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Handball-Nationalteam : Erst Steakhaus, dann ab in die Zukunft

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So verließen die deutschen Handballspieler die Arena schwer enttäuscht und fuhren später ins kleine Herning in ein Steakhaus, um die WM gemeinschaftlich ausklingen zu lassen (Spielplan der Handball-EM 2020). Zumindest einmal hatten sich die Deutschen dem Ko-Gastgeber angenähert – ansonsten hatte Deutschland seine Veranstaltung und die Dänen hatten ihre ausgetragen. Für kommende Großturniere im Handball, die in zwei oder sogar drei Ländern stattfinden werden, war diese nie gelebte Partnerschaft kein Vorbild. DHB-Vizepräsident Bob Hanning hatte es am Wochenende halb im Scherz so ausgedrückt, dass das Finale in der jütländischen Heide der „einzige Fehler“ gewesen sei, den sich Weltverbandspräsident Hassan Moustafa erlaubt habe – bei den dänischen Ausrichtern sah man das natürlich ganz anders, gilt die „Jyske Bank Box“ doch als stimmungsvollste Arena das Landes. Zudem bietet das Gelände auf der grünen Wiese genug Platz für eine große Fanzone.

Hanning hatte auch noch einmal die Rolle Prokops angesprochen. Die große Frage, die aus deutscher Sicht über diesem Turnier schwebte, war ja, ob Team und Trainer nach dem Zerwürfnis bei der EM 2018 zueinander finden würden. Hanning sagte: „Ich habe Christian bei diesem Turnier so erlebt, wie ich ihn kenne – mit allen Stärken, die er hat. Für mich war es damals auch nicht das Thema, ob ich ihm das zutraue, sondern schafft es die Mannschaft, sich auf den Trainer einzulassen und gemeinsam etwas zu bewegen? Und beide Seiten haben einen phantastischen Job gemacht, sowohl die Mannschaft als auch der Trainer.“ Dieser Schulterschluss war das ganze Turnier über sichtbar: Hier war eine Einheit von 18 Spielern und zwei Trainern wild entschlossen, die „Einmal-im-Leben“-Chance beim Schopfe zu packen.

Der DHB sieht sich gut aufgestellt

Gelungen ist das nicht. Andere, weichere Ziele wurden erreicht. Wie hatte Prokop gesagt: „Wir sind ja vor ein paar Wochen hier angetreten und wollten unsere Sportart populärer machen. Wir wollten viele tolle Gesichter einblenden, wir wollen nachhaltig gut sein, damit der Handball auch in den Schulen wieder mehr frequentiert wird. Da hat die Mannschaft einen Riesenjob gemacht.“ Beim zweiten großen Turnier in Verantwortung ist der Mann aus Köthen in Sachsen-Anhalt, der mit seiner Familie in Leipzig lebt, also ziemlich weit gekommen. Weit genug, um alle alten Zweifel zu zerstreuen?

Ein Sieger des Turniers: Bundestrainer Christian Prokop (rechts).
Ein Sieger des Turniers: Bundestrainer Christian Prokop (rechts). : Bild: Reuters

Der DHB findet ja und sieht sich gut aufgestellt für das Fenster bis zur Heim-EM 2024. Prokop hat einen Vertrag bis 2022. Er wird die Breite des Kaders weiter nutzen, muss aber darauf hoffen, dass Figuren wie Fabian Böhm, Paul Drux und vor allem Steffen Fäth sich in den Klubs weiterentwickeln. Der deutsche Rückraum braucht mehr Qualität in der Spielsteuerung, und ein ordentliche Prise Cleverness wäre auch wünschenswert, um in einem Jahr bei der EM nicht wieder mit leeren Händen dazustehen.

Handball-WM 2019

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