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Qatars „Vision 2030“ : Die Supermacht des Weltsports

Diese drei Zuschauer freuen sich über die neue Sportmacht Qatar Bild: Picture-Alliance

Hunderte eingeladene Journalisten und Fans, eingekaufte Spieler: Qatar definiert nicht nur bei der Handball-WM die Supermoderne des Sports neu. Doch das soll noch längst nicht alles gewesen sein.

          Das Interesse der Menschen in Qatar für die Vielfalt des Sports hält nicht immer Schritt mit den ehrgeizigen Plänen des Emirats. Da haben sie jetzt zwar einen riesigen Handball-Tempel in die Wüste gesetzt, haben nach Zahlen der Schweizer „NZZ“ gemeinsam mit dem Weltverband IHF 680 Journalisten nach Doha eingeladen, doch die Resonanz der Handball-Weltmeisterschaft lässt bisher zu Wünschen übrig.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In dieser Sache hilft auch keine halbe Hundertschaft eingefleischter Handball-Fans weiter, die auf Staatskosten eingeflogen wurden, um das Team Qatars lautstark von der Tribüne zu unterstützen. So hat nun die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Innenministeriums in Rund-Mails Schüler, Studenten, Staatsbedienstete und Angestellte von Firmen, Arbeiter dazu aufgefordert, die eigene Mannschaft in diesem Turnier zu unterstützen – und das selbstverständlich bei freiem Eintritt.

          Zuschauer hin oder her: Dass das Handball-Team Qatars an diesem Mittwoch gegen Deutschland um die Teilnahme am WM-Halbfinale (16.30 Uhr / Live bei Sky und im Handball-WM-Ticker bei FAZ.NET) spielt, nimmt das Emirat in diesen Tagen gerne zur Bestätigung seiner Ambitionen wahr – als neue Supermacht des Weltsports.

          Scheich Saoud aus dem Herrscher-Clan der Al Thanis, Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees, sprach am Montag wieder einmal über die Möglichkeit einer Olympiabewerbung Dohas für das Jahr 2024 und kündigte an, dass Qatar als Ausrichter die jährliche Zahl sportlicher Großveranstaltungen und internationaler Meisterschaften von derzeit 43 weiter erhöhen wird. „Wir wollen mehr“, sagte Saoud bin Abdulrahman Al Thani.

          Milliarden hat Qatar schon in den Sport investiert

          Milliarden schon hat das Mini-Emirat am Persischen Golf in den Sport investiert. Es war Gastgeber der Asienspiele mit mehr als 10.000 Sportlern, empfängt regelmäßig die besten Golfer und Tennisspieler der Welt. Aber vor allem sicherte sich Qatar in einer einzigartigen sportpolitischen Übernahmeschlacht gegen arrivierte Sportnationen Rechte an Weltmeisterschaften im Schwimmen (2014), Handball, Boxen (beide 2015), Radsport (2016), Turnen (2018) und auch in der Leichtathletik (2019).

          Getoppt wird diese gigantische Veranstaltungsoffensive von der Ausrichtung der umstrittenen Fußball-WM im Jahr 2022, für die aufgrund der unzumutbaren Temperaturen im Sommer noch ein Ausweichtermin gefunden werden muss. Wie bedingungslos die Qatarer ihren Aufstieg zu einer Sportmacht vorantreiben, lässt sich auch am Beispiel der sogenannten Aspire Zone etwas außerhalb Dohas aufzeigen. Es ist eine Sportstadt, die im Zuge der Asienspiele 2006 hochgezogen wurde. Auf 2,5 Quadratkilometern liegen dort die feinsten Sportanlagen, arbeiten Trainer, Sportwissenschaftler, Sportmediziner, Physiotherapeuten, Spitzensportplaner und Sportmanager aus aller Welt; insgesamt etwa 2000 Mitarbeiter.

          Herz des qatarischen Sports: Das Aspire-Zentrum aus der Luft betrachtet. Bilderstrecke

          Experten und Knowhow haben die Qatarer meist von außen eingekauft. Auch deutsche Spezialisten gehören dazu. Auf den Rasenplätzen der Aspire-Akademie trainierten in der Winterpause auch der FC Bayern und Schalke 04. Ein Hotel-Wolkenkratzer in Form einer 300 Meter hohen Fackel überragt alles. Auf die Frage nach Kosten und Budgets gibt es bei Aspire nur Schulterzucken. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von rund 100.000 Dollar ist Qatar mit seinen Gasfeldern das reichste Land der Welt.

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