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Deutsches WM-Aus : „Wir haben eine einmalige Chance verpasst“

  • -Aktualisiert am
Zu wurfstark: Der Norweger Magnus Jondal überwindet Andreas Wolff. Bilderstrecke

Folgenschwer war aber vor allem die fehlende Linie in der Offensive. Dort ließ Prokop den guten Paul Drux zu kurz und den schwachen Tim Suton zu lange spielen. Es ging zudem nach hinten los, den wieder einmal nervenschwachen Steffen Fäth im zweiten Durchgang nochmal zu bringen. Außer vier Ballverlusten trug Fäth nichts zum Spiel bei. Und warum ließ Prokop den Halbrechten Fabian Wiede bis zur Erschöpfung spielen, wenn doch der Positionskollege Steffen Weinhold nach seiner Adduktorenverletzung fit gewesen sei? Gegen die kleine, harte, bewegliche norwegische Abwehr hätte eine Rückraum-Reihe mit Weinhold und Wiede eine Option sein müssen. Prokop begründete seine Entscheidungen mit den schlummernden Qualitäten in der Breite seines Kaders. Einzelkritik verkniff er sich. 

Bei der Beurteilung der Deutschen kommt man eben doch wieder zur individuellen Klasse. Das Niveau der dänischen Rückraumachse Mikkel Hansen/Rasmus Lauge verfehlt der DHB-Rückraum noch weiter als das der Norweger Sagosen/O’Sullivan: Am Freitagabend war die deutsche Spielsteuerung einfach nur grausam, fahrig, ideenlos. Wenn ein internationaler Novize wie Fabian Böhm aus Burgdorf bester deutscher Spieler ist, sagt das einiges (Spielplan der Handball-EM 2020).

Jeder hatte seinen Anteil an dieser Niederlage, auch die Schiedsrichter aus Tschechien. Mit ihrer kleinlichen Linie, die in sieben Zeitstrafen mündete, kam Prokops Team überhaupt nicht zurecht. Sie hätten gepfiffen wie im Basketball, hieß ein vielgehörter Kommentar, doch umgesetzt hatten sie weitgehend die Linie, die der Weltverband IHF vorgegeben hat: Präsident Hassan Moustafa mag kein „Wrestling“. Sieben, teils unberechtigte Zeitstrafen gegen Deutschland, drei gegen Norwegen – das brachte nicht nur das Publikum auf die Palme.

Doch noch mehr emotionale Hitze brauchten die Deutschen gar nicht. Sie wirkten ohnehin schon übermotiviert. Auch Hendrik Pekeler, der Mitte der zweiten Halbzeit nach der dritten Zwei-Minuten-Strafe die Rote Karte sah und hinter der Bank wütete. Es war den Deutschen misslungen, sich auf die Spielleitung der Tschechen einzustellen. Wenig überraschend hatten die Norweger nichts an den Unparteiischen auszusetzen. „Die Deutschen verteidigen hart, und wenn sie es zu hart taten, haben die Schiedsrichter reagiert, das war richtig“, sagte Magnus Jöndal von der SG Flensburg-Handewitt.

Emotional besonders schwer angeschlagen wirkte Kapitän Uwe Gensheimer. In nie gesehener Art aggressiv hatte sich der Linksaußen seinen Traum von der Weltmeisterschaft erfüllen wollen. Er riss beim Zurücklaufen Norwegens Trainer Christian Berge am Trikot, er räumte den Pariser Teamkollegen Sagosen rot-würdig ab: War das wirklich Gensheimer? Neben Böhm war er bester Deutscher – und nach dem Spiel traurigster. Er hatte sich aber auch schon wieder gefangen: „Die Norwegen waren besser, sie haben mit Röd und Sagosen richtig stark gespielt und waren clever. Für uns war es eine einmalige Chance, die wir verpasst haben.“ Wenig später fuhr der Bus mit der deutschen Delegation durch die Nacht nordwärts nach Herning. Die Stimmung drinnen nach diesem deprimierenden Aus konnte man sich vorstellen.

Handball-WM 2019

Noch ein Rekord: 11,91 Millionen sehen Handball-WM-Halbfinalspiel

Der verpasste Finaleinzug der deutschen Handballer hat für einen weitere Rekord-Quote gesorgt. Bei der Live-Übertragung des WM-Halbfinales gegen Norwegen saßen 11,91 Menschen vor dem Fernseher und sorgten nach Angaben der ARD für einen Marktanteil von 35 Prozent. Das war im neunten Spiel der höchste Zuschauerzuspruch der laufenden Titelkämpfe und die erfolgreichste TV-Sendung des Freitags. Die bisher am meisten gesehene WM-Übertragung war der Sieg der DHB-Auswahl gegen Kroatien mit 10,02 Millionen. (dpa)

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