https://www.faz.net/-gtl-9ijy1

Handball-WM in Berlin : Ein leichter deutscher Sieg nach Drehbuch

Das geht doch schon ganz gut los: Bundestrainer Christian Prokop. Bild: dpa

Die deutschen Handballer nehmen sportlich und atmosphärisch Schwung auf und starten mit einem deutlichen Sieg über Korea in die Heim-WM. Doch die großen Herausforderungen kommen erst noch.

          In seiner Gedankenwelt hatte sich der Bundestrainer schon vor Monaten mit diesem Tag beschäftigt. Sicher, es war ja das Eröffnungsspiel der Heim-Weltmeisterschaft, ein ganz besonderes also. Aber darüber hinaus hatte Christian Prokop auch die leise Sorge geäußert, all die Aufregung um die politische Dimension dieser Partie könnte seine Spieler vom Wesentlichen ablenken. Gute Gastgeber, sagte Prokop, wollten sie der vereinten Mannschaft aus Korea sein. Aber deren Spielern auch nicht „den roten Teppich ausrollen“ und darüber das eigene Zupacken vergessen.

          Handball-WM 2019

          Es war, wie sich herausstellte, eine ziemlich unbegründete Befürchtung – oder eben doch nur eine Höflichkeitsformel. Seine Mannschaft hatte keinerlei Probleme, auf Touren und zu Toren zu kommen – gegen einen Gegner allerdings, der nicht der Maßstab sein wird bei dieser WM. Zu Beginn der Vorbereitung in Deutschland hatte Korea sogar gegen das Drittligateam vom VfL Potsdam verloren. Aber so, wie Prokops Mannschaft es anpackte in der mit 13.500 Zuschauern ausverkauften Mercedes-Benz Arena, war es der richtige Geist, um Schwung aufzunehmen, sportlich und atmosphärisch.

          30:19 hieß es am Ende, die meisten Tore waren dem Kapitän gelungen, Uwe Gensheimer: vier aus dem Spiel und drei von der Siebenmeter-Marke. „Wir sind unserer Favoritenrolle absolut gerecht geworden“, sagte Torhüter Andreas Wolff, der mit 15 Paraden als Spieler des Spiels ausgezeichnet wurde. Er lobte vor allem den Teamgeist, nachdem alle 16 Mann zum Einsatz gekommen waren: „Jeder klatscht mit dem anderen ab, jeder baut den anderen auf.“ Auch der Bundestrainer war in dieser Hinsicht zufrieden, die Mannschaft habe unter den besonderen Umständen „sehr konzentriert und diszipliniert“ gespielt. Allerdings bemängelte Prokop die Chancenverwertung – tatsächlich hätte der Sieg gut noch höher ausfallen können.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Im stets zackigen Rhythmus des Handballs geht es schon am Samstag (18.15 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und im ZDF) weiter, gegen Brasilien, das ebenfalls noch nicht die ganz große Herausforderung sein dürfte, auch wenn Prokop sagte, dass das ein Gegner von „ganz anderem Kaliber“ sei. Von größerer Aussagekraft – und auch Bedeutung für den weiteren Turnierverlauf – werden dann die Duelle mit Russland, Weltmeister Frankreich und Serbien sein. Als Ziel hat der Verband das Halbfinale formuliert – mit dem weiterführenden Hinweis, dass danach bekanntlich alles möglich sei.

          Für die WM insgesamt versprach der Auftakt jedenfalls schon einmal einiges. Sekunden, bevor es dunkel wurde für die Eröffnungszeremonie, kam eine vertraute Gestalt in die Halle, die hierzulande auch in Handball-Generationen noch für ihren ikonischen Schnurrbart bekannt sein wird: Heiner Brand bekam reichlich Applaus. Er sollte später mit seinen WM-Gewinnern Henning Fritz, Pascal Hens und Dominik Klein sowie Stefan Kretzschmar den Pokal aufs Feld bringen, ein wenig Tradition musste sein.

          Ansonsten aber wechselte das Bild am Donnerstag rasant in die Moderne: Eine neue Generation erschließen, hip werden – das hat sich der Handball auf die Fahnen geschrieben. Und was das anging, konnte sich der Beginn sehen lassen. Beats aus dem 21. Jahrhundert, jede Menge Licht und Laser – wer in Erwartung von Turnhallen-Heimeligkeit gekommen war, bekam, zumindest in den vorderen Reihen, einen Hauch von Hitze ins Gesicht, noch bevor der erste Ball geworfen war. Dafür sorgten die Pyro-Effekte auf dem Feld.

          Der Kapitän geht voran: Deutschland und Uwe Gensheimer siegen zum WM-Start.

          Es war dann an Frank-Walter Steinmeier, das von Deutschland und Dänemark gemeinsam ausgerichtete Turnier zu eröffnen, an der Seite von Hassan Moustafa, dem Präsidenten des Weltverbands (IHF). Während der Bundespräsident sich auf das Wesentliche beschränkte, kam Moustafa noch einmal auf das Thema Korea zu sprechen. Es war seine Idee, nach dem Vorbild der Olympischen Spiele ein nicht nur sportpolitisches Zeichen zu senden. Leicht sei es nicht gewesen, sagte er am Donnerstag. Aber der Ägypter wirkte stolz, dass es gelungen war.

          Es sei eine „mutige Idee von unserem Weltpräsidenten“ gewesen, fand Andreas Michelmann, der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), mit besonderer Symbolik angesichts des Spielorts Berlin. Der Handball könne „ein ganz klein wenig an der Weltgeschichte mitdrehen“, sagte Michelmann, der aus Aschersleben in Sachsen-Anhalt kommt und dort Oberbürgermeister ist. Neben Steinmeier, Bundesinnenminister Horst Seehofer, IOC-Chef Thomas Bach waren auch die Botschafter aus Nord- und Südkorea in der Halle. Zum vereinten Team gehörten vier Spieler aus dem Norden, die das qualifizierte Team des Südens ergänzten. Anstelle einer Hymne wurde ein koreanisches Volkslied gespielt, der kleine Fanblock sang die zarte Melodie mit.

          Eröffnungsworte: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Handball-Boss Hassan Moustafa.

          Bei der deutschen Hymne schien es Torwart Wolff am wenigsten erwarten zu können. Er wippte unruhig, und zu den letzten Tönen ließ er einen Urschrei los: Endlich konnte es losgehen. Über die Breite des Teams kommen – das ist Prokops Plan.  Und das sah so aus, dass fünf verschiedene Schützen für die ersten fünf Treffer und den Stand von 5:2 sorgten (10. Minute). Es waren viele leichte Tore gegen die körperlich unterlegenen Koreaner, Wolff hielt überdies stark, allerdings handelte sich das Team auch reichlich Zeitstrafen durch die nach verschärften Maßgaben pfeifenden Unparteiischen ein; für einen kurzen Moment war es gar nur zu dritt auf dem Feld. Korea kam auf 7:5 heran, doch das musste auf deutscher Seite niemanden beunruhigen.

          Bis zur Pause war der Vorsprung auf sieben Tore angewachsen, 17:10, dafür hatten vor allem Gensheimer, Hendrik Pekeler und Steffen Fäth gesorgt. Nach der Pause ging es gleich weiter in die Höhe, 21:10. Und am Ende waren nicht nur alle Spieler zum Einsatz gekommen, bis auf Strobel, Lemke und Wiede hatten auch alle getroffen – ein Sieg nach Drehbuch, aber auch ein leichter.

          Handball-WM 2019

          Weitere Themen

          Ohne Akkreditierung ist Federer unbekannt Video-Seite öffnen

          Australian Open : Ohne Akkreditierung ist Federer unbekannt

          Kuriose Szene am Spielereingang der Australian Open: Superstar Roger Federer wird der Einlass verwehrt. der Schweizer muss auf seine Akkreditierung warten. Schauen Sie die Szene im Eurosport-Video.

          Topmeldungen

          Seehofer gibt CSU-Vorsitz ab : „Mein Werk ist getan“

          Mit einer emotionalen Rede nimmt Horst Seehofer in München Abschied von seinem Amt als CSU-Vorsitzender. Markus Söder schlägt ihn als Ehrenvorsitzenden der Partei vor.
          Schnell unterwegs: Kira Weidle wird Vierte in der Abfahrt.

          Ski alpin : Top-Plazierungen in Cortina

          Die Form für die WM ist schon da: Kira Weidle und Viktoria Rebensburg sind zwei Wochen vor dem Saisonhöhepunkt in der zweiten Abfahrt von Cortina d’Ampezzo in die Top Fünf gerast.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.