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Handball-WM : Kroatiens Wut auf die Schiedsrichter

Wütend auf den Schiedsrichter: Kroatiens Trainer Lino Cervar Bild: dpa

Deutschland spielt ohnehin dank des Publikums in der Kölner Halle quasi zu acht bei der Handball-WM: Die Kroaten monieren nach der 21:22-Niederlage, dass zudem die Schiedsrichter geholfen hätten.

  • Aktualisiert am

          Der Ärger der kroatischen Handballer über den WM-K.o. gegen Gastgeber Deutschland war auch am Dienstag noch groß. „Die Schiedsrichter haben sich nicht fair verhalten“, hatte Trainer Lino Cervar schon in der Nacht nach dem 21:22 gegen die DHB-Auswahl gewütet. „In 45 Jahren Trainertätigkeit habe ich so etwas noch nicht erlebt. Der olympische Gedanke wurde beschmutzt.“ Sein Team habe nicht die gleichen Rechte wie die deutsche Mannschaft gehabt.

          Handball-WM 2019

          Der Weltverband IHF ignorierte die Worte Cervars und veröffentlichte von der Pressekonferenz nach dem Spiel lediglich die Statements von Bundestrainer Christian Prokop, Rückraumspieler Steffen Weinhold und Kroatiens Spieler Zlatko Horvat. Die Tageszeitung „Jutarnji“ giftete am Dienstag in einem Kommentar: „Dänen und Deutsche organisieren das Turnier, Dänen pfeifen ein Spiel der Deutschen, das gibt es nicht mal in Disneyland.“

          Der Frust bezog sich vor allem auf ein strittiges Offensivfoul der Kroaten, welches die dänischen Schiedsrichter kurz vor Spielende in Köln geahndet hatten. „Wir waren großartig in einem wichtigen Spiel, das in einen Zirkus verwandelt wurde“, kommentierte die Tageszeitung „Vecernji“. Kroatiens Weltklasse-Spieler Domagoj Duvnjak vom THW Kiel wurde von verschiedenen Medien zudem mit den folgenden Worten zitiert: „Wer immer noch an die Ehrlichkeit auf diesem Spielniveau glaubt, der glaubt auch an die Zahnfee.“

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Nach dem Spiel hatte sich der kroatische Superstar und Bundesliga-Legionär Domagoj Duvnjak als fairer Verlierer im ZDF-Interview noch merklich auf die Zunge gebissen, um keine allzu heftige Schiedsrichterschelte zu äußern. 

          „Ich sage dazu nichts“, wich er sichtlich aufgewühlt der entsprechenden Nachfrage des Reporters bezüglich der Schiedsrichterkritik aus. In der Schlussphase wie auch nach dem Spiel hatte sich die kroatische Delegation am Schiedsrichtertisch lautstark beschwert. Schon ein Unentschieden hätte den Kroaten noch die Chance auf ein Weiterkommen gewahrt. Schiedsrichter sind bei Handballturnieren immer wieder Anlass für Kritik. Traditionell unterliegen sie dem Generalverdacht unterlegener Teams, Gastgebermannschaften von Turnieren zu bevorteilen.

          Am Mittwoch wurde bekannt, dass Kroatiens Verband einen Beschwerdebrief an den Weltverband geschrieben hat. Dies bestätigte die IHF dem Nachrichtenportal „Spiegel Online“. Die Kroaten, die auf einen offiziellen Protest gegen die Wertung der Partie verzichteten, listeten darin mehrere Fehlentscheidungen der dänischen Schiedsrichter Martin Gjeding und Mads Hansen auf.

          Die Unparteiischen räumten inzwischen ein, diese Situation falsch bewertet zu haben. „Eines der Kriterien für ein Stürmerfoul ist, dass der Verteidiger im Moment des Körperkontakts steht“, sagte Gjeding dem dänischen Fernsehsender TV2. „Das war in der Szene nicht der Fall. Ich musste das Video nicht oft ansehen, um zu erkennen, dass es eine Fehlentscheidung war.“ Er habe deswegen nicht gut geschlafen, so Gjeding. Sein Kollege Hansen meinte: „Jeder, der in seinem Job einen Fehler macht, weiß, wie unangenehm das ist.“

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