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Handball-WM in Ägypten : Jetzt mit 20 Prozent

  • -Aktualisiert am

Blickt der WM skeptisch entgegen: Sander Sagosen kritisiert das Turnier in Ägypten. Bild: EPA

Die Handball-WM in Ägypten soll weiterhin stattfinden – sogar mit Zuschauern. Unter den Managern der Bundesliga besteht die Sorge vor den möglichen Folgen. Denn am Hygienekonzept der Veranstalter gibt es Zweifel.

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          Es ist ein Schlagabtausch, der seit Wochen hin und her geht: Manager aus der Handball-Bundesliga warnen vor den möglichen Folgen der Weltmeisterschaft, Vertreter des deutschen Verbandes (DHB) und der Welt-Organisation (IHF) besänftigen. Schon jetzt rückt der 17. Spieltag am 7. Februar mit den Spitzenspielen Flensburg gegen Magdeburg und Melsungen gegen die Rhein-Neckar Löwen in den Mittelpunkt: Wird es mit der Bundesliga genau eine Woche nach dem Finale des Weltturniers in Ägypten ganz normal weitergehen? Oder werden zahlreiche positiv getestete Spieler aus dem In- und Ausland verhindern, dass die Liga in knapp fünf Wochen ihren Start ins Jahr 2021 nimmt? Droht gar eine zweite Abbruch-Saison? Muss ein verkürztes Format her, entscheiden Play-off-Spiele über Auf- und Abstieg? Schon jetzt wissen einige Klubs wie die MT Melsungen kaum noch, wie sie ihre verlegten Spiele unterbringen sollen – die Nordhessen stehen nach zwei Corona-Pausen bei zehn Partien, während andere Klubs schon fünf Spiele mehr absolviert haben.

          Handball-WM 2021

          Je näher die am 13. Januar mit dem Spiel der Ägypter gegen Chile beginnende WM rückt und je mehr Informationen über das bevorstehende Turnier eintrudeln, desto lauter wird die Kritik – die allerdings meist aus einiger Distanz geäußert wird. Am Dienstag verkündete der Weltverband, dass die vier Wettkampfarenen mit je 20 Prozent der möglichen Zuschauerinnen und Zuschauer besetzt sein sollen; zuvor war sogar von 30 Prozent die Rede gewesen. „Peinlich“ findet das Sander Sagosen, der Norweger in Diensten des THW Kiel. Er sagte der Nachrichtenagentur NTB: „So wie die Welt gerade aussieht, muss man erkennen, dass es mit Publikum einfach dumm ist.“ Die IHF denke „mehr an die Finanzen als an die Gesundheit der Spieler“, fügte der 25 Jahre alte Rückraumspieler an.

          Auch etablierte Bundesliga-Manager wie Dierk Schmäschke von der SG Flensburg-Handewitt finden es fragwürdig, das Turnier wie von vornherein geplant vor Publikum stattfinden zu lassen. Schmäschke und sein Kieler Kollege Viktor Szilagyi sparen seit Monaten nicht mit Kritik an der WM. Schmäschke sieht allerdings auch die Notwendigkeiten und Gegebenheiten, er sagte: „Wir haben ein mulmiges Gefühl, wenn unsere Nationalspieler jetzt zur WM reisen. Ich teile die Bedenken und Sorgen meiner Kolleginnen und Kollegen. Aber es gibt eine Abstellpflicht an die Verbände. Und der kommen wir nach.“

          Kritik am Hygienekonzept

          Beeinflusst habe er die Profis nicht: „Wir haben unseren Spielern freigestellt, ob sie mit ihren Ländern zur WM nach Ägypten fahren oder nicht.“ Fast alle Kaderspieler werden für ihre Länder im Einsatz sein. Lediglich der Norweger Magnus Röd sagte seine Teilnahme wegen einer Handverletzung ab. Die Kritik der vergangenen Tage am Hygienekonzept der ägyptischen Gastgeber teilt Schmäschke bei aller Sorge indes nicht: „Die ägyptischen Gastgeber haben ein Hygienekonzept aufgestellt, dem wir und der DHB vertrauen müssen. Wenn es solch eine WM gibt, muss es für alle dort die beste Betreuung geben. Davon gehe ich fest aus. Ich maße mir von Deutschland aus kein Urteil an, ob das Konzept trägt. Ich unterstelle nicht, dass dort die große Gefahr lauert. Aber man wird erst am Ort sehen können, wie alles verläuft.“ Das ist auch die Haltung Bob Hannings.

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          Der Vizepräsident Leistungssport des DHB hatte gegenüber dem Sender RBB gesagt: „Ich weiß nicht, woher wir die Arroganz nehmen, dass wir das alles besser können als andere Länder.“ Hanning bezog sich auf die Kritik Carsten Bissels am Hygienekonzept der Gastgeber. Der Chef des HC Erlangen hatte die „Bubble“, in der das Turnier stattfinden soll, zu Wochenbeginn in der „Süddeutschen Zeitung“, als „Witz“ bezeichnet. Schmäschke wollte Bissels Einschätzung nicht kommentieren. Für den Flensburger Geschäftsführer kommt es nun darauf an, die Situation am Ort genau zu bewerten und notfalls die eigenen Schlüsse zu ziehen: „Sollte etwas anders sein, als das Hygienekonzept verspricht, muss der DHB darauf reagieren. Das erwarte ich auch.“ Das hieße dann: Abreise.

          Die Spieler und der Stab haben sich der hitzigen Diskussion um Sinn und Unsinn der WM derweil entzogen. „Wir haben das Thema ad acta gelegt“, sagte Kapitän Uwe Gensheimer. Am Dienstag flog der DHB-Tross nach Graz. Dort wird an diesem Mittwoch (13.45 Uhr, live im ZDF) gegen Österreich in der EM-Qualifikation gespielt. Am Sonntag (18.10 Uhr, live ARD) folgt das Rückspiel in Köln. Am Dienstag darauf fliegt die deutsche Delegation dann nach Ägypten. Am Spielort Gizeh startet die WM aus deutscher Sicht am 15. Januar gegen Uruguay.

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