https://www.faz.net/-gtl-9ikp2

Start der Handball-WM : „Für uns alle hat sich ein Traum erfüllt“

  • Aktualisiert am

Volles Haus, gute Stimmung: Die Handball-WM startete in Berlin mit viel Begeisterung. Bild: Reuters

Deutschland startet mit einem klaren Sieg in die Handball-WM. Die Stimmung ist großartig, die Spieler schwärmen. Doch es gibt durchaus noch einige Baustellen im deutschen Spiel.

          Die deutschen Handballer schwärmten noch lange nach ihrem perfekten WM-Auftakt von der tollen Atmosphäre in der Berliner Arena, der Bundestrainer nahm schon die nächsten Aufgaben ins Visier. „Wir wissen alle, dass es nur der Start war und müssen das Spiel schnell hinter uns lassen“, sagte Christian Prokop nach dem lockeren 30:19 (17:10) gegen Korea und fügte mit Blick auf die Partie am Samstag (18.15 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und im ZDF) gegen Brasilien an: „Da wartet ein ganz anderes Kaliber auf uns.“

          Handball-WM 2019

          Die Südamerikaner seien eine Mannschaft, die über „sehr viel Physis“ verfüge. „Sie spielen körperlich hart und aggressiv und sind sehr eingespielt“, sagte Prokop: „Wir spielen aber zu Hause.“ Man wolle die „geile Atmosphäre weiter anfeuern“ und „die Auftritte weiter genießen“. Mit einem weiteren Erfolg kann das deutsche Team bereits die Weichen für den Einzug in die Hauptrunde stellen. Die Spieler schwärmten noch lange nach dem Schlusspfiff von der Stimmung in der ausverkauften Arena. „Als wir die volle Arena gesehen haben und auf das Feld sind, hat sich für uns alle ein Traum erfüllt“, sagte Linksaußen Matthias Musche: „Das Gefühl ist schwer zu beschreiben. Das ist Stolz und Freude.“ Der Magdeburger sprach von einem „schönen Auftaktmatch“.

          Das galt auch für das Zuschauerinteresse: Im ersten Spiel im frei empfangbaren Fernsehen nach rund sechs Jahren sahen durchschnittlich 6,11 Millionen Menschen zu. Das ergab nach Angaben des ZDF einen Marktanteil von 23,6 Prozent. Bei den beiden vorherigen Weltmeisterschaften gab es nur Übertragungen im Bezahl-Fernsehen (2015) und im Internet (2017).

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Die sportlichen Erkenntnisse des erfolgreichen Auftakts bei der Heim-WM hielten sich in Grenzen, auch wenn Prokop die Erkenntnis mitnahm, „dass wir in vielen Bereichen gut funktionieren“. Nun beginnt die taktische Vorbereitung auf die Partie gegen Brasilien. Erst in diesem Spiel wird sich zeigen, wie stabil die deutsche Mannschaft zu Beginn des Turniers bereits ist. Manches war schon gegen Korea gut, anderes noch verbesserungswürdig.

          Abwehr: Auf die Defensive der DHB-Auswahl ist in der Regel Verlass. „Wir haben zwei Abwehrsysteme, die greifen“, sagte Prokop. Das war auch gegen die nicht nur körperlich klar unterlegenen Koreaner der Fall. Dennoch waren Defensivspezialisten wie Patrick Wiencek, Finn Lemke oder Hendrik Pekeler letztlich ein wenig überrascht davon, dass die Schiedsrichter schon für vergleichsweise harmlose Vergehen Zwei-Minuten-Strafen ausgesprochen hatten. „Grundsätzlich ist es immer so, dass die Schiedsrichter versuchen, am Anfang des Turniers die Linie des Weltverbandes durchzusetzen. Deshalb hagelt es da immer unheimlich viele Zeitstrafen“, sagte Pekeler. „Das legt sich im Verlauf des Turniers meistens.“

          Konzentration: Die deutsche Mannschaft verpasste es, ein noch klareres Ergebnis zu erzielen. Das lag wie schon oft in der Vergangenheit an der einen oder anderen Unkonzentriertheit im Abschluss. „Was mir nicht so gefallen hat, ist sicher unsere Chancenverwertung“, sagte Prokop. „Aber das möchte ich heute nicht an die große Glocke hängen.“ Er sagte letztlich gar: „Das wird kein Problem werden. Dafür sind alle stark ausgebildet.“ Zudem habe ihm die geringe Menge an technischen Fehlern gefallen. „Wir haben alle Spieler ins Turnier reingekriegt. Das ist  eine positive Erkenntnis“, sagte Prokop.

          Gradmesser: Nicht nur Prokop ist sich bewusst, dass die Brasilianer ein ganz anderer Gegner werden. Torhüter Andreas Wolff blickte auf seine selbstbewusste Art und Weise auf das nächste Spiel voraus. „Ich freue mich darauf, wenn das Turnier am Samstag richtig losgeht“, sagte der gegen Korea starke Keeper. „Ich kann kaum erwarten, wenn wir ein Spiel auf Spitz und Knopf erleben werden, wie dann die Stimmung über 60 Minuten sein wird.“ Gegen die Brasilianer sollte ein Sieg zwar ebenfalls das klare Ziel sein, einen ersten Vorgeschmack auf die von Wolff erhoffte Spannung dürfte es aber geben.

          Trotz der deutlichen Niederlage gegen Deutschland lobte der Trainer der gesamtkoreanischen Mannschaft den Kampfgeist seiner Spieler. Auf dem Team habe beim Spiel gegen den Weltranglisten-Ersten großer Druck gelastet, sagte der Südkoreaner Cho Young Shin laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap nach dem Match gegen den Ko-Gastgeber am Donnerstagabend in Berlin. „Obwohl wir Außenseiter waren, ließen sich unsere Spieler von den Gegnern nicht einschüchtern, und dafür will ich sie loben.“

          Die aus 16 Süd- und vier Nordkoreanern zusammengesetzte Auswahl musste sich bei ihrem Debüt in mit 19:30 geschlagen geben. Südkoreanische Medien sprachen am Freitag von einem historischen Match, weil es das erste internationale Turnier eines vereinten Handballteams aus Süd- und Nordkorea ist. Die Spieler aus beiden koreanischen Staaten hatten sich am 22. Dezember in Berlin zum ersten Mal getroffen. „Wir hatten nur kurz Zeit, ein Teamwork aufzubauen, doch wir haben unser Bestes versucht“, sagte Cho. Am Samstag tritt sein Team gegen Russland an. Die weiteren Gruppengegner sind Frankreich, Serbien und Brasilien.

          Handball-WM 2019

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          G-7-Gipfel in Biarritz : Jetzt wird es ungemütlich

          Bislang hat Donald Trump auf dem G-7-Gipfel in Biarritz alles und jeden gelobt. Doch an diesem Sonntag stehen die weltweiten Handelskonflikte auf der Agenda. Die Stimmung dürfte frostiger werden – auch bei Angela Merkel.

          Bundesbankpräsident Weidmann : „Ich sehe keinen Grund zur Panik“

          Die Aussichten für die Konjunktur trüben sich ein. Bundesbankpräsident Weidmann hält einen Großeinsatz der Geldpolitik aber für falsch. Im Interview spricht er über den drohenden Abschwung, übertriebene Angst vor Inflation – und warum die Zinsen noch tiefer sinken können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.