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Fazit der Handball-WM : Große Töne – schmale Ergebnisse

Abgeschlagen und enttäuscht: Die deutschen Handballer liefern kein gutes Bild ab bei der WM in Ägypten. Bild: dpa

Der Verband hatte diese WM unter schwierigen Umständen unbedingt gewollt. Am Ende der zwei Wochen in Ägypten aber hat das Bild des deutschen Handballs mehr als nur ein paar Kratzer abbekommen.

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          Ob es der Schrecken war, der Alfred Gislason in die Glieder gefahren ist, oder ob der Bundestrainer den Gedanken schon länger hegte. Den Abschied von der Weltmeisterschaft in Ägypten verband er mit einer eindringlichen Forderung für die nähere Zukunft. Er brauche mehr Zeit, um das Team auf die Olympiaqualifikation vorzubereiten – eine Aussage, die in einem krassen Kontrast stand zu jenen markigen Tönen, mit denen die Verantwortlichen des Deutschen Handballbundes (DHB) in den vergangenen Tagen über den Griff nach Gold gesprochen haben.

          Handball-WM 2021

          Nach dem weitgehend desolaten 23:23 gegen Polen muss man erst einmal festhalten: Die Fallhöhe haben sie damit noch mal ein gutes Stück nach oben gesetzt. Im März, wenn es in Berlin gegen Schweden, Slowenien und Algerien um zwei Tickets für Tokio geht, steht für den deutschen Handball so viel auf dem Spiel wie seit Jahren nicht. Misslingt der Start ins „goldene Jahrzehnt“, das der Verband ausgerufen hat, stehen die Handballer womöglich zunächst nicht mehr als die wahren Lieblinge der Sportnation da, als die sie sich gern sehen, sondern als jene, die niemand bewundert: notorische Verlierer.

          Diese Gefahr sieht man beim Verband auch nach den Enttäuschungen der vergangenen Jahre, das erklärt teilweise die rhetorische Flucht nach vorn. Umso schmerzhafter war es, dass die Mannschaft gegen Polen diesen Ausblick nicht ansatzweise mit Taten unterfütterte – auch so verspielt man seinen guten Ruf.

          Was von diesem Turnier hängenbleibt, sind nicht die Fortschritte im Angriffsspiel oder 15 starke Minuten gegen den einzigen Gegner von Format, Spanien, sondern Platz zwölf und das schlechteste Abschneiden eines DHB-Teams in der WM-Geschichte. Gislason, der neue Bundestrainer, wirkte am Ende dieser WM nicht wie der Magier, der im Handumdrehen Champions formt, sondern wie ein Handwerker, der erkennt, dass er noch eine Menge Arbeit vor sich hat.

          Der DHB hatte diese WM unter schwierigen Umständen unbedingt gewollt, letztlich waren auch die meisten Spieler für eine Teilnahme. Wenn man mit Funktionären und Akteuren sprach, gab es zwar durchaus ein Bewusstsein für die Probleme und Risiken angesichts der Corona-Situation, am Ende aber hieß es immer: Wir müssen spielen – für den Handball. Das klang nobel, war aber auch von ganz handfesten Eigeninteressen geleitet.

          Im Falle des Verbands spielte die Sorge um die Position im Welthandball mit all den schönen Turnieren, die nach Deutschland kommen sollen, eine Rolle; im Falle der Spieler die Hoffnung auf das persönliche Olympiaticket. Beides war größer als die Angst vor dem Virus, auch wenn es beim Blick auf die Weltlage hier wie da ganz schön viel Verdrängung brauchte, um das so zu sehen.

          Am Ende der zwei Wochen in Ägypten darf die DHB-Delegation zwar froh sein, von Corona verschont geblieben zu sein, soweit man das schon sagen kann. Dafür aber hat das Bild des deutschen Handballs mehr als nur ein paar Kratzer abbekommen. Das wiederum lag nicht nur am letzten Eindruck. Es begann mit den unseligen Aussagen von Torwart Wolff und Verbandschef Michelmann, die jene Spieler, die auch wegen Corona absagten, in die Nähe von Softies und Drückebergern rückten. Und es endete mit einer Großspurigkeit, die nicht zu den schmalen Ergebnissen passte.

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