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Handball-WM in Qatar : Falsche Fans simulieren Stimmung

  • Aktualisiert am

Jubel-Spanier in qatarischer Kluft: für die Handball-WM 2015 kaufen sich die Scheichs auch ihre Zuschauer Bild: dpa

Nicht nur diese Fans kommen uns spanisch vor: Turnier-Gastgeber Qatar hat mangels eigener Anhänger „Jubel-Spanier“ zur Handball-WM eingeladen. Die feuern ein Team an, in dem kaum Einheimische spielen.

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          Jubelspanier statt echter Stimmung: Gastgeber Qatar hat sich für die Handball-WM Unterstützung aus dem Land des Weltmeisters geholt. 60 „feurige“ Iberer feuern mit Ausdauer und Leidenschaft bei jedem Spiel das Heim-Team an. Mit Erfolg: Die Auswahl Qatars, zusammengestellt aus einem Dutzend Handball-Legionären aus aller Herren Länder, schlug am Montagabend den WM-Vierten Slowenien mit 31:29 (18:15) und zog dank seines dritten Sieges im dritten Spiel vorzeitig und erstmalig ins Achtelfinale einer Weltmeisterschaft ein.

          Trainer Valero Rivera, der vor zwei Jahren Spanien zum WM-Titel geführt hatte, ist schon ein Volksheld - zumindest bei seinen eingeflogenen Landsleuten. „Er kann auch mit Qatar Gold gewinnen“, sagt Zuschauer Pablo voller Überzeugung. Der junge Mann ist vom qatarischen Handballverband eingeladen worden, um die Söldner-Truppe des Gastgebers anzufeuern. Auf seine Wangen hat er sich die Fahne Qatars in den Landesfarben weiß und braun geschminkt. Wie Carla, die neben ihm im Block 107 der Lusail Multipurpose Hall steht, und alle anderen Mitstreiter trägt er ein Trikot der qatarischen Nationalmannschaft. „Das ist ein Geschenk für alle in der Gruppe“, berichtet Carla.

          Echte Qatarer, keine Begeisterung: Dohas Zuschauer fremdeln mit Handball
          Echte Qatarer, keine Begeisterung: Dohas Zuschauer fremdeln mit Handball : Bild: dpa

          Die Mitglieder der Fangemeinde kommen aus Valencia, Cuenca, Aranda und Puerto de Sagundo und kannten einander vorher nicht. „Wir haben uns erst hier getroffen“, berichtet Carla. Sie wohnen im Hotel Holiday Villa, in dem ein Zimmer laut deutschen Hotelbuchungsportalen 107 Euro kostet. Das aber braucht die Spanier nicht zu kümmern, denn alle Reisekosten hat der Gastgeber übernommen.

          Nur vier Qatarer in der „Nationalmannschaft“ Qatars

          Die Fans passen zur Mannschaft, denn im Kader Qatars stehen auch nur vier Einheimische. Die anderen kommen aus Nordafrika oder Europa. Bekannteste Überläufer mit doppelter Staatsbürgerschaft sind die Torhüter Goran Stojanovic (Montenegro) und Danijel Saric (Bosnien) sowie Rückraumspieler Bertrand Roine (Frankreich) und Kreisläufer Borja Fernandez (Spanien). Der Witz dabei ist, dass sich die zusammengekaufte Truppe besser auf die WM vorbereiten und einspielen konnte als jede andere WM-Mannschaft, da die „Auswahl“ Qatars auf keinen Ligabetrieb Rücksicht nehmen musste.

          Hand aufs Herz: Qatarische Nationalspieler Rafael Capote, Bertrand Roine und Hassan Mabrouk
          Hand aufs Herz: Qatarische Nationalspieler Rafael Capote, Bertrand Roine und Hassan Mabrouk : Bild: dpa

          Sport ist für die die Herrscherfamilie mit Emir Scheich Tamim bin Hamad al-Thani an der Spitze das Mittel zum Zweck, um das Ansehen des materiell reichsten Landes der Welt zu steigern. Deshalb werden Sportereignisse von Weltruf praktisch im Halbjahrestakt auf die eigentlich öde Halbinsel im Persischen Golf gelockt - mit der Fußball-WM 2022 als „krönender“ und besonders umstrittener Abschluss.

          Eine halbe Stunde vor Anpfiff beginnen sich die Ränge zu füllen - letztlich sollen es offiziell 9500 Zuschauer werden. Junge Männer im Schul- und Hochschulalter in weißen Gewändern nehmen die Plätze hinter den Toren ein. Die billigen Blöcke des Oberrangs gegenüber der Loge von Staatsoberhaupt Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani  werden von Gastarbeitern besetzt, die kleine qatarische Fähnchen dabei haben.

          Fans unter falscher Flagge

          Unterdessen singen, tanzen und musizieren sich die qatarischen Spanier auf Betriebstemperatur. Eine kleine Kapelle mit Pauken, Trompeten und Tuba intoniert „Rivers of Babylon“ der Popgruppe Boney M. - und immer wieder ertönt der Ruf: „Vamos Qatar!“ „Wir sind immer für Qatar“, sagt Pablo, das werde sich auch nicht ändern, wenn an diesem Mittwoch (17 Uhr) das Gruppenspiel gegen Spanien auf dem Programm steht. Die eingekauften Zuschauer stoßen nicht auf Gegenliebe in der Handball-Szene: „Das ist ja krank“, wird Tobias Karlsson, Kreisläufer der SG Flensburg-Handewitt und Kapitän der schwedischen Nationalmannschaft, in der „Welt“ zitiert.

          Der Scheich in der Loge: Emir Tamim bin Hamad al-Thani
          Der Scheich in der Loge: Emir Tamim bin Hamad al-Thani : Bild: dpa

          Der ölreiche, aber traditionsarme Wüstenstaat hat auch Zuschauer andere Nationen eingeladen, sich unter falscher Flagge zu freuen. So sind über den Deutschen Handballbund (DHB) als Mittler 18 deutsche Fans auf Kosten des Gastgebers dabei. Kurz vor Weihnachten wurde die Einladung an den Freundeskreis des Deutschen Handballs (FDDH) weitergeleitet - quasi als Sondertrip für Kurzentschlossene. Die WM-Gastgeber tragen alle Kosten für Flug, Unterkunft, Visum, Tickets und Transfer. Und das so lange, wie die deutsche Mannschaft im Turnier ist.

          „Wir sehen das als Wertschätzung unserer Arbeit“, sagt FDDH-Vorsitzender Henning Opitz, der als Reiseleiter eingespannt ist. Das All-Inclusive-Paket hat allerdings unter denen, die bereits vorher ihre Reise auf eigene Kosten gebucht hatten, für Verstimmung gesorgt. „In ersten Reaktionen wurde der Ärger gegenüber dem FDDH artikuliert, der jedoch nur als Mittler auftritt und in guter Absicht gehandelt hat“, schrieb Opitz auf Facebook.

          Vier Hände in der Wüste: Qatars Torhüter Danijel Saric (r.) und Goran Stojanovic
          Vier Hände in der Wüste: Qatars Torhüter Danijel Saric (r.) und Goran Stojanovic : Bild: dpa

          Dank der Einladungspolitik der Qatarer spielen die WM-Teams wenigstens nicht vor komplett leeren Rängen. Dennoch ist der Zuschauerzuspruch meist spärlich. Beim deutschen Spiel gegen Russland wurden offiziell 600 Besucher angegeben - was in der 15.300 Zuschauer fassenden Lusail Multipurpose Hall gespenstig wirkte.

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