https://www.faz.net/-gtl-a7831

Deutsches Handball-Team : Keine Traumbesetzung? Egal.

  • -Aktualisiert am

In der Zange: Knorr (links) und Firnhaber gegen Österreichs Zeiner Bild: dpa

Bevor es zur WM nach Ägypten geht, muss das deutsche Handball-Team noch in der EM-Qualifikation spielen. Beim Sieg in Österreich zeigt sich, dass man trotz der Absagen vieler Stammspieler gar nicht schwarzsehen muss.

          3 Min.

          Testspiele, so etwas gab es früher mal im Handball. In diesen Zeiten wird im laufenden Betrieb alles Mögliche ausprobiert. Im Falle der deutschen Nationalmannschaft sogar eine ganz neue Abwehr. Vier Spiele bis zum eigentlichen Start der Weltmeisterschaft, das ist der interne Fahrplan des Deutschen Handballbundes (DHB).

          Dazu gehören die beiden Partien in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2022 in Ungarn und der Slowakei gegen Österreich sowie die ersten beiden Gruppenspiele bei der WM in Ägypten gegen Uruguay und die Kapverden. „Mir bleibt ja gar nichts anderes übrig, als in diesen wichtigen Spielen zu testen“, hat Bundestrainer Alfred Gislason gesagt. Wenn es mit dem dritten deutschen Spiel der WM-Gruppe A am 19. Januar gegen Ungarn ernst wird, will Gislason eine schlagkräftige und wenigstens halbwegs eingespielte Truppe beieinanderhaben.

          Handball-WM 2021

          Dass die handballinteressierte Öffentlichkeit trotz der Absage vieler Stammspieler gar nicht schwarzsehen muss, war die erfreuliche Erkenntnis der Partie in Graz am Mittwochnachmittag. Nach Siegen über Bosnien und Lettland im November überzeugte Gislasons Sieben im dritten Spiel der laufenden EM-Kampagne vor allem im Angriff mit einem 36:27 gegen Österreich. Da sich die ersten beiden Teams für die EM in einem Jahr qualifizieren, sind die Deutschen schon vor dem Rückspiel am Sonntagabend in Köln so gut wie qualifiziert.

          „Ich freue mich über das Ergebnis, die Einstellung und die Stimmung in der Mannschaft“, sagte Gislason, „wir haben es vor allem in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht. In der Abwehr war es schon ein bisschen lückenhaft, und in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit fehlte der Spielfluss im Angriff. Danach lief es dann sehr gut. Wir haben uns eingespielt und Selbstvertrauen getankt. Das ist erfreulich.“

          Besonderes Augenmerk richtet der Bundestrainer auf die Abwehr. Notgedrungen. Ohne Wiencek, Pekeler, Lemke und Weinhold vertraut Gislason nun auf Johannes Golla und Sebastian Firnhaber. Vor allem der neue Abwehrchef Golla machte seine Sache in Graz gut, wenn auch nicht zu übersehen war, dass die Abstimmung mit den Nebenleuten und Torhütern noch besser werden muss. Golla sagte im ZDF: „Wir haben uns schon im Training gesteigert und sind jetzt auf einem guten Weg.“

          Österreich ist ebenfalls bei der WM dabei und trifft in der Gruppe E auf Norwegen, Frankreich und die Vereinigten Staaten. Nach ordentlichem Beginn hatte die Mannschaft des früheren Kieler Profis Ales Pajovic als Coach doch nur noch wenig zu melden. Die deutschen Angriffe waren zunächst von Philipp Weber, dann von Juri Knorr ansprechend gesteuert. Für die ersten Tore aus dem Rückraum sorgte Julius Kühn. Ohne ihn fehlte es dann an Druck von hinten, doch starke Außen und Golla am Kreis nutzten ihre Chancen. Gerade Marcel Schiller auf linksaußen machte das mit elf Toren, davon allein acht verwandelte Siebenmeter, sehr gut. Sein Positionskollege Uwe Gensheimer wurde nach leichten Problemen mit dem Handgelenk geschont und soll am Sonntag spielen.

          Erfreulich war auch, dass die 5:1-Abwehr mit Fabian Böhm auf der Spitze einige Male ganz gut funktionierte. Dahinter waren es Andreas Wolff und Johannes Bitter im Tor, die schon zu WM-Form aufliefen. Über 16:13 und 18:13 kamen die Deutschen zum 22:16-Halbzeitstand, der in der zweiten Hälfte in der von Gislason kritisierten Phase auf drei Tore schmolz (38. Minute), ehe eine Auszeit und mehr Klarheit im Angriff wieder für eine beruhigende 30:24-Führung sorgten.

          „Natürlich wollten wir heute gewinnen“, sagte Gislason nach dem Spiel, „aber wichtiger war es, Erkenntnisse zu gewinnen.“ Nun wird noch zwei Tage trainiert, Schwerpunkt Angriff, ehe am Sonntag der nächste Test im laufenden Betrieb folgt und die deutsche Delegation dann am Dienstag nach Kairo reist. Vertrauen kann Gislason auf eine willige Mannschaft, die bereit scheint, die namhaften Absagen vergessen zu machen. „Wir brauchen Geschlossenheit, dass sich jeder für den anderen freut“, sagte Gislason.

          Wer sah, wie die deutsche Bank bei jeder gelungenen Abwehraktion aufsprang und jubelte, muss davon ausgehen, dass dieses deutsche Team zwar nicht in stärkster Besetzung antreten wird, aber keineswegs aussichtslos ins Turnier startet. Vielleicht hat Gislasons Devise, nach der diese WM eher Chance als Risiko ist, doch ihre Berechtigung – zumindest, was den sportlichen Wettbewerb abseits der Corona-Problematik betrifft.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jung und Alt in der Krise : Ein Abgrund der Pandemie

          Es ist eingetreten, was befürchtet wurde: Opfer der Corona-Krise sind vor allem die Alten. Die Corona-Politik offenbart ein Verhältnis von Alt und Jung, das zu dieser Tragödie beigetragen hat.
          Morgenlicht auf dem Zugspitzmassiv

          Immobilienpreise : Teure Sehnsucht nach dem Bergidyll

          Wohnimmobilien in Skiregionen sind heiß begehrt. Vor allem der deutsche Alpenraum gilt als teuer. Doch international sind die Preise vor allem in der Nähe bekannter Erholungsgebieten noch viel höher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.