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Handball-WM : Deutschland muss ins Endspiel um Olympia

Bild des Jammers: Auch Torhüter Silvio Heinevetter kann die Niederlage gegen Kroatien nicht verkraften Bild: dpa

23:28 gegen Kroatien: Bei der Handball-WM reißt der deutschen Nationalmannschaft der Faden. Nun kommt es zum Endspiel in Sachen Olympia. Gegner beim Showdown am Samstag ist Slowenien.

          2 Min.

          Der Showdown für Deutschland findet an diesem Samstag (14.30 Uhr / Live bei Sky und im Handball-WM-Ticker bei FAZ.NET) statt. Die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson steht dann bei der Weltmeisterschaft in Qatar vor einem Endspiel in Sachen Olympia. Die Deutschen verpassten am Freitag durch eine 23:28-Niederlage gegen Kroatien erst einmal die Möglichkeit, sich die Zulassung zu einem Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2016 in Rio zu ergattern. Sie kämpfen jetzt im zweiten Spiel der Plazierungsrunde gegen Slowenien, das Dänemark am Freitag 33:36 unterlag, um den siebten Platz, mit dem sie ihr Ziel noch realisieren könnten. Als Achter würde Deutschland zumindest vorläufig nicht bei einem olympischen Ausscheidungswettbewerb dabei sein.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Die Deutschen waren den Kroaten am Freitag in Doha letztlich klar unterlegen. Die Anfangsphase hatte zwar noch zu Hoffnungen Anlass gegeben, danach aber zeigten die Deutschen keine spielerische Linie. „Plötzlich ist der Faden gerissen“, klagte Michael Kraus. Der Präsident des Deutschen Handball-Bundes, Bernhard Bauer, sagte zu dem herben Rückschlag trotzig: „Wir müssen jetzt alles in die Waagschale werfen, dann schaffen wir es auch.“ Uwe Gensheimer und Jens Schöngarth erzielten am Freitag jeweils sechs Tore; sie waren damit die besten Werfer im Team von Sigurdsson.

          Ausgebremst: Die Kroaten stoppen Martin Strobel und Co.
          Ausgebremst: Die Kroaten stoppen Martin Strobel und Co. : Bild: dpa

          Die Deutschen sitzen also weiter im „Boot der Enttäuschten“. So hatte jedenfalls Sigurdsson die Lage bereits nach dem Scheitern im Viertelfinale bezeichnet. Aber es galt auch, sich schnell wieder zu sammeln für den Schlussakt in Qatar, der ebenfalls noch von großer Bedeutung für den deutschen Handball ist – das klappte jedoch bei weitem nicht so, wie Sigurdsson sich das vorgestellt hatte. Der Isländer musste, weil Steffen Weinhold sich gegen die Qatarer eine Oberschenkelblessur zugezogen hatte, den Rückraum neu besetzen. So beorderte er Schöngarth in die Anfangsformation. Schöngarth, 2,03 Meter groß, kam allerdings auf der rechten Seite zunächst nicht wie gewünscht zum Zuge.

          Die Deutschen waren nach einem vielversprechenden Beginn mehr und mehr ins Hintertreffen geraten. In der Offensive unterliefen ihnen wie gegen Qatar etliche Fehler, sie gingen nicht schwungvoll und nicht präzise genug zu Werke. Schöngarth, der zwischenzeitlich von Michael Müller abgelöst wurde, hatte ebenso seine Mühe wie der junge Berliner Paul Drux im linken Rückraum. Da der Angriff nicht genügend Druck entwickelte, schickte Sigurdsson den Göppinger Kraus anstelle von Martin Strobel als Spielgestalter auf das Feld.

          Doch das deutsche Spiel blieb holprig. Weil sich Torhüter Silvio Heinevetter den Kroaten mit einigen Paraden entgegenstemmte, hielt der Rückstand der Deutschen sich jedoch in Grenzen. Heinevetter wehrte auch einen Siebenmeter ab. Auf der Rechtsaußenposition musste Patrick Groetzki für Johannes Sellin weichen, da es auch dem Mannheimer an Treffsicherheit mangelte. Sellin trug mit zwei Toren dazu bei, dass Kroatien nach den ersten 30 Minuten „nur“ 13:11 führte.

          Harter Kampf: Kroatien ist etwas geschickter
          Harter Kampf: Kroatien ist etwas geschickter : Bild: dpa

          Die Deutschen vergaben allerdings, grundsätzlich, wie im Viertelfinale eine Reihe von Chancen. Das traf auch auf Kreisläufer Patrick Wiencek zu, der etwa nach einem Zuspiel von Schöngarth an dem kroatischen Tormann Mirko Alilovic scheiterte. Kurz danach gelang Kapitän Gensheimer mit einem Strafwurf der Anschluss zum 12:13, Sellin glich wenig später sogar aus. Doch das stabilisierte das deutsche Spiel keineswegs. Sigurdssons Team ermöglichte den Kroaten durch Patzer in der Vorwärtsbewegung immer wieder Gegenstöße. Die Schwächen der Deutschen wirkten sich prompt auch auf den Spielstand aus – Kroatien zog auf 19:14 davon.

          Sigurdsson versuchte sein Glück nun teilweise mit sieben Feldspielern. Strobel kam dabei mit einem grünen Trikot zum Einsatz, Heinevetter verließ das Parkett. Der Bundestrainer bot Kraus außerdem im linken Rückraum auf; der Schwabe kommt eigentlich auf dieser Position gut zurecht. Doch alle Bemühungen blieben wirkungslos. Deutschland war nicht in der Lage, dem Widersacher Paroli zu bieten. Das große Bangen geht weiter in Qatar.

          Kroatien - Deutschland 28:23 (13:11)

          Kroatien: Ivic, Alilovic - Duvnjak 3, Stepancic 1, Kopljar 3, Vori 2, Gojun, Horvat 1, Karacic 1, Bicanic, Strlek 8, Cupic 5/3, Musa, Nincevic, Sliskovic 4, Brozovic
          Deutschland: Heinevetter (Füchse Berlin), Lichtlein (VfL Gummersbach) - Kneer (Rhein-Neckar Löwen), Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen) 6/3, Sellin (MT Melsungen) 3, Wiencek (THW Kiel) 2, Pekeler (TBV Lemgo) 1, Groetzki (Rhein-Neckar Löwen) 1, Weinhold (THW Kiel), Strobel (HBW Balingen-Weilstetten) 1, Schmidt (TSG Friesenheim), Kraus (Frisch Auf Göppingen) 1, Michael Müller (MT Melsungen), Schöngarth (TuS N-Lübbecke) 6, Musche (SC Magdeburg) 2, Drux (Füchse Berlin)
          Zuschauer: 1200 –
          Schiedsrichter: Ramirez/Lopez (Spanien)
          Strafminuten: 4 / 4 Disqualifikationen: - / -

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