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Handball-WM : Wieder nur Zuschauer

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Er sollte der Leistungsträger sein, aber jetzt heißt es wieder nur zuschauen. Für Welthandballer Daniel Stephan wird die am Dienstag startende WM lediglich auf dem Bildschirm stattfinden.

          Das Aushängeschild des deutschen Handballs ist verletzt. „Alle Arbeit konzentriert sich darauf, dass ich am 10. Februar gegen Minden wieder einsatzbereit bin“, sagt Daniel Stephan. Wenn am kommenden Dienstag in Frankreich die Weltmeisterschaft beginnt, muss er wieder einmal zuschauen. Wieder einmal ist es die Hand. Seinen letzten Erfolg mit der deutschen Nationalmannschaft feierte der Rückraumspieler im Mai 1998 bei der Europameisterschaft, als er das deutsche Team auf Rang drei führte. Ende 1998 erlebte er seinen persönlichen Triumph: Der Spielmacher des TBV Lemgo wurde zum Welthandballer des Jahres gewählt.

          Reha statt Medaillenjagd

          Im Januar 2001 sieht die Welt ganz anders aus. Während die stark verjüngte Nationalmannschaft, die Bundestrainer Heiner Brand eigentlich um Daniel Stephan aufbauen wollte, bei der WM um Anerkennung kämpft, bereitet sich der 27-Jährige nach einer erneuten Verletzungspause in Ostwestfalen auf die Bundesliga-Rückrunde vor. „Ich trainiere sehr fleißig und hoffe, dass ich in der Vorbereitung einige Spiele absolvieren kann, um wieder 100prozentig in Form zu kommen." Die WM gibt es für ihn nur am Bildschirm, mit gemischten Gefühlen und Daumendrücken. „Seit ich dem Bundestrainer mitgeteilt habe, dass ich die WM nicht spiele, ist natürlich viel Zeit vergangen, aber je näher die WM rückt, desto trauriger werde ich." Ein Trost bleibt ihm: Seit Mitte Januar befindet er sich mit Lemgo im Mannschaftstraining und hat zum ersten Mal nach Monaten wieder einen Handball in Händen gehabt. „Das fühlt sich mal wieder ganz gut an."

          Pech an Händen und Füßen

          Vor der WM 1999 in Ägypten brach er sich im letzten Vorbereitungsspiel gegen Dänemark den Daumen. Im darauffolgenden Herbst zog sich Daniel Stephan einen Bänderriss zu. Zwar war der Nationalmannschafts-Regisseur dann im Januar 2000 bei der EM in Kroatien wieder dabei, doch im Februar wurde er erneut an der Hand operiert. Zweieinhalb Stunden dauerte der Eingriff, danach folgte eine fünfmonatige Pause. Für die Olympischen Spiele in Sydney quälte sich der Rechtshänder durch alle Rehabilitations-Maßnahmen, aber auch in Australien klebte das Pech an seinen Turnschuhen. Nachdem der Spielmacher umknickte, fiel er für den Rest des Turniers mit einer Bänderdehnung und einer Kapselverletzung im Knöchel aus. „Drei Wochen nach Olympia war ich wieder fit und habe gespielt, um mich dann fünf Wochen später wieder zu verletzen. Eine Absplitterung am Daumen verdonnerte mich wieder zum Zuschauen."

          Was Daniel Stephan nicht mehr miterleben möchte, das sind Reha-Maßnahmen. „Ich habe viel Krafttraining gemacht, Badminton und Tennis gespielt. Das sind alles Dinge, die nichts mit dem Handball zu tun haben, aber eben für die Kräftigung der Muskulatur in Arm und Hand gut sind. Die Ausdauerläufe kann ich gar nicht mehr zählen, mein Laktatwert müsste sehr gut sein." Beim Physiotherapeuten der Nationalmannschaft, Peter Greschus, trat er morgens um neun Uhr zur Reha an, Feierabend war um halb drei. Anschließend trainierte er zuweilen mit den Zweitliga-Fußballern des SSV Reutlingen.

          Ein Titel mit Lemgo, dann nach Barcelona

          Seinen Vertrag beim TBV Lemgo bis 2003 will Daniel Stephan erfüllen, erst dann käme für ihn ein Wechsel in das Ausland in Frage. Wie bei den meisten anderen Handballern ist der FC Barcelona das Traumziel. „Es ist schwer vorstellbar, dass ich innerhalb der Bundesliga wechseln werde. Nach Kiel werde ich nicht gehen, das steht für mich fest. Da kann ich genauso in Lemgo bleiben." Mit seinem Club, mit dem er noch im Europacup, dem DHB-Pokal und in der Spitzengruppe der Bundesliga vertreten ist, hat er sich wenigstens einen Titel vorgenommen. „Das ist das Ziel der Mannschaft und das ist auch mein Ziel."

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