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Ärger vor Handball-WM : Scharfe Kritik von Wolff stört den Bundestrainer

  • Aktualisiert am

„Ich bin nicht zufrieden damit, dass diese Diskussion losgeht“: Alfred Gislason Bild: dpa

Einige Handball-Nationalspieler sagen für die WM ab und wollen lieber in der Deutschland bei der Familie bleiben. Torwart Andreas Wolff übt Kritik an den Kollegen. Das wiederum passt dem Bundestrainer ganz und gar nicht.

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          Die Verbal-Attacke von Andreas Wolff gegen die coronabedingten WM-Absagen einiger Handball-Nationalspieler ist Bundestrainer Alfred Gislason übel aufgestoßen. „Ich bin nicht zufrieden damit, dass diese Diskussion losgeht“, sagte der Isländer bei einer virtuellen Medienrunde am Freitag und ergänzte: „Ich hoffe, dass dieses Thema begraben wird. Es stört uns nur in unserer Vorbereitung hier.“

          Handball-WM 2021

          Torhüter Wolff (29) hatte in einem Podcast der Rhein-Neckar Löwen überraschend deutlich gesagt, dass er die freiwilligen WM-Absagen seiner früheren Kieler Teamkollegen Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold „sehr, sehr kritisch“ sehe. Zwar sei es gerade für Familienväter etwas Schweres, die eigenen Kinder für einen Monat zurückzulassen. Aber: „Dass sie dieses Jahr das Turnier fahren lassen, nachdem sie selbst permanent in der Champions League aktiv waren, stört mich“, sagte Wolff.

          Gislason selbst hat bisher nicht mit Wolff über das Thema gesprochen. „Ich habe viele andere Aufgaben zu erledigen“, betonte der 61 Jahre alte Isländer mit Blick auf das EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich am Sonntag in Köln. Er respektiere die Meinung seines Torhüters, sagte er, betonte aber auch, dass zwischen DHB und Spielern „eigentlich“ bereits zuvor alles besprochen worden sei. „Die Spieler, die schon viel Zeit für Deutschland geopfert haben, sollten nicht ins Kreuzfeuer der Kritik geraten“, ergänzte der 61-Jährige.

          Auf den Zusammenhalt seiner Mannschaft hätten sich die Wolff-Aussagen nicht ausgewirkt, versicherte der DHB-Coach: „Es gibt keinen Zwiespalt. Andi hat seine Meinung gesagt. Er ist dafür bekannt, dass er geradeaus seine Meinung raushaut. Innerhalb der Mannschaft ist es überhaupt kein Thema.“ Und DHB-Vizepräsident Bob Hanning sagte: „Wir haben weder Unruhe im Team noch im Umfeld.“

          Rückraumspieler Fabian Böhm hatte ebenfalls am Freitag erklärt, dass es nach Wolffs Aussagen „keinen Aufschrei in der Mannschaft“ gegeben habe. „Wenn er diese Meinung vertritt, ist das okay. Ich habe eine andere Meinung dazu. Es wurde innerhalb der Mannschaft nicht kritisch gesehen“, sagte der 31 Jahre alte Hannoveraner.

          Geschäftsführer Viktor Szilagyi vom THW Kiel verteidigte die Spieler seines Vereins, die nicht an der WM teilnehmen wollen. „Niemand sollte sich angesichts der Pandemie und der Vielschichtigkeit der Herausforderungen das Recht herausnehmen, über die individuell getroffene Entscheidung Einzelner urteilen zu wollen“, sagte Szilagyi am Freitag.

          „In diesen besonderen Zeiten stehen auch Profi-Handballer vor besonderen Herausforderungen abseits des Spielfeldes, Hygienekonzepten und sportlichen Resultaten. Wie viele andere Menschen müssen auch sie den Alltag mit ihren Familien organisieren, die bestmögliche Betreuung und Begleitung ihrer Kinder angesichts von Kontaktbeschränkungen und geschlossenen Kitas sicherstellen. Als THW Kiel können und wollen wir uns in die persönliche Entscheidung der Spieler nicht einmischen“, betonte Szilagyi und ergänzte: „Fünf unserer Spieler haben sich gegen eine WM-Teilnahme entschieden, sechs dafür. Alle haben dabei die volle Unterstützung des THW Kiel.“

          Der Deutsche Handballbund (DHB) lobte derweil für den Titelgewinn seiner Mannschaft bei der Handball-WM eine Prämie von 500.000 Euro aus. „Das ist für die Mannschaft insgesamt, inklusive Staff“, sagte der DHB-Vorstandsvorsitzende Mark Schober dem Portal „Sportbuzzer“. Jeder Spieler erhalte zudem für die WM-Tage ein nach Länderspielen gestaffeltes Tagegeld. Für Bundestrainer Gislason gelte ebenso wie für seine Vorgänger eine Extra-Regelung. Für Platz zwei hat der DHB 380.000 Euro veranschlagt, für Platz drei 260.000 und für Platz vier  immerhin noch 140.000. Die Titelprämie von einer halben Million Euro wurde im Vergleich zur WM 2019 um 50.000 Euro aufgestockt.

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