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Pascal Hens : Rechtzeitig zur WM ist der Dauerpatient wieder fit

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Pascal Hens galt als Dauerpatient - doch der Hamburger ist immer professioneller geworden Bild: imago sportfotodienst

„Ich hoffe, dass meine Leidenszeit beendet ist“, sagt Pascal Hens. Mit den Jahren ist der bekannteste deutsche Handballspieler stabiler und professioneller geworden: Trainieren, spielen, regenerieren sind die Koordinaten seines Lebens.

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          Am Samstag in Minden gab es das für deutsche Handball-Fans vertraute Bild, wenn eine Welt- oder Europameisterschaft bevorsteht: Auf der Bank hinter der Bank langweilten sich verletzte Stars. Oliver Roggisch, Michael Kraus, Pascal Hens – alle drei beobachteten traurig, wie sich die deutsche Nationalmannschaft zu einem 31:28 gegen Griechenland quälte. Es gehört ja seit Jahren dazu, dass die Deutschen von unheimlichen Verletzungsserien verfolgt werden, kurz bevor die jeweiligen Großereignisse beginnen.

          Roggisch, Kraus und Hens, das sind die entscheidenden Spieler in der Auswahl von Bundestrainer Heiner Brand. Zum Glück wurden sie beim ersten Test gegen die Griechen nur geschont – Spielmacher Kraus nach seiner Oberschenkelverletzung, Abwehrchef Roggisch nach einer Infektion und Hens, weil das operierte Knie schmerzte.

          Mit Hens begann die Aufholjagd des HSV

          Doch anders als sonst scheint das Bild mit den Profis im Wartestand dieses Mal weniger bedrohlich. Denn alle drei dürften schon an diesem Mittwoch wieder so weit hergestellt sein, dass sie beim Abschiedsspiel für den ehemaligen Nationalmannschaftskapitän Markus Baur in Stuttgart mitmachen können.

          Ohne Schmerzen zur WM: Heiner Brand setzt auf Pascal Hens

          Bei Pascal Hens war dies schon am Sonntag beim ebenfalls mühsamen 27:22 im zweiten Spiel gegen die Griechen der Fall. Der 28 Jahre alte Rückraumspieler kehrte in Kassel also in den Kreis der DHB-Auswahlspieler zurück. Dorthin, wo er sich zuletzt Mitte August befunden hatte, bevor ihn eine schlimme Verletzung im Spiel des olympischen Turniers gegen Island zurückwarf: eine Fraktur des linken Schienbeinkopfes, zugezogen bei einer unglücklich stumpfen Landung in einer an sich harmlosen Szene. Drei Monate pausierte Hens. Operation. Reha. Krücken. Ohne ihn lief es bei seinem Arbeitgeber HSV Hamburg so schlecht, dass beinahe Trainer Martin Schwalb entlassen worden wäre. Mit ihm begann der HSV durch einen Sieg gegen die SG Flensburg eine versöhnlich stimmende Aufholjagd – bis auf Rang zwei hinter dem THW Kiel.

          Selbst mit Hens, Kraus und Roggisch wäre das Halbfinale ein großer Erfolg

          Hens ist trotz seiner nie abgelegten Schwächen in der Abwehr ein unangefochtener Führungsspieler in Klub und Auswahl. Nach dem zweiten Sieg gegen Griechenland sagte Bundestrainer Brand: „Es ist erstaunlich, wie Pascal allein durch seine Präsenz für Stabilität gesorgt hat. Seine klaren Aktionen haben unserem Spiel gutgetan.“ Im Verein waren es sechs Spiele mit 26 Toren seit seiner Rückkehr im November; vor allem für die sogenannten leichten Tore sorgt der halblinke Rückraumspieler. Doch sein Wert ist viel größer, als es sich in nackten Zahlen ausdrücken lässt: Hens ist längst ein Spieler, an dem die anderen sich aufrichten, wenn es eng und anstrengend wird.

          Brand hofft, dass es mit Hens bei der Weltmeisterschaft in Kroatien zu etwas mehr reichen könnte als einer ehrenvollen Plazierung. Titelverteidiger Deutschland befindet sich nach Rücktritten, Ausmusterungen und Formschwächen im Neuaufbau. Ausgang ungewiss, wenn plötzlich Profis wie Sven-Sören Christophersen, Martin Strobel und Michael Haaß die Verantwortung übernehmen müssen. Selbst wenn Roggisch, Kraus und Hens wieder dabei wären, wäre das Erreichen des Halbfinales ein großer Erfolg.

          „Da gibt es kein Links und Rechts mehr“

          Hens selbst sah die Absenz im ersten Vergleich mit den Griechen gelassen. „Ich hatte im Training etwas im Knie gespürt, wir haben uns dann zusammen mit den Ärzten für die Pause entschieden“, sagte er, „nach dem Spiel am Sonntag kann ich sagen: Ich habe keine Schmerzen mehr. Ich hoffe, dass meine Leidenszeit jetzt beendet ist.“ Zu Beginn seiner Laufbahn galt Hens ja als Dauerpatient, gerade auch vor und während einer EM oder WM fiel er ständig mit unterschiedlichsten Malaisen aus.

          Doch mit den Jahren ist der bekannteste deutsche Handballspieler stabiler und auch immer professioneller geworden, was Ernährung oder Pflege nach Spiel und Training betrifft. Er sagt: „Man muss wie ein Profi leben. Früher war mir das egal. Da haben wir nur einmal in der Woche gespielt. Jetzt habe ich Champions League, Nationalmannschaft, zwei Turniere – da gibt es kein Links und Rechts mehr.“ Trainieren, spielen, regenerieren – wie für alle Stars dieser schlauchenden Sportart sind die Koordinaten der Tage auch für Pascal Hens die immer gleichen.

          Martin Schwalb ist bei der WM „hochgradig nervös“

          Im Klub waren die Verantwortlichen überrascht, wie schnell Hens Fortschritte in der Reha machte. Nun sind sie froh, dass ihr Rückraumchef wieder da ist – und schauen voller Sorge nach Kroatien: „Ich werde bei der WM hochgradig nervös vor dem Fernseher sitzen“, sagt Martin Schwalb. Für die heiße Phase in Liga, DHB-Pokal und vor allem Champions League (wo es direkt mit den Spielen der Gruppenphase weitergeht) braucht Schwalb einen gesunden Hens.

          Am Montag ließ Pascal Hens eine Übungsstunde mit der Mannschaft aus, stemmte stattdessen Gewichte. Die Muskeln sind in beiden Beinen nach der drei Monate langen Pause geschwächt, und der ganze Körper reagiert manchmal streikend auf die ungewohnten Strapazen. Wenn es am Wochenende in Algeciras beim Vorbereitungsturnier gegen Spanien, Portugal und Argentinien geht, kann sich Hens’ Körper dann schon mal wieder an den bei einer WM normalen Tagesrhythmus gewöhnen.

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