https://www.faz.net/-gtl-6kuti

Handball : Der Torwart und die Kommissarin

  • -Aktualisiert am

Auf dem Feld „ein positiv Bekloppter”:Silvio Heinevetter könnte der neue deutsche Handball-Star werden Bild: dpa

Verrückte Paraden und eine ungewöhnliche Beziehung: Silvio Heinevetter hat das Zeug zum neuen Star des deutschen Handballs. Der Rummel um ihn und Schauspielerin Simone Thomalla nimmt kein Ende.

          3 Min.

          Die Zuschauer johlen, als die „Tatort“-Melodie zum Siebenmeter gespielt wird. Es ist ein etwas flacher Humor, alles, was mit Silvio Heinevetter zu tun hat, nun auf den Sonntags-Krimi zu reduzieren, weil seine Freundin Simone Thomalla dort die Kommissarin gibt. Aber der Handball gehört längst zur Unterhaltungsindustrie. Also stellt sich Heinevetter zu den bekannten Klängen ungerührt ins Tor und bereitet sich auf die Abwehr des Wurfes vor. Er höre die Musik schon gar nicht mehr, sagt er später.

          Trotz der bekannten Namen an diesem Abend im Spiel beim HSV Hamburg, trotz Hens, Bitter, Jansen, ist der eigentliche Star Silvio Heinevetter, 26 Jahre alt, geboren in Bad Langensalza, derzeit für die Füchse Berlin im Einsatz. Die Arena ist mit 13.000 Zuschauern ausverkauft, weil die Füchse als Bundesliga-Tabellenführer zum HSV kommen. Aber auch, weil die Boulevardzeitungen die wichtigste Frage des Abends schon beantwortet haben: Ja, Simone Thomalla wird da sein und bringt sogar ihre Tochter mit.

          Das Glück der HSV-Fans wird komplett, als sich abzeichnet, dass Heinevetter die ideale Zielscheibe für Pfiffe und Spott abgibt: Er ärgert sich als einziger Berliner wahnsinnig über die Niederlage, legt sich mit den Nationalmannschaftskollegen beim HSV an, schimpft auf die Schiedsrichter, reagiert nicht, als sein Trainer ihn wegen schwacher Leistungen auswechseln will. Dann wieder fliegt er quer durch die Luft und pariert großartig; wie von einem Messerwerfer geschleudert, fliegen seine Bälle nach vorn, um einen Tempogegenstoß einzuleiten. Silvio Heinevetter hat das Zeug zum neuen Star des deutschen Handballs, sein Torwartspiel ist einzigartig. „Auf dem Feld bin ich ein positiv Bekloppter“, sagt er, „insgesamt bin ich aber ein eher relaxter Typ. Es gelingt mir ganz gut, mich für die Spiele heiß zu machen. Es wäre doch auch doof, mit einem Schlafzimmerblick aufzulaufen.“

          Das neue Leben: Mit Thomalla und den Effenbergs auf dem Oktoberfest
          Das neue Leben: Mit Thomalla und den Effenbergs auf dem Oktoberfest : Bild: dpa

          Eine Formkrise muss an den Ablenkungen liegen

          Der Handball ist etwas aus dem Blickfeld der Sportöffentlichkeit gerutscht zuletzt. Seit dem Weltmeistertitel 2007 sind die Leistungen der deutschen Nationalmannschaft mäßig. Die Bundesliga kämpft mit den alten Problemen: undurchsichtiger Spielplan, Überbelastung, Dominanz der Immergleichen. Hinzu gesellen sich seit der Kieler Manipulationsaffäre Zweifel, ob es bei den Ballwerfern denn wirklich ehrlich zugeht.

          Mitten im Abschwung kommt dann einer, der schon durch seine verrückten Paraden auffiel und nimmt sich Ende 2009 Assauers Ex zur Freundin. Es bebte in der Branche. „Plötzlich musste ich 50 Pressekarten mehr ausgeben“, sagt der Berliner Manager Bob Hanning, „weil Gala, Bunte und wie sie alle heißen auch Handball sehen wollten.“ Die Max-Schmeling-Halle ist neuerdings ausverkauft, wenn die Füchse spielen, und Simone Thomalla sitzt unter den Fans. „Simone hatte keine Ahnung vom Handball“, sagt Heinevetter, und er will gar nicht so tun, als habe sich das groß geändert: „Es ist auch gut so. Ich würde mir auch nie anmaßen, mich in Simones Angelegenheiten einzumischen.“

          Für Heinevetter begann eine neue Zeit als unbekannter Mann an der Seite einer berühmten Frau. „Simone Thomalla und ihr Handballer“, hieß es fortan, so, als habe er keinen Namen. „Bunte“ und „Gala“ schauen ihm auf die Finger, gieren nach neuen Bildern, wittern bei jeder Kleinigkeit sofort eine Krise, das mögliche Aus der ungewöhnlichen Beziehung. Was Heinevetter auch tat, wurde in Beziehung zur knapp 20 Jahre älteren Freundin gesetzt: Als es in der letzten Rückrunde schlechter lief und Heinevetter auf der Bank saß, musste das doch mit den Ablenkungen des neuen Lebens zu tun haben. Ein normales Formtief für einen, der fast immer durchspielt, schien ausgeschlossen.

          Er mag an ihr „einfach alles“

          Heinevetter sagt: „Es nervt einfach nur, wenn man mich darauf reduziert. Aber ich werde mich deswegen nicht verkriechen.“ Er fand trotz des Rummels wieder zu seiner Form, half mit, die Berliner ins gesicherte Mittelfeld zu führen und spielte im Sommer zweimal als deutsche Nummer eins gegen Griechenland. Ohnehin ist er gerade der bessere der beiden deutschen Nationaltorhüter, weil der Hamburger Johannes Bitter seine Form sucht. Mal sehen, wen Bundestrainer Heiner Brand nächste Woche in den EM-Qualifikationsspielen gegen Österreich und Lettland ins Tor stellt. „Ich möchte mich als Nummer eins durchsetzen“, sagt Heinevetter.

          Dass er in der Nationalmannschaft schon mal „Simone“ genannt wird und nach der Playboy-Ausgabe vom Februar 2010 mit seiner Freundin auf dem Cover ein paar Sprüche einstecken musste, kontert er lässig: „Konnte doch jeder sehen, wie gut sie aussieht.“ Sie spricht im Übrigen deutlich lieber und öfter über ihn als umgekehrt. Die beiden versuchen, dem Interesse des Boulevards mit Offenheit zu begegnen, gaben der „Bild“-Zeitung das „erste große Liebesinterview“, in dem eher harmlose Kindereien standen als tiefschürfende Erkenntnisse. Also: Sie mag an ihm die Art, wie er sie anschaut, er an ihr die Nase, die Lippen, „einfach alles“. Der Altersunterschied spiele gar keine Rolle, behaupten beide. „Nur das ewige Gerede darüber nervt“, sagt Simone Thomalla.

          An diesem Sonntag spielen die Füchse vor ausverkauftem Haus gegen die Rhein-Neckar Löwen. Heinevetters Vertrag läuft im Sommer 2011 aus, und sein Berater Stefan Kretzschmar hat schon verraten, dass die Löwen interessiert seien und auf die 250.000 Euro, die Heinvetter derzeit verdienen dürfte, sicher einen schönen Batzen drauflegen würden. Aber kann dieses Paar wirklich die Hauptstadt verlassen und nach Mannheim ziehen?

          Weitere Themen

          Das sind Gottes neue Sinnfluencer

          Suche nach Sinn und Erlösung : Das sind Gottes neue Sinnfluencer

          Gott hat es bei uns nicht leicht: Wer tritt heute noch als offener, liberaler und moderner Mensch für den Glauben ein? Wir stellen fünf Menschen vor, die mit ihrem Verständnis von Religion neue Wege beschreiten – und Türen öffnen wollen.

          Der Revolutionär

          Basketballprofi Vladimir Lucic : Der Revolutionär

          Im europäischen Basketball ragt Bayern Münchens Vladimir Lucic heraus, weil er hat, was ihn von den meisten anderen unterscheidet: Er prägt das Spiel selbst dann, wenn er den Ball nicht berührt.

          Topmeldungen

          Franziska Giffey: Möchte die Berliner mit dem Thema Innere Sicherheit überzeugen.

          Parteitag der Berliner SPD : Giffey will es wissen

          Auf dem ersten hybriden Parteitag der Berliner SPD wirbt die Bundesfamilienministerin für ihre Führungsrolle in der Hauptstadt. Zu ihrer Doktorarbeit sagt sie nichts. Nun kommt es darauf an, wie stark ihre Partei sie machen will.
          Ein AfD-Mitglied beim Landesparteitag der AfD Rheinland-Pfalz am vergangenen Wochenende

          Vor dem Parteitag : Die AfD trifft sich im Wunderland

          Rund 600 Delegierte wollen auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar über ein Rentenkonzept debattieren – unter strikter Einhaltung der Maskenpflicht, sonst droht ein Abbruch.
          Torreiche Partie: Wolfsburg besiegt Bremen.

          5:3-Sieg gegen Bremen : Wolfsburg gewinnt packendes Nordduell

          Das Spiel zwischen Wolfsburg und Bremen entwickelt sich schnell zu einer turbulenten Partie. Beide Mannschaften liefern sich einen sehenswerten Schlagabtausch. Am Ende freuen sich die Wölfe über einen verdienten Jubiläumserfolg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.