https://www.faz.net/-gtl-9j1y1
Bildbeschreibung einblenden

Handball-WM : Der deutsche WM-Traum ist geplatzt

Unüberwindlich: Deutschland (im Bild Fabian Böhm) fand gegen Norwegen kein Mittel. Bild: AFP

Deutschland scheitert im Halbfinale der Handball-WM an eiskalten Norwegern. Das DHB-Team muss nun um Platz drei spielen. Das Finale am Sonntag ist eine rein skandinavische Angelegenheit.

          In der weiteren Reiseplanung hatte es eine eher kurzfristige Änderung gegeben. Die hatte aber nichts mit dem Ausgang des Halbfinales dieser Weltmeisterschaft zu tun, unabhängig davon wollten die deutschen Handball-Nationalspieler Hamburg schon vor Mitternacht verlassen, statt erst am Samstagmorgen. Mit dem Nachtbus nach Dänemark – eine solche Tour aber wirkte wie eine triste Aussicht am späten Freitagabend.

          Handball-WM 2019

          Voll mit Adrenalin, das gewiss, aber eben auch mit dem niederschmetternden Gefühl der Niederlage. Nach dem 25:31 gegen Norwegen geht es am Sonntag (14.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und im ZDF) in Herning um Platz drei statt um den Goldpokal, Gegner ist dann Frankreich. „Wir haben nicht unsere beste Leistung gebracht. Wir haben keine guten Lösungen gefunden und die Verunsicherung mit in den Angriff genommen“, sagte Bundestrainer Christian Prokop.

          Aus dem von den Ausrichtern erhofften dänisch-deutschen Traumfinale ist also nichts geworden, es wird eine Angelegenheit unter Skandinaviern. Vor drei Jahren, bei der Europameisterschaft, hatten die Deutschen Norwegen in der Verlängerung des Halbfinales bezwungen. Diesmal allerdings erwischte das Team einen seiner schwächeren Tage. Die fehlende Verlässlichkeit im Angriff, die sich schon durchs ganze Turnier gezogen hatte, war das größte Problem. Teil davon war auch die Abwesenheit eines Spielgestalters. Einen Steuermann wie die Norweger mit Sander Sagosen besaßen die Deutschen nicht. "Wir haben uns das anders vorgestellt und ein anderes Ergebnis gewünscht", sagte Finn Lemke mit leerem Blick: "Wir haben alles gegeben, aber es hat nicht gereicht."

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Auch die Torhüter boten diesmal nur Durchschnitt, und selbst die sonst so verlässliche Deckung offenbarte mit zunehmender Spielzeit immer größere Lücken, insbesondere, nachdem Hendrik Pekeler sich die dritte Zeitstrafe und damit die Disqualifikation eingehandelt hatte (44,). Zwar trafen zumindest Uwe Gensheimer (sieben Tore) und Fabian Böhm (sechs) verlässlich. In der Summe reichte es aber nicht, Entschlossenheit und Leidenschaft genügten nicht, um andere Defizite auszugleichen. Dazu kam, dass sich das an Grenzen gehende deutsche Spiel schlecht mit der strikten Linie der Schiedsrichter vertrug, die eine oder andere Zeitstrafe wirkte tatsächlich zu hart.

          Während Dänemark gewissermaßen den Expresszug genommen hatte, das 38:30 gegen den nun entthronten Weltmeister Frankreich war eine Demonstration des Tempo- und Torehandballs, besaß dieses zweite Halbfinale einen ganz anderen Charakter. Hier prägten vor allem zu Beginn die Defensivreihen das Spiel, grimmig, zupackend, bisweilen geradezu ringend. Was das anging, legten die Deutschen mit geradezu wilder Entschlossenheit los, und weil vorne auch gleich ein paar leichte Treffer gelangen, führte Prokops Team 3:1. Doch es zeigte sich schnell: Mit dem direkten Weg zum Tor taten sich die Deutschen schwer.

          Zu wurfstark: Der Norweger Magnus Jondal überwindet Andreas Wolff. Bilderstrecke

          So reichte es zunächst zwar für ein Spiel mit wechselnden Führungen, nicht zuletzt weil Gensheimer vom Siebenmeterpunkt zuverlässig traf. Aber je länger die Uhr voranschritt, desto mehr neigte sich das Spiel zu Gunsten der Norweger. Vorne fanden zu viele Würfe nicht ihr Ziel, vor allem von Fäth. Beim 9:11 lagen die Deutschen zum ersten Mal mit zwei Treffern zurück. Wenig später handelten sie sich eine doppelte Unterzahl ein. Es fiel Prokops Team diesmal sichtlich schwer, eine gewisse emotionale Mitte zu finden. Insbesondere Gensheimers Stoß gegen Sagosen schien Ausdruck einer solchen Unwucht. 10:13 hieß es nun, und das bedeutete noch vor der Pause eine erste Crunchtime.

          Der Handball ist auf höchster Ebene angekommen

          Die gestalteten die Deutschen ordentlich. Auch Norwegen war nun doppelt dezimiert, Musche (per Siebenmeter) und Böhm, der präziseste Werfer aus dem Rückraum, verkürzten bis auf ein Tor. Zur Pause allerdings waren es derer zwei, 12:14. Eine heikle Situation, zumal nicht so klar schien, wo Struktur und Strategie herkommen sollten. An Zuspruch hatte es nicht gefehlt.

          Seit dem Umzug von Köln waren verschiedene Mut machende Grußadressen beim Team eingetroffen: Tobias Reichmann, der nicht berücksichtigte Rechtsaußen, wählte die Form des offenen Briefes, von Joachim Löw kam eine Videobotschaft, und Bundeskanzlerin Angela Merkel meldete sich am Donnerstagabend persönlich bei Bundestrainer Prokop, ehe sie am Freitag auch noch einen öffentlichen Gruß per Video hinterherschickte. „Sie haben uns in all den Spielen verzückt mit ihren schnellen Spielzügen, aber auch mit ihrer Kraft und ihrem Zusammenhalt, und das hat sie weit gebracht“, sagte die Kanzlerin. Der Handball ist auf höchster Ebene angekommen.

          Aber es ging noch um sportliche Aufstiegsmöglichkeiten, und das bedeutete eine ziemliche Herausforderung. Dabei erwiesen sich gar nicht einmal die schnellen norwegischen Angreifer als größtes Problem, sondern eher deren sehr bewegliche Deckung. Es ließ sich nach der Pause zwar hoffnungsvoll an, als Wiede verkürzte, doch dann erhielt Kohlbacher eine fragwürdige Zeitstrafe, es war wie bei Pekeler schon die zweite, und wieder legte Norwegen vor, erst mit drei, dann sogar mit vier Treffen, 15:19 (37.). Als Gensheimer und Kohlbacher auf 19:21 verkürzten, kam noch einmal Hoffnung auf, doch dann zielte zuerst ausgerechnet der bis dahin so verlässliche Böhm daneben, Pekeler handelte sich die dritte Zeitstrafe ein. Die Deutschen versuchten zwar alles, aber näher als bis auf zwei Treffer kamen sie den Norwegern nicht mehr. Als Wiede nicht traf, war die Party vorbei. "Jetzt werden wir noch einmal alles reinlegen", versprach Torhüter Silvio Heinevetter mit Blick auf das Spiel um Bronze (Spielplan der Handball-EM 2020).

          Handball-WM 2019

          Weitere Themen

          280 km/h – Mit dem Fahrrad Video-Seite öffnen

          Weltrekord : 280 km/h – Mit dem Fahrrad

          Somit übertraf der Brite den 1995 aufgestellten Spitzenwert von 268 Stundenkilometern. Im nächsten Jahr will Campbell 320 km/h fahren.

          Topmeldungen

          Berlin im Juli 2017: Überschwemmung auf der Märkischen Allee nach einem Unwetter

          Schwierige Stadtplanung : Schwamm drunter!

          Starkregen und Hochwasser bringen Städte immer wieder an ihre Grenzen. Sie müssen sich anpassen – denn der Klimawandel dürfte das Problem noch verschärfen.
          Olaf Koch, 49, ist seit sieben Jahren Vorstandsvorsitzender des Handelskonzerns Metro.

          Metro-Chef Koch im Interview : Ist Ihr Job noch sicher?

          Metro-Chef Olaf Koch hat eine feindliche Übernahme durch den tschechischen Milliardär Křetínský abgewehrt, doch die Probleme bleiben. Wie geht es mit dem Handelskonzern und ihm selbst weiter?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.