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Handball-WM : Das schwedische Intermezzo

  • -Aktualisiert am

Bundestrainer Heiner Brand: Vier Endspiele in der Vorrunde Bild: dpa

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft spielt bei der Handball-WM um ihren guten Ruf. Minimalziel ist Platz sieben, die Zulassung zur Olympiaqualifikation. Zum Auftakt erwartet Bundestrainer Brand am Abend einen Sieg gegen Ägypten.

          3 Min.

          Es ist ein beschauliches Fleckchen Schweden, jedenfalls im Winter. Kristianstad bietet Ruhe, sehr viel Ruhe, seine Straßen sind abends fast menschenleer. Dafür erstrahlt das Städtchen in Südschweden in besonderem Glanz, sein Lichterschmuck erinnert noch ein bisschen an Weihnachten. Aber jetzt soll ja ein anderes Fest in Kristianstad stattfinden, ein Handballfest, der Ort beherbergt immerhin einige der renommiertesten Mannschaften der Welt. Frankreich, zum Beispiel, oder Spanien, die Deutschen sind seit Donnerstag ebenfalls da. Allerdings wird für sie das Unternehmen Weltmeisterschaft nicht in Kristianstad beginnen, sondern in Lund. Dort gibt das Team von Bundestrainer Heiner Brand an diesem Freitag (18.15 Uhr/ live in der ARD und im Handball-WM im FAZ.NET-Liveticker ) gegen Ägypten seinen Einstand in das Turnier, bei dem es um sehr viel geht für den deutschen Handball. Allerdings weiß man nicht so genau, was man den Deutschen wirklich zutrauen kann.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Auf alle Fälle stehen sie vor einer schweren Vorrunde: Brand hat von vier Endspielen bereits in den nächsten Tagen gesprochen. Diese Einschätzung bezieht sich auf die Duelle mit den Franzosen und den Spaniern, mit Ägypten und Tunesien, lediglich der Gegner Bahrein wird als ein absolutes Leichtgewicht des Handballs betrachtet. Deutschland muss mindestens Dritter der Gruppe werden, um die Hauptrunde in Jönköping zu erreichen.

          Und generell wird als Minimalziel Platz sieben ausgegeben, das wäre die Zulassung zu einem Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2012 in London – nur der Weltmeister sichert sich direkt die Olympiateilnahme. „Jeder Spieler weiß das natürlich“, sagt Brand über die olympische Dimension der WM, „wir haben darüber gesprochen.“ Vermutlich wird der Gummersbacher sehr eindringlich auf die Bedeutung des schwedischen Intermezzos hingewiesen haben.

          Neuer Hoffnungsträger: Linksaußen Uwe Gensheimer

          Kampf um den guten Ruf

          Die Deutschen haben immerhin gute Erinnerungen an Schweden, dort wurde im Jahr 2002 die „Generation Gold“ geboren. Zwar hatte das deutsche Team damals das Finale der Europameisterschaft gegen Schweden verloren, trotzdem wurde eine besondere Ära begründet. Nach 2007 jedoch, nach dem WM-Titel im eigenen Land, gerieten Brands Spieler ein wenig ins Schlingern, 2010 erlebten sie als Zehnte der Europameisterschaft in Österreich sogar einen Absturz.

          Auch wenn Brand nun nicht von einer Wiedergutmachung reden mag, kämpfen die Deutschen in Schweden um ihren Ruf und um das sportliche Morgen, sie sind auf der Suche nach frischer Stärke. „Die WM 2011 wird sehr wichtig für den deutschen Handball“, sagt der frühere Nationalspieler Florian Kehrmann, „nach drei Großereignissen, die nicht sonderlich erfolgreich waren, geht es nun um die Zukunft.“ Kehrmann war vor fast zehn Jahren Mitglied eines aufstrebenden Teams.

          Unsicherheit auf mancher Position

          Zumindest gibt es inzwischen wieder einige positive Signale. Die Deutschen wirken, obwohl sie zuletzt zweimal auf Island verloren, deutlich stabiler als in Österreich, ohne deswegen aber gleich zum Kreis der Favoriten der WM gezählt zu werden. Der Hamburger Pascal Hens glaubt darin sogar einen Vorteil für sein Team zu erkennen. „Mit uns rechnet keiner“, sagt der neue Kapitän, „das ist eine gute Ausgangsposition.“ Für Brand hatte sich überdies eine ungewohnte Situation ergeben: Er konnte, anders als früher, aus einem größeren Reservoir an Spielern schöpfen und sich dabei sogar den Luxus leisten, auf den Hamburger Torsten Jansen zu verzichten, der jahrelang einer der zuverlässigsten deutschen Handballer gewesen war. „Ich hatte die Qual der Wahl“, sagt der Bundestrainer.

          Trotzdem herrscht auf manchen Posten eine gewisse Unsicherheit, zum Beispiel im rechten Rückraum, wo Holger Glandorf nach einer Meniskus-Operation erst auf Island wieder ins Team zurückkehrte. Es ist fraglich, wie er mit den Belastungen in Schweden zurechtkommen wird. Der Ersatzmann, der Gummersbacher Spätzünder Adrian Pfahl, hat wenig Erfahrung mit internationalen Aufgaben – er gibt im Alter von 28 Jahren sein WM-Debüt.

          Dafür wird Brand sich wohl – wie fast immer – auf exzellente Torhüter verlassen können, auf den extrovertierten Berliner Silvio Heinevetter und den erprobten Hamburger Johannes Bitter. Und er dürfte große Hoffnungen auf Linksaußen Uwe Gensheimer setzen, der sich bei den Rhein-Neckar Löwen zu einer Führungsfigur entwickelt hat und in der Bundesliga inzwischen als einer der besten Angreifer gilt. Das sei ein neuer Stern in der Handballwelt, sagt auch Jörn-Uwe Lommel, der deutsche Trainer der Ägypter.

          Überhaupt traut Lommel den Deutschen einiges zu. „Ich sehe keine Schwachstelle“, behauptet Lommel, „die sind auf dem richtigen Weg.“ Und er ist so angetan von Brand und dessen Arbeit, dass ihm schwant: „Die können definitiv für eine Superüberraschung sorgen.“ Er hat das – ohne jeden Zweifel – positiv gemeint.

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