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DHB-Chef Schober im Gespräch : „Wir wollen nahbar und echt bleiben“

Fans der deutschen Mannschaft feuern bei der Handball-WM ihr Team im Spiel gegen Frankreich an. Bild: Imago

Mit dem „Leuchtturm“ Handball-WM im eignen Land sollen auch junge Sportler wieder auf die Platte gelockt werden. Im Interview spricht DHB-Vorstandschef Mark Schober über Handball mit Köpfchen, Micky Maus und digitale Defizite.

          Haben Sie am Freitagabend Hoffenheim oder Bayern die Daumen gedrückt?

          Tendenziell Hoffenheim. Fußball ist nicht so mein Thema, nur bei hochklassigen Spielen, wenn es in Richtung eines Finales geht. Aber ich lebe im Großraum Dortmund, und die Borussia spielt im Moment einfach einen sehr guten Fußball.

          Vielleicht auch, weil Julian Nagelsmann sich so positiv zum Handball geäußert hat. Etwas Besseres kann Ihrem Sport kaum passieren, oder?

          Was mich daran freut, ist, dass Handball in der breiten Gesellschaft angekommen ist. Mich freut aber genauso, dass es beispielsweise ein Micky-Maus-Heft gibt, in dem ein Handball-Comic stattfindet. Wir haben den Handball jetzt in Bereichen und gesellschaftlichen Umfeldern, in denen wir ihn sonst nicht haben.

          Klingt gut. Aber lesen Kinder heute überhaupt noch Micky Maus?

          Ich kenne die Auflagen nicht, aber es geht um das Signal. Wir wollen an Zielgruppen rankommen, die sonst nicht Handball schauen. Dafür soll die WM unser Leuchtturm sein.

          DHB-Vorstandschef Mark Schober

          Warum sollten Kids sich für Handball interessieren und nicht für Fußball und Basketball?

          Erst einmal finde ich es gut, wenn die Kinder überhaupt Sport machen, das kann auch Fußball, Basketball oder Leichtathletik sein. Es gibt ausreichend Potential an Kindern für alle Sportarten, deswegen sehe ich die Konkurrenz zu anderen gar nicht so. Wir müssen uns nicht differenzieren, wir müssen zeigen, was wir gut können.

          Was ist das?

          Werte wie Nahbarkeit, Teamfähigkeit, Bodenständigkeit, Ehrlichkeit. Das ist ein echter Sport, den wir hier betreiben. Ein Sport, bei dem man alle Fähigkeiten und Fertigkeiten lernen kann: konditionell, technisch, koordinativ. Es ist ein Ganzkörpersport, für den es auch viel Köpfchen und soziales Talent braucht. Ein sehr ganzheitlicher Sport.

          Der aber zu überaltern droht.

          Das kann man so nicht sagen. Grundsätzlich ist unsere Zielgruppe etwas älter als beispielsweise beim Basketball. Und gerade in den Arenen ist es zugegebenermaßen schon so, dass wir eher ein älteres Publikum ansprechen. Aber wir haben viele Kinder, die in die Vereine kommen. Und wir sehen jetzt bei den Einschaltquoten, dass wir in der jüngeren Zielgruppe, 14 bis 49 Jahre, besonders stark sind. Wir müssen sicher noch digitaler werden, da sind wir noch nicht gut genug. Aber dass wir gewissermaßen oben wegsterben – das glaube ich nicht.

          Stefan Kretzschmar sagt sinngemäß: Man muss alles Geld in die Hand nehmen und in den E-Sport-Bereich stecken, damit der Handball dort vorkommt.

          Da bin ich völlig anderer Meinung. Natürlich wäre es toll, wenn wir ein E-Sport-Spiel hätten, das würde uns helfen. Aber es würde uns nicht den Schritt voranbringen, an den Stefan womöglich glaubt. In der E-Sport-Szene sind Spiele wie Fifa oder 2K Basketball gar nicht die Treiber dieses Marktes, sondern nur ein sehr kleiner Teil. Uns geht es vor allem darum, dass wir unsere Mitglieder und unser Publikum über die digitalen Kanäle erreichen. Da haben wir noch einiges zu tun.

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          Handball stürzt sich also nicht in den E-Sport?

          Nein, das ist kein strategisches Thema für den Deutschen Handballbund.

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