https://www.faz.net/-gtl-xuyz

Pascal Hens : Der Unverzichtbare

  • -Aktualisiert am

„Die jungen Spieler schauen zu Pascal auf”, sagt Bundestrainer Heiner Brand Bild: dpa

Pascal Hens war zuletzt oft verletzt, und wenn er spielte, glänzten andere. Doch bei der Handball-WM ist ausgerechnet er die deutsche Hoffnung. In der Auswahl von Bundestrainer Heiner Brand zählen die alten Heldentaten noch mehr als im Verein.

          4 Min.

          Er hat schon einiges mitgemacht an diesem verschneiten Tag, er hat seine Schuhe ausgezogen um zu zeigen, wie groß seine Füße sind und seine Hände aus demselben Grund in die Kamera gehalten. Er hat etwas zu seiner brachliegenden Frisur gesagt, zu seinem Markenzeichen, dem Irokesen, der sich nur noch manchmal auftürmt, meistens aber als golden gefärbter Streifen auf der Kopfhaut ruht. Hens hat beim letzten großen Medientreffen vor der am Donnerstag beginnenden Weltmeisterschaft in Schweden also schon viele Wünsche erfüllt. Doch keiner davon hatte direkt mit Handball zu tun. Und trotzdem möchte dann noch jemand ganz genau wissen, wie er sich denn als Vater fühle. Im Sommer 2010 wurde Sohn Noah Ben geboren. Von der Geburt über das Wickeln bis zum Stillen soll Hens nun am besten alles erzählen. Da wird es dem immer auskunftsfreudigen Medienprofi plötzlich zu bunt: "Keine Ahnung, wie das Stillen ist. Macht ja meine Frau. Und jetzt lasst uns über Handball reden." Abrupt dreht er sich weg.

          Es ist in letzter Zeit ziemlich häufig vorgekommen, dass sich Menschen mit dem bekanntesten deutschen Handballspieler nicht über seinen Beruf unterhalten wollten, sondern über die Familie, die Karriereplanung oder seine welkende Frisur. Hens, der Handballer, war so oft verletzt seit dem deutschen WM-Triumph 2007 mit ihm in einer Hauptrolle, und wenn er spielte, glänzten andere. Vor allem im Trikot des HSV Hamburg war das so. Deshalb wurde der Bürger Hens irgendwann interessanter, der Ehemann, der Vater. Doch nur vom großen Namen und dem Ruhm vergangener Tage zu leben ist kein Ausweg für einen, der mit ganzem Herzen und sein ganzes Leben Handballer ist.

          Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainer

          Pascal Hens, 30 Jahre alt, hat sich zäh durch jede Reha gebissen, ist reifer geworden, ohne die Lockerheit zu verlieren, und hat inzwischen die Rollen akzeptiert, die er im Verein und im Trikot des Deutschen Handball-Bundes (DHB) noch ausfüllen kann. Dabei zählen in der Auswahl von Bundestrainer Heiner Brand die alten Heldentaten noch mehr als im Verein. Im Sommer 2010 machte ihn Brand vor den EM-Qualifikationsspielen gegen Griechenland zum Kapitän. Hens trägt die Binde mit größerer Gelassenheit als sein Vorgänger Michael Kraus, der mit der größeren Verantwortung eher schrumpfte als wuchs. Hens sagt vor seinem ersten großen Turnier als Spielführer: "Ich mache mir keine Gedanken darüber. Der Trainer hat es mir damals beim Lehrgang gesagt, und das war's. Wir sind alle gleichgestellt. Ich bin nur das Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainer."

          Pascal Hens ist reifer geworden, ohne die Lockerheit zu verlieren

          Die Rolle des Kapitäns ist im Handball weniger hervorgehoben als im Fußball. Aber trotzdem war es mehr als eine Geste, dass Brand ihn derart beförderte. "Die jungen Spieler schauen zu Pascal auf. Es ist in seiner Persönlichkeit festgelegt, dass er Einfluss nimmt. Er ist als Person viel weiter als Michael Kraus, den die Binde doch eher zu hemmen schien", sagt Brand. Von einigen Kollegen ist zu hören, dass Hens sich nicht mit Reden - oder wie sie sagen "Gequatsche" - hervortut. Er wolle sich nicht als Chef aufspielen. "Wenn es etwas zu regeln gibt, löst er Probleme im Dialog mit der Mannschaft", sagt Linksaußen Torsten Jansen.

          Weitere Themen

          FC Bayern trifft auf Olympiakos Video-Seite öffnen

          Champions League : FC Bayern trifft auf Olympiakos

          Am dritten Spieltag müssen die Bayern nach Griechenland zu Olympiakos Piräus, dem Tabellen-Dritten in der Gruppe B. Trainer Niko Kovac warnte auf der letzten Pressekonferenz vor der Partie und vor dem Gegner.

          „Es muss alles besser werden“

          Sorgen beim FC Bayern : „Es muss alles besser werden“

          Drittes Spiel, dritter Sieg: Doch die Münchner zeigen in der Champions League in Piräus viele Mängel. Sportdirektor Salihamidzic übt deutliche Kritik. Dazu kommt Verletzungspech. Der nächste Spieler fehlt lange.

          Topmeldungen

          Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde.

          Wechsel an der EZB-Spitze : Draghi und die Deutschen

          Nirgendwo ist EZB-Präsident Mario Draghi, der am 31. Oktober abtritt, auf so viel Protest gestoßen wie in Deutschland. Am Ende hat er die Macht der Europäischen Zentralbank überdehnt. Eine Bilanz.

          Video-Filmkritik: „Terminator 6“ : Killermaschinistinnen vor!

          Der sechste Film der „Terminator“-Reihe ignoriert die Teile drei, vier und fünf zugunsten einer gigantischen Karambolage zahlreicher Gegenwartsprobleme und Zukunftsaussichten: „Terminator: Dark Fate“ ist ein Katalog der Körperpolitik für Menschen und Maschinen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.