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Handball-Nationalteam : Erst Steakhaus, dann ab in die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: Die deutsche Mannschaft um Kapitän Uwe Gensheimer muss die Niederlage zum Abschluss der Handball-WM verkraften. Bild: dpa

Die deutschen Handballspieler sind nicht clever genug für Platz drei. Eine dennoch gelungene WM lassen sie im Steakhaus ausklingen. Der DHB sieht sich gut aufgestellt für die kommenden Jahre.

          Andreas Wolff wollte das Spielfeld der „Jyske Bank Box“ erst verlassen, als der Ordnungsdienst begann, hinter ihm sauberzumachen. Da mussten nämlich frische weiße Handtücher auf die Stühle für das Finale dieser Handball-WM. Wolff, der ehrgeizigste deutsche Spieler, saß da wie einer, der den allerletzten Bus nach Hause verpasst hat. Redete mit sich selbst, schüttelte den Kopf, stampfte mit dem Fuß auf, als erlebe er das Spiel gerade noch einmal. „Wir haben uns durch unsere eigenen Dummheiten um die Medaille gebracht“, sagte Wolff, „es war einfach nur bitter. Wir spielen in den letzten Sekunden einen Harakiri-Pass, anstatt das Ding runterzuspielen.“

          Handball-WM 2019

          Mit am Ende flatternden Nerven unterlag das deutsche Team im Spiel um Platz drei Frankreich 25:26. Cleverness aber war das ganze Turnier über keine deutsche Tugend. Dieser vierte Platz fühlte sich wie ein lausiger Trostpreis an, denn die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop versäumte es, sich sowohl für eine gute erste Halbzeit (13:9) zu belohnen, noch brachte ihr der harte Kampf der Schlussphase etwas: Nikola Karabatics Tor per Gegenstoß in der letzten Sekunde ließ die Deutschen zunächst alle Freude über eine alles in allem gelungene WM vergessen.

          Frust aus den Kleidern geschüttelt

          Es sprach eine halbe Stunde nach Abpfiff für Prokop, bei allem Frust die richtigen Worte für das Erlebte zu finden. „Ich bin stolz auf diese Mannschaft. Es war eine intensive Zeit, und es sind eine Menge Eindrücke zu verarbeiten. Bis auf das Endergebnis ist die WM so gelaufen, wie wir es erträumt haben. Aber wir hätten heute Abend gern auf dem Treppchen gestanden. Ich bin meinem Trainerstab dankbar und werde mit den Trainern anstoßen auf das, was wir geschaffen haben. Das muss nun mit Nachhaltigkeit gefüllt werden. Wir müssen nach dieser WM in die Vereine gehen. Daraus haben wir gelernt von 2007“, sagte der Bundestrainer.

          Es wäre neben der perfekten Organisation des Deutschen Handballbundes (DHB) vor allem das Verdienst Prokops und der Mannschaft, sollte Handball nicht rasch wieder von der Agenda verschwinden. Wie schnell alles gehen kann, konnte man am Sonntag in Herning quasi fühlen. Das 25:25 aus der Vorrunde in Berlin gegen Frankreich schien Jahre zurückzuliegen. So eine WM bietet dichte Erlebnisse am laufenden Band. Jenes Spiel mit dem späten Ausgleich der Franzosen hatte neben dem Sieg gegen Brasilien den Grundstein für den weiteren Weg durchs Turnier gelegt.

          Beeindruckend, wie sich Prokops Spieler den Frust von der Halbfinal-Niederlage gegen Norwegen am Freitag aus den Kleidern schüttelten und nun eine gute erste Halbzeit hinlegten. Hinten stand man stabil mit einem lange ordentlichen Andreas Wolff, vorne war es wackelig, es war fehlerhaft, aber was Einsatz und Willen betraf, leisteten die Deutschen Maximales in diesem zehnten Spiel seit dem 10. Januar. Die 13:9-Pausenführung schien eine gute Grundlage für den dritten Platz zu sein. Im zweiten Durchgang aber spielte Frankreich etwas strukturierter, verteidigte etwas offensiver, das reichte, um die Deutschen aus dem Tritt zu bringen. Prokops Team verteidigte leidenschaftlich, verpasste aber die Belohnung.

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