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Handball-WM : Hungrige Wikinger und zähe französische Ritter

  • Aktualisiert am

Ein letztes Hurra: Nikola Karabtic und seine Franzosen wollen den sechsten Weltmeistertitel Bild: AFP

Dank Wildcard im Turnier ist Norwegen zur Überraschung der Handball-WM geworden. Die Großmacht Frankreich kämpft sich mühsam durch: Kommt es nach den Halbfinals zum Showdown?

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          Frankreich marschiert, aber es ist ein harter Weg, teilweise Schwerstarbeit. Jüngst in Lille fühlte sich das Publikum sogar bemüßigt, zwischendurch die Marseillaise anzustimmen, um seine Handball-Lieblinge aufzumuntern. Eine wirkungsvolle Maßnahme offenbar, die Franzosen befreiten sich noch aus der Bredouille im Duell mit Schweden und stehen wie erwartet im Halbfinale der Weltmeisterschaft im eigenen Land, sie treffen dort an diesem Donnerstag auf Slowenien (20.45 Uhr/ live auf der Internetseite eines Sponsors). Im anderen Halbfinale stehen sich Kroatien und Norwegen gegenüber, das sich als die große Überraschung dieses Turniers erweist.

          Die Norweger, in der WM-Qualifikation an Slowenien gescheitert, ergatterten die Teilnahme in Frankreich durch eine Wildcard des Internationalen Handballverbandes - und sind so in Fahrt gekommen, dass sie bereits an ein mögliches Finale gegen die Equipe Tricolore denken. „Wir trauen uns das zu“, sagte der norwegische Rückraumspieler Sander Sagosen, der nach dieser Saison zu Paris Saint-Germain wechselt, wo inzwischen auch Uwe Gensheimer, Kapitän der gescheiterten Deutschen, unter Vertrag steht.

          Letztes Hurra der Alten

          Die Norweger stehen in jedem Fall schon jetzt so gut wie noch nie bei einer WM da. Zwischen ihnen und Frankreich liegen allerdings, gemessen am Abschneiden in einem solchen Wettbewerb, Welten. Die Franzosen sind Rekordweltmeister mit fünf Titeln, und alles andere als der sechste große Wurf wäre eine Enttäuschung für sie. Ein letztes Hurra, so hoffen sie, für ein Team, das vor einem gewissen Umbruch steht. Schließlich befindet sich mancher Spieler bereits in einem fortgeschrittenen Alter, Torwart Thierry Omeyer vor allem, der 40 Jahre alt ist. Oder Daniel Narcisse, 37 Jahre alt. Auch einige andere, wie der 32 Jahre alte Nikola Karabatic, gehören der reiferen Generation an.

          Das Überraschungsteam: Norwegen steht bei der WM erstmals im Halbfinale

          „Der TGV ist auf dem Gleis“, hatte die Zeitung „L’Equipe“ geschrieben, nachdem das Nationalteam die Vorrunde souverän bewältigt hatte. Doch danach hatte Frankreich bisweilen Mühe, den hohen Erwartungen gerecht zu werden, erst gegen Island, nun beim 33:30 gegen Schweden. Aber mit der Unterstützung von jeweils 28.000 Zuschauern im Fußballstadion Pierre-Mauroy in Lille blieben die „Experten“, wie die französischen Nationalspieler genannt werden, in der Spur. „Wir haben eine riesige Begeisterungswelle im Land“, sagte Kentin Mahe, der sein Geld in der Bundesliga bei der SG Flensburg-Handewitt verdient, „wir wollen sie bis zum Finale am Leben erhalten.“

          Und selbstverständlich wäre die Krönung am Sonntag in Paris auch ein Dank an alle jene, die seit zwei Wochen treu hinter dem Team der Trainer Didier Dinart und Guillaume Gille stehen. Die beiden, die das Amt nach den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro von Claude Onesta übernommen haben, waren als Spieler im Jahr 2001 dabei, als die Franzosen mit WM-Gold eine große Ära begründeten - auf heimischem Boden.

          Zu den Helden von damals zählten außerdem Omeyer und Narcisse, die später wegen ihrer Verdienste um den französischen Handball zu Rittern der französischen Ehrenlegion ernannt wurden. Wie Jackson Richardson, einst ein außergewöhnlicher Spielgestalter, der nun - mit kurzem grauem Haar - die Auftritte seiner Erben als Fernseh-Experte bewertet.

          Nostalgische Momente also auch in Tagen, in denen Frankreich wieder mit seinen Handballstars fiebert. Die Schlagzeilen ranken sich derzeit nicht nur um Fußball oder Rugby, sondern auch um die Befindlichkeiten von Karabatic und dessen Kollegen. Just in einer Phase der WM, in der „Spiele ohne Wiederkehr“ anstehen, wie „L’Equipe“ schrieb. Frankreich hat sich bislang aber nicht unterkriegen lassen. Die Geschichte geht weiter, und vielleicht kommt es tatsächlich zum Showdown gegen Norwegen. „Wir sind richtig hungrig“, sagte Sagosen. Aber er wird wohl auch wissen, wozu Handball-Ritter imstande sein können.

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