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Handball-WM 2017 im Internet : „Das hat nichts mit objektiver Berichterstattung zu tun“

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So wird man Torhüter Andreas Wolff bei der WM höchstens über die Internetseite eines DHB-Sponsors beim Jubeln zusehen können. Bild: Picture-Alliance

Erstmals wird mit der Handball-WM eine sportliche Großveranstaltung ausschließlich von einem Sponsor übertragen. Die Fans bejubeln die Einigung in letzter Minute. Doch noch sind viele Fragen offen – und auch die Kritik ist groß.

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          Nach dem überraschenden Coup eines Sponsors des Deutschen Handball-Bundes im Ringen um die Übertragung der Handball-Weltmeisterschaft ist im deutschen Sport eine heftige Diskussion entbrannt: Für die Fans ist das Sponsoren-TV vom Turnier in Frankreich wahrscheinlich besser als nichts – Fernsehsender und andere Medien-Unternehmen sehen in der Einigung allerdings schon jetzt eine Bedrohung der freien Berichterstattung. Die exklusiven Live-Übertragungen über die Internetseite der Deutschen Kreditbank (DKB) sind eine Notlösung und zeigen zugleich die rasanten Änderungen auf dem Medienmarkt.

          Klassische TV-Anbieter sehen das ebenso kritisch wie der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS): „Wehret den Anfängen. Wenn nicht Journalisten das Geschehen filtern, sondern PR-Leute, dann hat das nichts mit objektiver Berichterstattung zu tun“, sagte VDS-Präsident Erich Laaser am Freitag der Deutschen Presse-Agentur: „Das ist ein Präzedenzfall.“ Gerade in der heutigen Zeit brauche man Journalisten zum Einordnen, sagte Laaser. Man müsse die WM-Berichterstattung durch die Bank „genau beobachten, ob sie tendenziös ist“. Der VDS-Präsident sieht die „schreibenden Journalisten“ in Frankreich als „Korrektiv“.

          Wer kommentiert?

          Fünf Tage vor Turnierbeginn sind viele Details der geplanten Übertragungen noch gar nicht geklärt. Wer kommentiert? Reicht die Bandbreite deutschlandweit für den Empfang? Können die Fans ihren Stream auf einem klassischen Fernseher abspielen? Die DKB hatte am Freitag noch keine Antworten und will „in den nächsten Tagen weitere Details bekanntgeben“. Zum ersten Mal werden bewegte Bilder von einer Sport-Großveranstaltung nur auf der Homepage eines Sponsoren zu sehen sein. (Zudem können Sie die Spiele auch im Liveticker auf FAZ.NET verfolgen).

          Der Deutsche Handballbund (DHB) ist der DKB für ihr kurzfristiges Eingreifen logischerweise dankbar, hätte sich aber am liebsten eine Übertragung im öffentlich-rechtlichen TV gewünscht: „Wir haben die Situation, dass wir als Europameister nach Frankreich fahren und wir haben keine Bilder in ARD und ZDF“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann der dpa. Er frage sich, wie die Politik reagiert hätte, wenn es etwa von der Fußball-EM im vergangenen Sommer absehbar keine TV-Bilder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gegeben hätte. Trotzdem sei er sehr froh, dass die DKB eingesprungen sei. Michelmann sagte, dass der DHB dabei sei, professionelle Sport-Kommentatoren für die Übertragung der Spiele zu gewinnen.

          Den Vorwurf mangelnder Neutralität bei den Übertragungen weist Stefan Felsing von der Agentur Lagardère derweil zurück. „Da fehlt mir die Fantasie“, sagte der Vizepräsident des Sportvermarkters, der den Deal eingefädelt hat. „Wer auch immer die Spiele kommentieren wird, wird ja nicht sagen, dass der Siebenmeter deshalb verwandelt wurde, weil der Spieler einen Kreditvertrag bei der DKB hatte.“ Der qatarische Rechteinhaber beIN Media hatte die Angebote mehrerer Medien-Unternehmen abgelehnt und der DKB über Lagardère Sports den Zuschlag erteilt. „Ein neues Kapitel Sportgeschichte“, lautete der wenig bescheidene Kommentar von Jung-von-Matt-Geschäftsführer Robert Zitzmann, dessen Agentur beratend tätig war.

          Klassische Medien-Unternehmen kamen nicht zum Zug, lange drohte ein kompletter Blackout. Dass es überhaupt bewegte Bilder gebe, sei für die Fans erfreulich, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Doch die Berichterstattung durch ein werbetreibendes Unternehmen werfe viele Fragen auf. Als „sehr missliche Situation“ bezeichnete das ZDF die ausschließliche TV-Berichterstattung über die DKB-Homepage. „Interessant ist, dass hier ein Sponsor mit klaren Sponsoringinteressen offenbar als Rundfunkveranstalter mit einer Sendelizenz auftreten möchte.“ Balkausky hält Sponsoren-TV für „keine Alternative zum frei empfangbaren Fernsehen mit dessen journalistisch-qualitativer Herangehensweise, mit dessen Reichweite und dessen Zuschauerakzeptanz“.

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          Die Gesellschaft in Deutschland müsse „entscheiden, welche Sportereignisse auch in Zukunft in frei empfangbaren, linearen Angeboten zu sehen und geschützt sein sollen“, sagte Balkausky. Die Erfahrung beim Thema Handball-WM zeige sehr deutlich. „Hier wurden konsequent alle deutschen Free-TV-Sender von der Teilnahme an Rechteverhandlungen ausgeschlossen, zum Schutz von Pay-Angeboten in anderen europäischen oder nordafrikanischen Ländern.“

          Handballbund sichert sich Public-Viewing-Rechte für WM

          Nach der Notlösung bei der Übertragung von Livebildern der WM in Frankreich hat sich der Deutsche Handballbund (DHB) die Public-Viewing-Rechte für das Turnier gesichert. Die Rechte für die deutschen Spiele sollen kostenfrei an die Vereine und Verbände weitergegeben werden, wie der DHB am Freitag mitteilte. „Wir rufen alle Handball-Fans in Deutschland zum Public Viewing auf“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF sollen einem Bericht des RedaktionsNetzwerks Deutschland zufolge noch nicht einmal die Zweitverwertungsrechte bekommen. Demnach verhandelt darüber die ProSiebenSat.1-Gruppe mit dem Rechteinhaber beIN. (dpa)

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