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Handball-WM in Berlin : Begeisternde deutsche Gala gegen Brasilien

Uwe Gensheimer, Kapitän des DHB-Teams, bejubelt einen seiner zehn Treffer im Spieler der deutschen Handballer gegen Brasilien. Bild: dpa

Was für ein Spiel! Angeführt vom starken Kapitän Gensheimer zeigen die deutschen Handball in ihrem zweiten WM-Spiel, welches Potential in ihnen schlummert. Das sorgt nicht nur bei Nationaltrainer Prokop für ausgezeichnete Stimmung.

          Als hätte jemand die Regler noch einmal ein gutes Stück nach oben gedreht: Alles war lauter, dichter, leidenschaftlicher als beim Auftakt dieser WM. „Nochmal ein Level drauf“, sagte Christian Prokop, der Bundestrainer, zur Stimmung in der Arena am Berliner Ostbahnhof am Samstagabend, für Jannik Kohlbacher war es sogar „gefühlt doppelt so laut“. Egal, welcher persönlichen Messung man glauben wollte: Die WM hat mit dem zweiten Spiel so richtig Fahrt aufgenommen für die deutsche Nationalmannschaft – und das nicht nur atmosphärisch. Das 34:21 gegen Brasilien bestätigte vieles, was sich schon beim Eröffnungsspiel gegen Korea (30:19) angedeutet hatte. Nur diesmal auch gegen einen Gegner, der das Zeug hatte, Prokops Team zu ärgern, theoretisch jedenfalls. Auf dem Parkett ließen die Deutschen von Beginn an keinen Zweifel daran, dass sie mit diesem zweiten Spiel so richtig loslegen wollten. Zu sehen war eine Mannschaft, die ausgesprochen fokussiert zu Werke geht, die über ein bombensicheres Fundament in der Defensive verfügt, mit Andreas Wolff als herausragendem Torhüter, und die sich insgesamt so vielseitig und unberechenbar präsentiert, wie Prokop sich das vorgestellt hat. Ob es sein bislang schönstes Spiel als Bundestrainer gewesen sei, wurde er am Samstagabend gefragt, obwohl es ja erst das zweite Gruppenspiel bei dieser WM war. „Ja“, antwortete Prokop überraschend frei heraus, „so kann man sich das vorstellen.“

          Die Gelöstheit des Bundestrainers, sie spiegelte das, was seine Mannschaft zuvor gezeigt hatte. „Das Müssen hat man heute nicht gemerkt“, sagte Prokop über seine Spieler, „sondern, dass sie richtig Lust darauf hatten.“ So darf es nach Lust und Laune des Bundestrainers gern weitergehen. Für einen echten Fingerzeig allerdings, wie hoch hinaus das bei dieser Weltmeisterschaft sein kann, wird man aber schon noch den Dienstag abwarten müssen, wenn es zum Duell mit Frankreich kommt. Zumal beim Team des Weltmeisters nun doch Nikola Karabatic eingetroffen ist, der dreimalige Welthandballer, der im Oktober am linken Fuß operiert worden war. Ein Stresstest wird es auch deshalb, weil es dann das zweite Spiel innerhalb von zwei Tagen sein wird, am Montag geht es zuerst gegen Russland.

          Handball-WM 2019

          Bis jetzt jedenfalls war es ein Start nach Maß und auch nach Drehbuch, wenn man von den Nebengeräuschen absieht, für die der nicht nominierte Tobias Reichmann gesorgt hatte, der sich mit einem unfeinen Seitenhieb in den sozialen Netzwerken in den Spontanurlaub verabschiedet hatte – er gratulierte am Samstag auf demselben Weg, diesmal aber eher mit Humor als mit Bitterkeit. Die Mannschaft hatte da schon die richtige Antwort gegeben und damit die Hoffnungen genährt, dass sie schlau und reif genug ist, sich in ihrer Konzentration nicht stören zu lassen – anders als noch im vergangenen Januar bei der EM, die mit Platz neun endete und Prokops gewiss bitterstem Moment als Bundestrainer.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Bester Werfer gegen Brasilien war wie schon gegen Korea Uwe Gensheimer, zehn Treffer gelangen dem Kapitän diesmal, fünf aus dem Spiel und fünf per Siebenmeter. Es waren aber auch andere, die sich in Szene setzten – zum Beispiel Steffen Fäth, der vier Treffer aus dem Rückraum beisteuerte, der überhaupt nach anfänglichen Problemen zielsicher und variabel zu Werke ging. Den stärksten Eindruck aber hinterlässt bislang die von Hendrik Pekeler angeführte Defensive. Als Torwart Wolff den ersten Wurf der Brasilianer von Toledo parierte, war auch für diesen Abend gleich einmal eine Note gesetzt. Hellwach ging die Deckung zu Werke, die dafür sorgte, dass die Brasilianer kaum in Wurfsituationen kamen, und Wolffs Witterung, wohin die Bälle im Fall der Fälle fliegen würden, schien an diesem Abend nahezu untrüglich. Schon nach zwei Spielen lässt sich sagen, dass eine Basis geschaffen ist, auf die sich höhere Ziele aufbauen lassen. 9:2 hieß es nach einer Viertelstunde, und dieser Sieben-Tore-Vorsprung blieb dann bis zur Pause bis auf minimale Ausschläge konstant, vor allem weil nun auch Fäth seine Wurfkraft in die passende Justierung brachte. Das 13:5 war sein vierter Treffer nacheinander (23.).

          Die Stimmung unter den deutschen Fans in Berlin war bestens.

          Danach hatte es zu Beginn noch nicht unbedingt ausgesehen, vorne waren erst einmal nur Gensheimer und Steffen Weinhold verlässliche Schützen. Und wenn man bislang darüber sprach, was dem deutschen Team fehlen könnte zu einem großen Wurf bei dieser WM, dann waren das leichte Tore aus dem Rückraum, auf die Julius Kühn spezialisiert ist, der aber verletzt fehlt. Derartige Fähigkeiten in Person von Fäth (wieder) zu entdecken, sollte dem deutschen Team weitere Sicherheit geben; gegen Korea hatte er vier Mal getroffen. „Was Steffen in der ersten Halbzeit gespielt hat, war neben der Deckung entscheidend dafür, dass wir uns absetzen konnten“, sagte Prokop. Mit dem 15:8 durch Gensheimers fünftes Tor ging es in die Pause.

          Die Brasilianer hatten am Freitag ein kleines Ausrufezeichen gesetzt, als sie die Franzosen ordentlich ins Schwitzen brachten und nur mit zwei Toren Unterschied verloren. Aber das hatte Kraft gekostet, während die Deutschen einen Ruhetag genießen konnten. Das machte sich in der zweiten Hälfte bemerkbar. Zwar geriet den Deutschen der Auftakt ein wenig fahrig. Dass die Führung dabei nicht schmolz, war abermals das Verdienst der Defensive. Danach spielte das Team die Breite im Kader aus, in dem Franz Semper fehlte, der schon in der Nacht zu Freitag unter Schüttelfrost gelitten hatte. Nun hießen die Torschützen Kohlbacher, Musche oder Böhm. Und als Finn Lemke zum 33:20 ins leere Tor getroffen hatte, fand sich auch der letzte deutsche Feldspieler in der Liste wieder.

          Handball-WM 2019

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