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Äußerungen zu Meinungsfreiheit : Kretzschmar wehrt sich gegen Kritik

  • Aktualisiert am

Ehemaliger Handballstar aus der Hausbesetzerszene: „Charakter und meine politische Einstellung geprägt und etwas vom Sport abgelenkt.“ Bild: ddp

Stefan Kretzschmar polarisiert mit einem Interview zur Meinungsfreiheit bei Profisportlern. Der frühere Handball-Star sieht seine Aussagen aus dem Kontext gerissen.

          Der frühere Handball-Star Stefan Kretzschmar hat mit seinen Äußerungen über fehlende Meinungsfreiheit in Deutschland eine Debatte losgetreten - über den Sport hinaus. Der 45 Jahre alte ehemalige Nationalspieler bekommt nun ausgerechnet aus jener politischen Ecke Zuspruch, die ihm als einstigen linken Szenegänger und zeitweiligen Hausbesetzer „nicht ferner liegen könnte“, wie er selbst sagt. Dürfen oder sollen Profisportler nichts mehr sagen? Michael Ilgner als Sporthilfe-Chef widerspricht: „Athleten haben den Kopf nicht nur zum Medaillen umhängen. Sie sollen auch nach dem Sport noch fähig sei, eine gute Rolle in der Gesellschaft zu spielen.“

          Soziale Netzwerke wie Twitter hätten den Vor- und den Nachteil der Verkürzung und der Zuspitzung von Meinungen, erklärte Ilgner am Montag der Deutschen Presse-Agentur aber auch. „Deshalb muss man schon überlegen, welches Thema und welche Diskussion man in welchen Medien anschieben sollte.“ Er betonte jedoch auch, dass man den mündigen Athleten fördere.

          Spielplan der Handball-WM 2019

          Den Wirbel ausgelöst hatte Kretzschmar mit einem Interview bei t-online.de vergangene Woche. „Welcher Sportler äußert sich denn heute noch politisch? Es sei denn, es ist die politische Mainstream-Meinung, wo man gesagt hat: „Wir sind bunt“ und „Refugees welcome“. Wo man gesellschaftlich eigentlich nichts falsch machen kann.“ Eine gesellschafts- oder regierungskritische Meinung dürfe man in diesem Land nicht mehr haben, so Kretzschmar: „Das wird dir sofort vorgeworfen.“

          Daraufhin hatte etwa die AfD Heidelberg seine Äußerungen via Twitter weiterverbreitet. Am Montag teilte AfD-Bundestagsmitglied Jens Kestner in einer Pressemitteilung mit: „Herr Kretzschmar verdient meinen Respekt, weil er öffentlich anprangert, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland beschnitten wird! (...) Die Meinungsfreiheit in Deutschland existiert nur auf dem Papier; die Realität sagt leider etwas anderes.“

          Sporthilfe-Chef Michael Ilgner: „Athleten haben den Kopf nicht nur zum Medaillen umhängen“.

          Kretzschmar hatte sich schon vorher falsch verstanden gefühlt. „Wenn man meine Biografie kennt, ist die Instrumentalisierung meines Interviews von politischen Gruppierungen, die meiner eigenen politischen Einstellung nicht ferner liegen könnten, schon grotesk. Aber wenn irgendein Sportler oder eine Person des öffentlichen Lebens noch einen Beweis für meine These gebraucht hat. Damit hat er sie bekommen“, sagte der 218-malige Nationalspieler der „Bild“.

          Kretzschmar sieht seine Aussagen aus dem Kontext gerissen. „Zum Verständnis: Mir wurde im Interview die Frage gestellt: 'Warum gibt es keine Typen mehr, keine Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten?' Daraufhin habe ich geantwortet, dass ich jeden Menschen, der in der Öffentlichkeit steht, verstehen kann, wenn er sich heutzutage nicht mehr kritisch äußert und demzufolge auch nicht mehr aneckt.“ Menschen, die sich in ökonomischen Abhängigkeiten (Arbeits- und Sponsorenverträge) befänden, hätten eben eine eingeschränkte Meinungsfreiheit.

          Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) bezeichnete die Äußerung Kretzschmars als „absurd“. Sie beweise doch in sich selbst, dass alles geäußert werden könne. „Zur Meinungsfreiheit gehört auch der Mut zur Meinungsäußerung“, sagte Kubicki der „Bild“-Zeitung. „Kretzschmar beschreibt keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, sondern Feigheit.“

          Im Interview bei t-online.de hatte Kretzschmar etwa auch betont, dass er früher in der linken Szene unterwegs und teilweise auch unter Hausbesetzern in Berlin-Friedrichshain gewesen sei.

          Kretzschmar moniert Verrrohung

          Dass Profis ihre Meinung zu politischen Themen nicht äußern dürfen, sieht Bob Hanning als Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes für seine Sportart nicht so. „Unsere Spieler dürfen sich politisch äußern oder zu gesellschaftlichen Dingen Stellung beziehen. Ich will den mündigen und intelligenten Spieler, der den Ansprüchen genauso gerecht wird, wie die vielen Zuschauer, die uns unterstützen“, sagte Hanning. Es gebe keine Themenbeschränkung, aber gewisse Spielregeln.

          Kretzschmar moniert im Zeitalter von Social Media jedoch „eine zunehmende Verrohung“. Der gebürtige Leipziger war schon in seiner aktiven Zeit mit deutlichen Meinungsäußerungen häufiger angeeckt.

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