare, einheitliche Meinung dazu haben, wie das Ganze richtigerweise vonstattengeht.“ Was einerseits bedeutet: „Gut, dass das abgesagt wurde.“ Ansonsten aber, auch wenn Bitter das so nicht sagte: Weiter im Plan.

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